2000 Euro für Hinweise auf Friedhofsvandalen in Trier – Stadt findet Methode zur Entfernung der Sprühfarbe

2000 Euro für Hinweise auf Friedhofsvandalen in Trier – Stadt findet Methode zur Entfernung der Sprühfarbe

Einen Monat nach dem bisher schlimmsten Fall von Vandalismus auf dem Hauptfriedhof in Trier haben Mitarbeiter der Stadt eine Lösung gefunden, die Stelen auf dem Urnengräberfeld von der Sprühfarbe zu befreien. Ein Angehöriger und die Staatsanwaltschaft haben Belohnungen von 2000 Euro ausgesetzt.


Helene M. steht vor dem Grab ihres vor sechs Jahren verstorbenen Mannes. In der linken Hand hält sie eine kleine Gießkanne für die Blumen, ihr Blick geht zu Boden. "Es ist eine Schande und eine ungeheure Gemeinheit", sagt sie leise. Das Grab vor ihr wirkt hervorragend gepflegt. Doch den Grabstein hat jemand mit roter Sprühfarbe verunstaltet. Die gesamte Front des Steins ist mit einem Muster bedeckt, das eine Rune, ein verunglücktes chinesisches Schriftzeichen oder einfach ein Fantasiegebilde sein könnte.

30 Grabsteine auf dem Hauptfriedhof haben Unbekannte Anfang August mit roter und blauer Farbe besprüht (der TV berichtete). Helene M. gehört zu den Betroffenen, und sie schämt sich. Deshalb möchte sie ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. "Eine Beseitigung dieser Schweinerei würde mehr als 1200 Euro kosten, hat mir ein Steinmetz gesagt", erzählt sie. "Das kann ich mir nicht leisten."

Auf dem Friedhofsgelände sei sie inzwischen auch anderen betroffenen Angehörigen begegnet. Man komme automatisch miteinander ins Gespräch. "Viele können diese Summe nicht einfach so aufbringen", sagt die Rentnerin. Die Friedhofsverwaltung haftet nicht, die Täter sind noch unbekannt und kaum jemand hat eine spezielle Vandalismusversicherung für eine Grabstätte abgeschlossen. "Ich kenne niemanden", sagt Helene M. und ergänzt nach kurzer Pause: "Ich habe natürlich selbst versucht, das Zeug wegzubekommen. Aber es ist in den Stein eingezogen."

Die Stadt Trier hat jetzt eine Lösung gefunden, die den Betroffenen möglicherweise helfen könnte. Vier Stelen auf dem Urnengräberfeld, die der Stadt gehören, waren ebenfalls besprüht worden. "Wir haben ein paar Sachen ausprobiert, um den Schaden zu beseitigen", sagt Ralf Frühauf vom Trierer Presseamt. Eine der vier Stelen wurde bereits im August mit dem Lösungsmittel Aceton bearbeitet. "Die Farbe ging damit zwar weg, aber wir waren nicht zufrieden", sagt Frühauf. "Ein leichter Farbschleier blieb übrig. Wir waren dann erst einmal ratlos. Deshalb hat die Behebung der Schäden auch länger gedauert."

Dann hatte ein Mitarbeiter des Grünflächenamts eine zündende Idee. "Er schlug vor, einen Heißwasserdampfstrahler auszuprobieren, den wir zurzeit in der Unkrautbekämpfung einsetzen." Am Mittwochmorgen setzte ein Team des Grünflächenamts diese Idee um. Sie funktionierte. Mit dem Strahler wurden alle vier Stelen von der Sprühfarbe befreit. "Die Beschriftung hat dabei gelitten und wird an einzelnen Stellen nachgebessert", erklärt der Sprecher der Stadt Trier. "Aber insgesamt war die Aktion ein Erfolg, die Farbe ist weg."

Die Stadt Trier will alle Steinmetzbetriebe über diese Reparaturmethode informieren. "Möglicherweise hilft diese Vorgehensweise, neben den Stelen auch die Grabsteine auf eine schonende und günstigere Art zu reinigen", sagt Frühauf. "Betroffene sollten deshalb unbedingt einen professionellen Steinmetz aufsuchen und dessen Rat einholen."
Die Suche nach den Tätern läuft, doch noch haben die Ermittler der Kripo keine konkreten Ergebnisse. Der bisher einzige Ansatzpunkt sind die Aussagen von Anwohnern, die abends immer mal wieder Gruppen junger Leute auf dem Friedhofsgelände gesehen haben. Die Polizei sucht sie - nicht als Verdächtige, sondern als Zeugen.

Die Ermittler hoffen auf die Zeugenaussagen von drei Männern und einer Frau im Alter von etwa 20 Jahren, normale Staturen, mitteleuropäisches Aussehen. Die Frau trug ihre blonden Haare zu einem Pferdeschwanz. Sie sollen in der Nacht vom 9. auf den 10. August auf dem Hauptfriedhof gewesen sein. Zeugenaussagen nimmt die Polizeiinspektion Trier unter 0651/9779-3200 entgegen.

Wer Hinweise liefert, die zu den Tätern führen, hat Aussicht auf eine Belohnung von insgesamt 2000 Euro. Einer der betroffenen Hinterbliebenen hat 1000 Euro als Belohnung ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft hat diese Summe verdoppelt. Das bestätigt Polizeisprecherin Sabine Bamberg. Direkt Geschädigte haben keinen Anspruch auf die Belohnung.

Der Betroffene erläutert dem TV seine Gründe. "Ich will aktiv dazu beitragen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden", sagt er. "Dieser Fall soll nicht einfach als ungelöst abgehakt und vergessen werden. Die Sprüher haben enorme materielle Schäden und sehr viel Kummer verursacht."

Und wenn die Täter wiederkommen? Die Stadt Trier hat deutlich gemacht, dass sie den Hauptfriedhof nicht in eine Festung verwandeln will. Kein Stacheldraht auf den Mauern, keine Überwachungskameras. Stattdessen sollen städtische Mitarbeiter nächtliche Kontrollgänge machen.