300 Jahre Nachhaltigkeit haben sich bewährt
Trier · Eigentlich sollte beim zweiten Trierer Waldforum die Überlegung "300 Jahre Nachhaltigkeit: Ein Grund zum Feiern oder scheitert das Erfolgsmodell?" im Mittelpunkt stehen. Doch nicht zuletzt aufgrund der Veröffentlichung des Trierischen Volksfreunds über die geplante Änderung des Waldgesetzes durch die rot-grüne Landesregierung verschoben sich die Schwerpunkte.
Trier. Schon vor seiner Begrüßung der Gäste ahnte Forstdirektor Gundolf Bartmann, dass die Veranstaltung eine so nicht vorgesehene Dynamik bekommen würde. "Die Veröffentlichung des Trierischen Volksfreunds über die geplante Änderung des Waldgesetzes beschäftigt alle, darüber werden heute viele sprechen wollen."
Er sollte recht behalten. Gelegenheit bot eine Podiumsdiskussion, moderiert von Bianca Waters. Neben den Landtagsabgeordneten Marcel Hürter (SPD), Anna Neuhof (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Billen (CDU) waren Ministerialdirigent Jens Jacob, Verbandsdirektor Winfried Manns, Beigeordnete Simone Kaes-Torchiani und Siegfried Schuch, Vorsitzender der NABU in Rheinland-Pfalz zum Gespräch eingeladen. Im Laufe der Veranstaltung wurde die Runde noch durch Johannes Lehnert erweitert, der die Position der Sägewerksbesitzer vertrat.
Einigkeit in einem Punkt
In einem Punkt waren sich alle einig: 300 Jahre nachhaltiger Forstbetrieb sind ein Grund zum Feiern. Doch damit endeten die Gemeinsamkeiten. Mit ihrer Aussage, man müsse den Wald in seiner Vielfalt bewahren, erhielt Anna Neuhof noch die Zustimmung aller. Dass ihr Ministerium aber Äcker, Felder und Wiesen stärker schützen und deren Anteil noch erhöhen will, statt bei Abholzungen Wald-Neuanpflanzungen vorzunehmen, stieß auf scharfen Protest in der Runde.
Er würde sich wünschen, dass nur noch Praktiker über die Zukunft des Waldes entscheiden dürften, meldete sich Michael Billen. Das Waldgesetz dürfe man nicht verändern, das habe sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt.
Das sah auch Simone Kaes-Torchiani so. Die Stadt Trier besitzt nach ihren Worten 2400 Hektar Wald. Neben einem Naturschatz sei dies ein großes Gemeindevermögen, das es für die Zukunft zu bewahren gelte. In der Änderung des Waldgesetzes sah sie einen Ausverkauf: "Bilder wie in Griechenland, wo die Wälder alle abgeholzt wurden, darf es hier nicht geben." Experten wüssten, dass das Vermögen nur durch gleichzeitige Aufforstungen erhalten bleibe. Unterstützung erhielt Kaes-Torchiani auf breiter Front. Winfried Manns, geschäftsführender Vorstand des Städte- und Gemeindebundes Rheinland-Pfalz, sprach sich ebenfalls für Erhaltung und Nachhaltigkeit aus. Für viele Gemeinden sei der Wald eine wichtige wirtschaftliche Grundlage.
Sägewerkchef Johannes Lehnert befürchtete, dass bei mangelnden Ausgleichpflanzungen das Holz künftig aus dem Ausland komme. In diese Kerbe hieb auch Wieland Becker von der Hochschule Trier mit dem Hinweis, slawische Lärchen könnten künftig nicht Grundlage der Bauindustrie werden. Und Stefan Wigand von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald erinnerte an die wichtige Funktion des Waldes beim Klimaschutz.
Aufgebrachte Gemüter
Marcel Hürter versuchte die aufgebrachten Gemüter zu besänftigen. Seit zwei Jahrzehnten habe man eine Forstwirtschaft, die aus ihren eigenen Erfahrungen gelernt habe. Man müsse sich der Frage stellen, welche Nadelholzarten man halten könne.
Seine Kollegin Anna Neuhof verteidigte die geplante Änderung. Das Gesetz werde keine Inhalte haben, die einen systematischen Raubzug ermöglichen würden. Unterstützung erhielt sie dabei vom NABU-Vorsitzenden Siegfried Schuch, der sich für die Erweiterung des Schutzraumes für Äcker, Felder und Wiesen stark machte. In diesem Bereich sei ein deutlicher Anstieg an Artendefiziten festzustellen, weshalb es Handlungsbedarf gebe.
Ruhiger verlief die Diskussion um den Nationalpark. Hier übte vor allem Billen heftige Kritik. Die geplanten Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro würden sich verdoppeln. Außerdem sei nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet ein sehr ertragsstarkes Waldgebiet ausgesucht wurde: "Ein solches Gebiet stillzulegen kann sich nur ein vermögendes Bundesland leisten."
Dem widersprach sein Kollege Hürter. Das angesprochene Gebiet umfasse lediglich ein Prozent der gesamten Fläche. "Auf der gesamten übrigen Fläche wird Forstwirtschaft wie in den letzten 20 Jahren gemacht - naturnah und mit Blick auf die Betriebswirtschaft."