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20 Mann hören auf ihr Kommando

20 Mann hören auf ihr Kommando

KONZ/TRIER. Sachsen, Thüringen, Frankfurt, Trier, Wellen: Über Umwege kam Hiltgund Kraus ins Tälchen, wo sie seit einigen Jahren lebt und als Dirigentin des Männergesangvereins und des Kirchlichen Singkreises aktiv ist. Auch in "der wunderschönen Stadt Trier" musiziert die 70-Jährige.

Ins Tälchen gab es für Hiltgund Kraus bereits eine Verbindung, bevor sie dorthin zog: "Meine Tochter wohnt in Krettnach", erzählt sie. In Sachsen ist die 70-Jährige geboren, hat in Frankfurt am Main gelebt, in der Trierer Walramsneustraße und schließlich 32 Jahre in Wellen. Mit Sicherheit ein Zufall, aber eine lustige Anekdote sei es, erzählt sie, dass ihr Heimatlandkreis in Thüringen, der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, der Partnerkreis von Trier-Saarburg sei. Nach dem Tod ihres Mannes und nachdem alle fünf Kinder aus dem Haus in Wellen ausgezogen waren, brach sie "ihre Zelte dort ab" und schlug sie in Obermennig wieder auf. Sie fühlt sich im Tälchen wohl und bringt sich gern ins Leben dort ein: Als Dirigentin gibt sie im Männergesangverein und im kirchlichen Singkreis den Ton an. "Musik ist mein Leben", sagt sie. Der Dirigenten-Job im Tälchen reiht sich in andere Tätigkeiten ein, die alle mit Musik zu tun haben. "Ich bin Schneidermeisterin von Beruf, aber ich habe mich seit meiner Kindheit mit Musik beschäftigt", erzählt sie. Vielleicht habe sie das Interesse an der Musik von ihrer Mutter geerbt, denn die war Musiklehrerin sowie als Pianistin und Chorleiterin am Theater Rudolstadt tätig. "In der Zeit, als immer mehr Musikvereine aufkamen, ging das auch in Wellen los. Ich bin dann da so reingerutscht", fährt sie fort. Klarinette habe sie gespielt. Auch ihre fünf Kinder wurden von der Musikleidenschaft ihrer Mutter angesteckt und waren ebenfalls im Musikverein. "Als dann ein Ausbilder gebraucht wurde, habe ich das gemacht." Mehr als 15 Jahre lang gab sie Kindern Musikunterricht. "Außerdem legte ich die Dirigentenprüfung ab", ergänzt sie, "somit konnte ich einen Musikverein leiten."Blockflötenkreis jeden Mittwoch in Trier-Irsch

Als sie nach Obermennig zog, wurde ein Dirigent für den Gesangverein gesucht: "Nun bin ich schon seit 1998 dabei." 20 Männer hören im MGV auf ihr Kommando, etwa 30 Leute sind es im gemischten kirchlichen Singkreis. Hiltgund Kraus ist glücklich: "Mir macht die Arbeit unheimlich viel Spaß, und ich glaube, meinen Leuten auch." Vor allem beim jährlichen Adventskonzert fühlt sie sich wohl: "Das ist stets sehr schön und immer richtig gut besucht", freut sich die Dirigentin. So gerne sie die beiden Chöre auch betreut, von einem wird sie Abschied nehmen: "Den Männerchor gebe ich ab. Im Februar kommt ein neuer Dirigent", erklärt sie. Dann hat sie wohl auch mehr Zeit, sich um ihre Familie zu kümmern. "Ich habe sechs Enkel, der siebte ist unterwegs", freut sich die stolze Oma. Auch in den Enkeln steckt Musikbegeisterung: Caroline Kraus, mit zehn Jahren die älteste Enkelin, singt in der Jugendkantorei des Trierer Doms. Zeit benötigt sie auch, um ihren weiteren Hobbys nachzugehen. "Ich spiele außerdem Flöte. Wir treffen uns mit dem Blockflötenkreis unter Leitung von Heinz Schwind jeden Mittwoch in Trier-Irsch", erzählt sie. "Ansonsten arbeite ich viel in der Wohnung, Heimwerken macht mir viel Spaß." Vielleicht komme das von ihrem einstigen Beruf - ganz sicher sei ihr Modeinteresse darauf zurückzuführen. Musik ist ein wichtiger Punkt

"Musik ist seit eh und je ein wichtiger Punkt in meinem Leben", betont Hiltgund Kraus und ermutigt die Leute aus dem Tälchen, es ihr gleichzutun: "Wir proben mit dem Singkreis jeden Dienstagabend im Bürgerhaus in Krettnach. Vor allem junge Leute fehlen uns sehr."