360 kleine Klärmeister

Trier/Welschbillig · Die Verbandsgemeindewerke Trier-Land geraten mit der gesetzlich vorgeschriebenen Umrüstung auf biologische Hauskläranlagen oder geschlossene Sammelgruben in Zeitnot. Etwa 300 Grundstückseigentümer in Außenbereichen haben noch nicht umgestellt, obwohl die Frist bald abläuft.

 Diese Hauskläranlage aus Kunststoff steht zu Werbezwecken in Zemmer-Schleidweiler. Solche oder ähnliche Modelle müssen Grundstücksbesitzer in Außenbereichen von Trier-Land einbauen lassen. TV-Foto: Albert Follmann

Diese Hauskläranlage aus Kunststoff steht zu Werbezwecken in Zemmer-Schleidweiler. Solche oder ähnliche Modelle müssen Grundstücksbesitzer in Außenbereichen von Trier-Land einbauen lassen. TV-Foto: Albert Follmann

Trier/Welschbillig. Bis zum 22. Dezember 2012 müssen alle Haushalte an vollbiologische Kläranlagen oder geschlossene Abwassersammelgruben angeschlossen sein. So fordert es eine EU-Richtlinie zum Gewässerschutz. Für die Verbandsgemeinde Trier-Land bedeutet dies, dass in spätestens zwei Wochen etwa 360 Grundstückseigentümer ihre nicht mehr zulässigen Sickergruben mit Überlauf umgerüstet haben müssten. Und zwar auf eigene Kosten. Doch das wird nicht hinhauen: In knapp 300 Fällen sei der Einbau der geforderten Anlagen noch nicht passiert, teilen die Verbandsgemeindewerke auf TV-Anfrage mit.
Von 190 benötigten biologischen Kleinkläranlagen seien 31 errichtet, für weitere 87 eine Einleitungsgenehmigung beantragt. Von rund 170 geschlossenen Gruben seien 33 eingebaut worden. Diejenigen, die noch nicht tätig geworden seien, werde man anschreiben, kündigt das Abwasserwerk an. Die Werke hatten die betroffenen Bürger im Frühjahr 2011 in zwölf Versammlungen über die Änderungen informiert (der TV berichtete). Trier-Land lässt ihnen die Wahl, welche der vielen auf dem freien Markt angebotenen Anlagen sie anschaffen wollen.

So ist die Strategie anderer Eifel-Verbandsgemeinden: Die VG Irrel errichtet und betreibt beispielsweise die Anlagen in eigener Regie und kassiert Gebühren, ebenso die VG Bitburg-Land. Deren Werkleiter Arnold Zender hat mit Anlagen, die in Privatregie betrieben werden, keine guten Erfahrungen gemacht: "Den Leuten fehlt die Kenntnis, sie sind mit der Wartung überfordert. Meist wird auch kein Betriebstagebuch geführt, obwohl das zwingend gebraucht wird." Bitburg-Land sei mit seinem System der Fernüberwachung und der Ausschreibung der Anlagen über eine bayerische Firma gut gefahren, meint Zender. 50 Prozent der Kosten seien durch einen Landeszuschuss abgedeckt, für die anderen 50 Prozent seien zinslose Darlehen gewährt worden. Eine Hauskläranlage für vier Personen koste die VG unterm Strich rund 5000 Euro; die Gebühren für die Anschlussnehmer müssten noch kalkuliert werden. Die Verbandsgemeinden Schweich und Ruwer sind abwassertechnisch aufgrund ihrer Topografie gegenüber der Eifel begünstigt (siehe Extra).

Trier-Land stellt Anträge auf Fristverlängerung und Förderung: Als die zeitliche Bredouille abzusehen war, stellten die Werke von Trier-Land bei der Abteilung Wasserwirtschaft der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) in Trier einen Antrag auf Fristverlängerung, dem auch stattgegeben wurde. Nun haben die Privatleute bis Ende 2013 für den Einbau Zeit, allerdings müssen ihre Einleitanträge bis 22. Dezember dem Abwasserwerk vorliegen. Möglicherweise bekommen die Bürger aber einen Teil ihres Geldes vom Land erstattet. Die Werke haben einen Förderantrag beim Umweltministerium gestellt. Auf TV-Anfrage heißt es aus Mainz, dass der Förderantrag für die Aufnahme in das mittelfristige Förderprogramm grundsätzlich gebilligt worden sei.
Für Trier-Land käme ein 50-prozentiger Zuschuss und ein 50-prozentiges Darlehen in Betracht, weil die Gebührenbelastung fürs Abwasser schon relativ hoch ist. Es gibt auch Verbandsgemeinden, die "nur" ein Darlehen bekommen. Laut Ministerium hat Trier-Land den Umsetzungstermin Ende 2013 für den Einbau der Kläranlagen und Gruben als "realistisch einhaltbar" eingestuft.

