300 Abhängige besuchen Fixerstuff

300 Abhängige besuchen Fixerstuff

In Luxemburg-Stadt existiert seit rund fünf Jahren ein Drogenkonsumraum, die Fixer-stuff. Untergebracht ist sie in Containern. Ein geplanter Neubau des Drogenzentrums im Luxemburger Bahnhofsviertel ist vom Verwaltungsgericht gestoppt worden.

Luxemburg-Stadt. Eingezwängt zwischen Bahngleisen, der Hochbrücke in Richtung Süden und einem Werkstattgebäude stehen in der Stadt Luxemburg etliche Container. Sie sind umzäunt. Zu ihnen gelangt man nur durch ein Drehtor; und nur, wenn einen die Sozialarbeiter kennen. Aber auch ohne Einlasskontrollen würden sich vor dem Tor Schlangen bilden.

In dem Provisorium aus Containern ist seit rund fünf Jahren die Fixerstuff untergebracht. Eine weitere gibt es im luxemburgischen Esch-sur-Alzette. Außer diesen beiden Drogenkonsumräumen gibt es in der Großregion nur noch einen solchen Raum in Saarbrücken.

Laut Gesetz sind Drogenkonsumräume "Räumlichkeiten, in denen Betäubungsmittelabhängige die Möglichkeit haben, ärztlich nicht verschriebene, mitgeführte Betäubungsmittel zu verbrauchen".

"Die Einrichtung dient aber nicht allein dem Drogenkonsum", erklärt Tom Oswald. Er hat an der Universität Luxemburg Kriminologie studiert und nach einem mehrmonatigen Praktikum seine Abschlussarbeit über die Fixerstuff geschrieben.

"Die Einrichtung ist Anlaufpunkt für Drogenabhängige und gibt Hilfestellung bei einem beabsichtigten Drogenausstieg", informiert Oswald.

Rund 300 Drogenkonsumenten täglich nehmen die Dienste der Fixerstuff in Anspruch. Manchmal kommen bis zu 150 in einer Stunde. "Gerechnet auf die Gesamtbevölkerung werden im Großherzogtum Luxemburg EU-weit die meisten harten Drogen konsumiert", sagt Paul Helminger, Bürgermeister der Stadt Luxemburg.

Das Drogenproblem beschränke sich nicht allein auf das Bahnhofsviertel in Luxemburg-Stadt, ergänzt François Bauschert, erster Schöffe der Stadt Luxemburg. Ähnlich gelagerte Probleme gebe es zum Beispiel auch in Esch-sur-Alzette. "Nur mit einer akzeptierenden Drogenarbeit können wir die mit dem Drogenkonsum verbundenen Probleme kontrollieren", meint Bauschert. "Ohne Fixerstuff würde die Zahl der Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV durch mehrfach benutzte Fixerbestecke steigen." Aber auch die Todesfälle würden zunehmen, weil notwendige Hilfe nicht rechtzeitig geleistet werden könnte.

Für Helminger und Bauschert ist daher klar, dass das Provisorium in Bahnhofsnähe durch ein Drogenzentrum ersetzt werden muss. Geplant war das neue Gebäude in der Rue d'Alsace, wieder in Bahnhofsnähe. Aber diese Pläne lassen sich derzeit nicht verwirklichen, weil die Paul Wurth AG gegen den Bau des Drogenzentrums in ihrer Nachbarschaft erstinstanzlich erfolgreich geklagt hat. Das Berufungsverfahren dauert noch an.

Wie eine alternative Lösung des Problems aussehen könnte, ist momentan offen. Aber eines ist sicher: Bis ein neues Drogenzentrum gebaut ist, werden sich vor der provisorischen Fixerstuff weiter Schlangen bilden.

Extra Die rechtliche Lage in Deutschland: Eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes im Jahr 2000 hat den Betrieb von Drogenkonsumräumen in Deutschland ermöglicht und so der gesundheitlichen Prävention Vorrang vor Strafverfolgung eingeräumt. Danach ist von einer Strafverfolgung wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in geringer Menge absehen, wenn in einem genehmigten Drogenkonsumraum Betäubungsmittel konsumiert werden. Voraussetzung ist, dass sich der Betroffene befugt dort aufhält, also nicht Erst- oder Gelegenheitskonsument ist. (red)

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