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2011 könnte ein Spitzenjahrgang werden

2011 könnte ein Spitzenjahrgang werden

Die Blätter sind saftig-grün, die Reben gesund, der Reifegrad der Trauben liegt drei bis vier Wochen vor durchschnittlichen Jahrgängen: Die Winzer an Mittelmosel und Ruwer könnten dieses Jahr einen absoluten Spitzenjahrgang ernten, wenn das Wetter mitspielt. Einige Winzer haben jedoch Ernteausfälle wegen des Nachtfrosts im Mai.

Waldrach/Leiwen/Longen/Detzem. Noch sind die Trauben klein und hart, aber die Winzer an der Mittelmosel und der Ruwer blicken bereits einem sehr guten Jahrgang entgegen - dem vielleicht besten seit vielen Jahren. Denn erfahrungsgemäß sind frühe Jahrgänge auch gute Jahrgänge, und dieses Jahr sind die Trauben außergewöhnlich früh an. "Wir liegen drei, mancherorts bis zu vier Wochen vor der Zeit", sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbands Mosel in Trier. "Das ist sogar noch früher als in den Spitzenjahren 1976 und 2003."
Etwa zwei Monate vor der Traubenlese könnten die Vorzeichen für den Jahrgang 2011 kaum besser stehen. Die Reben sind gesund, die Trauben groß, die Menge ist gut. "In über 40 Jahren Weinbau kann ich mich nicht daran erinnern, dass der Bestand einmal in einem so guten Zustand war wie dieses Jahr", sagt der Winzer Claus-Peter Feller aus Leiwen. Der Weinhändler Hermann Rosch aus Longen sagt: "Der Behang ist sehr gut, so dass wir auch mengenmäßig vor einer guten Ernte stehen."
Reifegrad bis vier Wochen früher



Nicht so positiv verläuft das Jahr dagegen für einige Winzer an der Mittelmosel, die aufgrund von Frostschäden Einbußen bei der Ernte hinnehmen müssen. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai war die Temperatur unter null Grad gefallen und zerstörte Tausende Hektar Reben in Rheinhessen, Franken und der Pfalz. Auch Weinberge an der Mittelmosel waren vom Kälteeinbruch betroffen (der TV berichtete): Kalte Luft hatte sich von der Eifel ins Moseltal herabgesenkt und sich über die flachen Lagen bei Detzem, Thörnich, Köwerich und Leiwen gelegt, wo sich regelrechte Kaltluftseen in Mulden und Senken bildeten. Darin erfroren Anfang Mai die Reben mit ihren zarten, gerade erst ausgetriebenen Knospen.
Einer der betroffenen Winzer ist Hans-Peter Freis aus Detzem. Auf seinen insgesamt 30 Hektar Weinanbaufläche hat der Frost fast ein Viertel der Reben ganz oder teilweise zerstört. "Alle Frostschäden zusammengerechnet, haben wir auf etwa sieben Hektar einen totalen Ernteausfall", sagt er. Zwar sei der Zustand des restlichen Bestands sehr gut, aber ausgleichen könnten sie den Verlust nicht. "Für uns wird 2011 kein Spitzenjahr", bilanziert er.
Insgesamt seien die Frostschäden an Mosel und Ruwer aber "nicht tragisch", sagt Knebel. Schließlich seien nur einige Tieflagen oder gar vereinzelte Zeilen betroffen, und nicht ganze Flächen wie in Franken oder Rheinhessen. "Wie groß die vom Frost zerstörte Fläche an der Mosel insgesamt ist, können wir nicht genau sagen, vielleicht zwischen 80 und 150 Hektar", schätzt Wilfried Zipse vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. Doch diese Größenordnung falle bei einer gesamten Weinanbaufläche von rund 8900 Hektar an Mosel, Saar und Ruwer nicht ins Gewicht.
Ob das Jahr 2011 trotz Frostschäden noch einen versöhnlichen Ausgang für Hans-Peter Freis nehmen wird, entscheidet letztlich auch der Weinpreis. Wie sich dieser entwickeln wird, könne man jetzt noch nicht abschätzen, sagt Zipse. "Aber natürlich hoffen die Winzer, dass der Preis stabil bleibt oder sogar leicht ansteigt." Auch Winzer Freis hofft das: "Vielleicht haben wir Glück und die großen Frostausfälle in anderen Regionen führen dazu, dass insgesamt weniger geerntet wird und unsere Trauben so mehr wert sind."
Anfang September, je nach Witterung vielleicht sogar schon Ende August, wird die Traubenlese voraussichtlich beginnen - zuerst die Sorte Müller-Thurgau, etwas später der Riesling. "Bis dahin kann noch eine Menge schiefgehen, wenn das Wetter nicht mitspielt", warnt Winzer Rainer Krämer aus Waldrach. Hagel oder starke Windböen könnten den Bestand innerhalb weniger Minuten zerstören. Auch ein feucht-warmes Klima könnte die Trauben zum Faulen bringen. Krämer weiß aus Erfahrung: "Wie der Jahrgang wird, weiß man immer erst, wenn der Wein im Fass ist."

Das Weinanbaugebiet Mosel umfasst rund 8900 Hektar und gliedert sich in die fünf Bereiche Burg Cochem (Terrassenmosel), Bernkastel (Mittelmosel), Ruwer, Saar und Obermosel. An der Mittelmosel gibt es etwa 2150 Winzerbetriebe, die rund 5800 Hektar bewirtschaften - 3500 Hektar Flach- und 2300 Hektar Steillage. Der Bereich Ruwer umfasst 50 Hektar Flach- und 140 Hektar Steillage. An der Ruwer wird fast ausschließlich Riesling angebaut, an der Mittelmosel sind die beliebtesten Sorten Riesling und Müller-Thurgau/Rivaner. In beiden Anbaugebieten gibt es nur neun Prozent rote Sorten. Die Weinmosternte betrug 2010 mehr als 465 000 Hektoliter an der Mittelmosel und über 8300 Hektoliter an der Ruwer - deutlich weniger als im Vorjahr, als es an der Mittelmosel über 541 000 Hektoliter, und an der Ruwer mehr als 11 100 Hektoliter waren. beke