25-jähriges Bestehen des schwul-lesbischen Zentrums Schmit-Z in der Trierer Europahalle

Jubiläum : Knallharte Champagnerfete: 800 Freunde und 200 Akteure der Schmit-Z-Family feiern mit (Fotos)

800 Besucher feiern mit 200 Akteuren eine Gala in der Trierer Europahalle. Warum? Das schwul-lesbische Zentrum Schmit-Z ist 25 Jahre alt geworden. Der Auftritt eines traditionellen Trierer Vereins setzt ein starkes Zeichen.

Alex Rollinger, Leiter des Schmit-Z, ist aufgeregt. Gleich beginnt die große Gala, die nach seinen Angaben mit „mindestens 812“ Gästen so gut wie ausverkauft ist. Ausdrücklich wurde um festliche Kleidung gebeten, und die meisten sind dieser Bitte nachgekommen.

Rollinger dankt in seiner Rede allen Weggefährten und betont, dass sogar einige Gründungsmitglieder heute Abend anwesend sind. Schirmherrin Malu Dreyer hingegen lässt sich entschuldigen – ihre Begrüßungsworte werden per Videoleinwand übertragen. Dafür sind OB Wolfram Leibe und  Bundesjustizministerin Katarina Barley anwesend – „unser Europamäuschen“, wie Bühnen-Kultfigur Herminchen sie  bezeichnet; als Comedyfigur darf sie das sagen.

Denn das Hauptthema an diesem Abend sind Akzeptanz und der stetige Einsatz gegen Diskriminierung jeglicher Art. Außer verschiedenen Politikern fast aller Fraktionen begrüßt Rollinger seine 82-jährige Mutter im Publikum, „ohne die es das Schmit-Z nicht gäbe“. Diese emotionalen Momente sind es, die die Besucher während der fast sechsstündigen Veranstaltung immer wieder mitreißen. Moderator und Sänger Holger Edmaier führt charismatisch durch das Programm, das Anliegen der LSBTI-Community zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Und wer eine bunte Travestieshow erwartet hatte, wird eines Besseren belehrt: Unter anderem hält die Staatsministerin der Grünen, Dr. Christiane Rohleder, Beauftragte für LSBTI, eine Rede, in der sie die Arbeit des Projekts „Schlau“ lobt: Die Mitarbeiter bieten Bildungs- und Aufklärungsveranstaltungen zu sexuellen Orientierungen und geschlechtlicher Vielfalt für Schulen und andere Einrichtungen an.

Während einer Gesprächsrunde mit Nollendorf-Blogger Johannes Kram, OB Wolfram Leibe und Joachim Schulte vom Queernet RLP wird Justizministerin Katarina Barley auf ihre bevorstehende Arbeit im Europaparlament befragt. Sie erklärt, dass sie sich auch weiterhin für die Community einsetzen wird. „Wir dürfen das vielfältige Europa nicht verlieren“, sagt sie und erntet viel Applaus. Auch Linke-Abgeordnete Katrin Werner setzt sich im Namen des Bündnisses gegen rechts in einem Interview für die Anliegen von LSBTI ein.

Das Unterhaltungsprogramm an diesem Abend kommt natürlich nicht zu kurz, und auch hier sind es die emotionalen Auftritte, die das Publikum von den Stühlen reißen. Mitglieder des Schmit-Z stellen sich zu einem Chor auf und huldigen zur Begleitung am Flügel durch Daniel Christiansen mit ihrer eigenen Version eines Sportfreunde-Stiller-Titels dem Schmit-Z: „Ich wollte Dir nur mal eben sagen, dass Du was Großes für uns bist. Schön anzusehn, wie 25 Jahre Dir gut stehn“, singen sie in dem Refrain, der auf der Großleinwand im Hintergrund angezeigt wird. Das sorgt für stehende Ovationen und Zugaberufe bei den Besuchern.

Dass ausgerechnet der Besuch eines traditionellen Vereins, den man aus dem Karneval kennt, mit Funkenmariechen und Gardeoffizieren die Galagäste begeistert, mag etwas verwundern. Johannes Kram verfolgt den Aufmarsch von seinem Platz im Publikum aus. Jedoch sieht er es als „wichtiges und gutes Zeichen in die Gesellschaft hinein, dass ein solcher Traditionsverein hinter dem Schmit-Z steht“.

Wie recht er hat, zeigt sich, als anschließend die männlichen Gardetänzer der Stadtgarde zusammen mit den schwulen Männern der Rosa Garde einen gemeinsamen Tanz auf die Bühne bringen: Der Saal tobt. Der zeitliche Rahmen der Gala wird gnadenlos gesprengt, erst nach Mitternacht betritt das als Hauptakt angekündigte Duo Glasperlenspiel die Bühne.

Die Bässe wummern durch die Europahalle, und die an diesem Abend nicht immer erfüllten Ansprüche an die Bühnentechnik sind hoch. Im Anschluss an das Finale folgt die „knallharte Champagnerfete“, die im bekanntesten Hit von Glasperlenspiel besungen wird.