Bürger müssen mehr als drei Millionen Euro investieren: Rund 10 000 Euro kostet eine handelsübliche, auf vier Personen ausgerichtete Hauskläranlage inklusive Einbau. Bei 360 Nutzern kommt man in Trier-Land also auf rund dreieinhalb Millionen Euro, die von privater Seite in den Gewässerschutz investiert werden müssen. Die neuen Abwasserrichtlinien haben schon für viel Unmut gesorgt. Etwa in Kyll, einem Ortsteil von Welschbillig mit etwa zwei Dutzend Einwohnern. Weil der Ort nicht ans öffentliche Kanalnetz angeschlossen ist, benötigen alle Haushalte neue Kleinkläranlagen - oder eine Gemeinschaftskläranlage, was auch geht. "Wir liegen im Wasserschutzgebiet, da gehört die Entsorgung in fachliche Hände, wir Bewohner können das nicht leisten", meint Ernst Reuter. Überall in der VG gebe es Unzufriedenheit, es fehle ein klares Konzept.
In einem Brief an Trier-Lands Bürgermeister Wolfgang Reiland empfiehlt Reuter, Vertreter der Werke, der SGD und des Wasserwerks Kylltal an einen Tisch zu holen und die Problematik zu besprechen. Wegen des Wasserschutzgebiets (Kyll liegt in der Schutzzone II) und der Überschwemmungsgefahr im Kylltal sollte das Abwasserwerk die Anlage mit Fernüberwachung betreiben, um Risiken für die Umwelt zu minimieren. Eine Hauskläranlage mit anfälliger Technik und hohem Aufsichtsbedarf sei in solch einem sensiblen Gebiet nicht zumutbar, meint Reuter.

Kein Kanal für Welschbillig-Kyll: Für Anlagen in Wasserschutzgebieten müssten Ausnahmegenehmigungen beantragt werden, so die Werke. Fachbehörden legten die Bedingungen fest und der Kreis müsse diese in die wasserrechtlichen Bescheide einarbeiten. Beispielsweise müssten Anlagen in Überschwemmungs- und Wasserschutzgebieten mit besonderer Technik ausgestattet sein, auch werde für die Ummantelung der Kleinkläranlage wohl eher Beton als Kunststoff verwendet. Dass Kyll ans Kanalnetz angeschlossen wird, schließt Arndt Keilen aus: "Das ist vollkommen unwirtschaftlich, hier bleibt es bei Einzellösungen."
Meinung

Wenigstens Mainz ist flexibel
Lassen wir mal dahingestellt, ob die Abwasservorschriften der EU angemessen sind. Und verschwenden wir auch mal keinen Gedanken darauf, wie diese wohl auf einem Bauernhof im hintersten Winkel von Griechenland umgesetzt werden. Dann verdient zumindest das Land Lob dafür, nicht päpstlicher zu sein als der Papst. Es gewährt Fristverlängerungen, anstatt auf kurzfristigen und vermutlich teureren Lösungen zu bestehen. Und es zahlt voraussichtlich in Trier-Land die Hälfte dessen, was Grundstücksbesitzer für Anlage und Einbau berappen müssen. Als größtes Problem könnte sich erweisen, dass viele Kläranlagen-Nutzer mit der aufwendigen Wartung überfordert sind. a.follmann@volksfreund.deExtra

Derzeit laufen die Arbeiten, um Kordel-Kimmlingen und Teile von Aach-Hohensonne ans öffentliche Kanalnetz anzuschließen. Im Jahre 2013 soll dann die Erschließung der restlichen Ortslage von Hohensonne erfolgen. Mit den Ortsteilen Frankenhöhe, Kersch und Kerscherbach, die endgültig 2014 angeschlossen werden sollen, ist nach Mitteilung der Verbandsgemeindewerke die kanaltechnische Erstausstattung im Bereich der Verbandsgemeinde Trier-Land abgeschlossen. Hinzu kommen die Kleinkläranlagen und Sammelgruben bei den Außenbereichsgrundstücken und Splittersiedlungen (siehe Haupttext).Extra

Verbandsgemeinde Schweich: Hier müssen nach Mitteilung von Harald Guggenmos (VG-Werke) noch 40 Gebäude im Außenbereich mit Kläranlagen oder Sammelgruben ausgestattet werden, darunter Anwesen am Heilbrunnen bei Schweich und im Dhrontal (Trittenheim). "Wir wollen das Thema bis Ende 2013 über die Bühne haben", sagt Guggenmos. Verbandsgemeinde Ruwer: Von 312 betroffenen Grundstücken (meist Wochenendhäuser) seien etwa 70 noch nicht umgestellt, sagt Bürgermeister Bernhard Busch. Wie es weitergehe, könne jedoch in den nächsten Wochen bei schätzungsweise 50 Anwesen geklärt werden. Die restlichen 20 Fälle wolle man im ersten Halbjahr 2013 regeln. Überwiegend handele es sich um geschlossene Klärgruben, so Busch, biologische Kleinkläranlagen seien nur auf zwölf Grundstücken vorgesehen. alf

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