22 000 Bürger ziehen mit

Im sechsten Teil der Serie über Bürgerinitiativen schweift der Blick in die jüngere Vergangenheit. Die Bürgerinitiative "Rettet das Südbad" hat zur Erhaltung des Bades 22 000 Unterschriften gesammelt.

Trier. Wer sich derzeit auf zur Weismark macht, um sich das Südbad anzuschauen, trifft auf ein Bild der Geschäftigkeit. Bagger, Bauarbeiter und Transporter zeugen davon, dass die Arbeit der Bürgerinitiative "Rettet das Südbad" letztendlich von Erfolg gekrönt worden ist. Drei Jahre Bürger-Engagement zuerst in der BI und später im Förderverein Südbad sind dem Baubeginn vorausgegangen. "Wir wollten das schönste Bad hier in Trier erhalten für unsere Kinder und uns", erinnern sich Gudula Stappert und Susanne Bull an das Jahr 2005.

Bei einem Schulfest in Heiligkreuz - damals noch unter der Regie von Rüdiger Rauls und Martina Schratt - wurde die Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel: möglichst viele Unterschriften zum Erhalt des Bades zu sammeln. "Das ging lawinenartig los", erzählt Bull. "2005 war ein toller Sommer, das war genau der richtige Zeitpunkt!" Schnell kamen 22 000 Unterschriften zusammen. Kurz darauf erlaubte die Verwaltung der BI, am 21. Juli 2005 eine Demonstration zu organisieren. 500 Menschen zogen durch die Stadt, um auf die notwendige Südbad-Sanierung hinzuweisen. Wenig später, im November 2005, gründeten Bull und Stappert den Förderverein Südbad, der als fester Ansprechpartner gegenüber der Verwaltung dienen sollte.

Zuerst existierten der Verein und die BI parallel. Die Initiative löste sich aber am 24. April 2006 auf, weil ihr Ziel mit der Sanierungszusage des Stadtrats erreicht worden war. "Wir wollten die Sanierung durchsetzen, aber nicht so sehr an der Gestaltung mitwirken", begründet Rauls die Entscheidung. Für den Verein begann ein langwieriger Kampf um die konkrete Umsetzung der Sanierungsarbeiten. Den Mitgliedern ging es zuerst um den Erhalt des Bads in der ehemaligen Form mit neuer Technik - dieses Ziel erreichten sie nicht: Das Bad wird jetzt zwar für 9,3 Millionen Euro saniert, aber die Wasserfläche wird um rund ein Drittel verkleinert. Dafür werden zwei Schwimmerbahnen geopfert und der Rand im Nichtschwimmerbecken um 1,50 Meter nach innen verlegt.

Bei ihrer Arbeit hätten sie eine Drei-Säulen-Strategie verfolgt, sagen Stappert und Bull. Erstens: Dialog mit der Verwaltung. Zweitens: Öffentlichkeitsarbeit und Information der Bürger. Drittens: Mitgliederwerbung. Vor allem die öffenlichkeitswirksame Zusammenarbeit mit den Medien - unter anderem über ein TV-Forum und eine Umfrage im Volksfreund - zogen Leute und Aufmerksamkeit an. "Unser Anliegen war, das Thema in der Öffentlichkeit zu halten", sagt Stappert. Jede Stadtratssitzung hätten sie damals besucht. "Es war extrem zeitaufwendig", sagt Bull. Aber dieses Engagement habe sich ausgezahlt, denn "ein kleineres Bad ist ja schließlich besser als gar kein Bad". Auf dem Weg bis zum Baubeginn musste der Verein dann Rückschläge wie die Verkleinerung des Bades hinnehmen. "Davon haben wir uns nicht unterkriegen lassen", sagt Stappert. Dass sich Bürger-Engagement lohnt, davon sind die Frauen überzeugt.