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200 Orden und zwei Fragezeichen

200 Orden und zwei Fragezeichen

200 Besucher waren mit von der Partie, aber ein mit Spannung erwarteter Gast fehlte: Ordnungsdezernent Thomas Egger kam nicht zum Ordens- und Neujahrsempfang der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) ins Kasino. Sehr zum Bedauern der ATK-Funktionäre: Sie hatten sich Informationen zum Stand der Dinge beim Weiberfastnachts-Sicherheitskonzept erhofft.

Trier. Am Anfang stand ein Appell: "Kommt an Weiberfastnacht alle auf den Hauptmarkt und helft mit, dass es eine würdige Prinzenproklamation wird", bat Präsident Andreas Peters (49) beim Neujahrs- und Ordensempfang der ATK, der Dachorganisation von 17 Karnevalsvereinen.
Was im Klartext so viel heißt wie: Rettet das traditionelle Brauchtum! Denn seit dem massenhaften Ausrasten vorwiegend jugendlicher Trittbrettfahrer an Weiberfastnacht 2012 ist in Sachen Straßenkarnevals-Auftakt auf dem Hauptmarkt nichts mehr, wie es einmal war.Musiker für Umzug gesucht


2013 durfte die Proklamation nur als alkohol- und musikfreie Kurzveranstaltung über die Bühne gehen, im vergangenen Jahr bildete der "Narrenkäfig" mit Einlasskontrollen die Feierzone. Der ist in diesem Jahr nicht mehr nötig, nachdem der Stadtrat mit knapper Mehrheit überraschend das Weiberfastnachts-Alkoholverbot in der Altstadt für 2015 gekippt hat. Allerdings gibt es fünf Wochen vor dem 12. Februar viele Fragezeichen. Peters plädiert für ein gemeinsames Sicherheitskonzept mit der Polizei, aber von dort gebe es keine positiven Signale. Aufklärung zum Stand der Dinge hatten sich die Narrenfunktionäre vom Ordnungsdezernenten Thomas Egger erhofft. Der jedoch blieb trotz Zusage dem Empfang im Kornmarkt-Kasino fern - vermutlich, weil er tags darauf zu einer Dienstreise nach China aufbrach.
Mehr Klarheit in Sachen Genehmigungen und Rahmenbedingungen dürfte die nächste "Runder Tisch Weiberfastnacht"-Sitzung am Dienstag im Rathaus bringen.
Derweil hat auch Rosenmontagszug-Organisator Georg Heinen noch mit einigen Unklarheiten zu kämpfen. Nach der Absage von zwei auswärtigen Kapellen (wegen Krankheit und Trauerfall) sieht er den ohnehin nicht allzu großen Musikantenanteil beim Trierer Narrenumzug am 16. Februar noch weiter schwinden. Deshalb rührt Heinen (der am 16. Januar 50 wird) die Werbetrommel derzeit besonders laut: "Musikkapellen bitte anmelden!" (Infos und Formulare: www.atk-trier.de )
Busunternehmer Thomas Müller (47, Kylltal-Reisen), Schirmherr des 2015er Rosenmontagszuges, sieht sich seit dem ATK-Empfang bestens auf sein närrisches Ehrenamt vorbereitet. Den entscheidenden Hinweis gab ihm Amtsvorgänger Werner Dellwing (61, Vorstand Volksbank Hochwald-Saarburg). "Du gehst genau vor der Eurener Koobengarde. Die soll dich unterwegs beköstigen. Deshalb: Nimm alles, was du bekommen kannst, wenn du nicht verdursten willst", so Dellwing in Anspielung auf den angeblichen Geiz der Eurener ("Das sind die Schotten unter den Trierern!"). Überhaupt nicht lumpen ließ sich die ATK-Spitze. Sie brachte am Mittwochabend 200-fach Edelmetall unters Volk. Den "Karneval ohne Grenzen"-Sessionsorden erhielten auch zwei Gäste, die sich ihre Meriten erst noch verdienen soll: Semra (32) und Elmar Güth (52) von der KG Rote Funken. Vorbehaltlich der als reine Formsache geltenden Zustimmung des ATK-Präsidiums werden die Güths Triers Karnevalsprinzenpaar 2016 und damit Nachfolger von Uwe und Renate Hendele (KG Onner Ons), die in der ATK-Gala morgen in der Europahalle als 2015er Tollitäten inthronisiert werden.
Der Landesverband Rhein-Mosel-Lahn (RML) im Bund Deutscher Karneval (BDK) nutzte die Gelegenheit und ehrte ebenfalls: RLM-Vizepräsidentin Doris Köhl hängte Andreas Dalpke (Vize der Prinzenzunft Trier) den BDK-Verdienstorden um.