307 Millionen Euro Vermögen, aber nichts zum Ausgeben

307 Millionen Euro Vermögen, aber nichts zum Ausgeben

Wie vermögend der Kreis ist, das erfuhren die Kreistagsmitglieder gestern Abend bis ins kleinste Detail. Im Kreistag wurde die Eröffnungsbilanz bekannt gegeben. Sie ist ein Kernstück der "Doppik"; die Vorlage ist Pflicht.

Trier/Saarburg. (alf) Wie reich ist der Landkreis Trier-Saarburg? Das wusste bisher niemand ganz genau, doch dank der Eröffnungsbilanz, die die Verwaltung gestern Abend im Kreistag vorlegte, stehen die Zahlen fest: Das Anlagevermögen des Kreises beträgt 307, 5 Millionen Euro. Doch das Geld liegt weder auf der Bank, noch in einem Safe des Kreishauses. Eher schon liegt es auf der Straße, denn drei Viertel des Infrastrukturvermögens steckt in 452 Kilometern Kreisstraße. Nicht nur Straßen, auch kreiseigene Gebäude, darunter Schulen und Brücken, sowie Grundstücke wurden bewertet. Etwa vier Jahre hat sich damit eine Projektgruppe befasst. Mit Gerhard Becker hat der Kreis eigens für diese Aufgabe einen Buchhalter eingestellt. Bevor der Kreistag nun mit der Bilanz konfrontiert wurde, hatte der Rechnungsprüfungsausschuss sie mit Hilfe eines externen Sachverständigen auf Herz und Nieren geprüft.

Kreisstraßen höchstes Vermögensgut



Mit einer Eigenkapitalquote von 26,7 Prozent (Vermögen minus Schulden), was knapp 85 Millionen Euro entspricht, steht der Kreis Trier-Saarburg im Landesvergleich relativ gut da. "Trotzdem sind wir kein reicher Landkreis, denn das Vermögen ist ja in Straßen und Gebäuden gebunden und steht uns nicht für Investitionen zur Verfügung", sagt Landrat Günther Schartz. Für ihn steht der enorme Arbeitsaufwand für die Eröffnungsbilanz in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Vorteil sei allenfalls, dass man nun exakt wisse, was dem Kreis gehöre.

Der größte Vermögenswert des Kreises, die Kreisstraßen, sind auch sein größtes Sorgenkind. 224 Straßenkilometer, das ist etwa die Hälfte des gesamten Kreisnetzes, sind in einem so schlechten Zustand, dass sie ausgebessert werden müssten. Das hat eine Ermittlung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) ergeben. Die Verbindlichkeiten des Kreises summieren sich auf 57,5 Millionen Euro; davon sind 54 Millionen Euro Kredit aufnahmen. Auf der Habenseite sticht ein Anlagevermögen von 40,7 Millionen (RWE-Aktien) hervor, wobei 28,5 Millionen Euro Rückstellungen für Beamten-Pensionen sind.