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360 Wohnungen pro Jahr - und es reicht noch nicht

360 Wohnungen pro Jahr - und es reicht noch nicht

Obwohl in Trier seit 2002 jährlich rund 360 Wohnungen neu gebaut wurden, ist die Nachfrage immer noch größer als das Angebot. Mieten und Kaufpreise steigen seit Jahren unaufhaltsam. Der Trierer Immobilienmarkt brummt. Übergroße günstige Wohnbauflächen im Umland könnten in den nächsten Jahren allerdings die Preise im Oberzentrum beeinflussen.

Die Immobilien- und die Mietpreise haben in Trier in den vergangenen Jahren nur einen Weg gekannt: nach oben. Dabei wächst das Angebot ständig. Seit 2002 sind durchschnittlich pro Jahr 360 neue Wohnungen in Trier entstanden, im vergangenen Jahr waren es sogar rund 500 neue Appartements und Wohnungen in Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhäusern. Das soll nach Plänen der Stadtverwaltung in diesem Tempo bis zum Jahr 2025 so weitergehen, damit sich der Markt langfristig entspannt.
Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hatte im Oktober 2012 bereits festgestellt, dass die Angebotsmieten in Trier seit 2005 um 26,3 Prozent gestiegen sind - und damit 13-mal so stark wie in Koblenz.

Laut dem Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung Gewos liegt zudem die finanzielle Hürde, Wohneigentum anzuschaffen, nirgends im Land höher als in Trier: Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sind zwischen 2006 und 2011 in Trier um zehn Prozent gestiegen. Zwar sind die absoluten Preise für Häuser und Wohnungen in Mainz teurer, dafür haben die Mainzer durchschnittlich aber auch mehr Geld in der Tasche: Ein Mainzer braucht im Schnitt sieben Jahresgehälter, um ein Einfamilienhaus zu bezahlen, ein Trierer 8,6 Jahresgehälter.
In die Höhe getrieben werden die Preise zusätzlich durch die historisch niedrigen Zinsen, die das Geld für die Anschaffung von Wohneigentum günstig machen - und so die Nachfrage zusätzlich vergrößern.
Doch das Umland rüstet auf: Viele Gemeinden in der Region - vor allem im Grenzbereich zu Luxemburg - haben weit mehr Bauland ausgewiesen, als es für den eigenen Bedarf notwendig ist. Schrumpft der Luxemburger Arbeitsmarkt weiter, könnten die Immobilienpreise in den Dörfern allerdings einbrechen. Niedrige Preise im Umland könnten wiederum bedeuteten, dass die Nachfrage nach Immobilien im Oberzentrum Trier nachlässt.
Die Planungsgemeinschaft Region Trier steuert bereits gegen. "Der neue Regionalplan, der derzeit aufgestellt wird, soll stärker reglementieren, wie viel Wohnbaufläche die Gemeinden künftig ausweisen dürfen", sagt ein Sprecher der Planungsgemeinschaft.

2012 sprach die Trierer Volksbank in einer Jahresbilanz erstmals von einer möglichen Immobilienblase, die sich in Trier entwickeln könnte. Ob Häuslebauer und Kapitalanleger tatsächlich Angst um ihre Investitionen in den Trierer Markt haben müssen, darüber hat der Volksfreund mit Marco Rosch, Immobilienexperte der Volksbank Trier sowie Johannes Weinand vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik gesprochen (siehe Interviews). Beide halten die Angst vor einer Immobilienblase für unbegründet.Extra: Projekte

Castelnau in Trier-Feyen: Auf 12,5 Hektar entstehen über 120 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie 400 Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern und einigen sanierten ehemaligen Kasernen. Grundstücke für 25 Einfamilienhäuser sind bereits verkauft. 60 weitere Grundstücke werden ab Spätherbst 2014 vermarktet.

Castel Feuvrier: Auf dem ehemaligen Militärgelände am Moselufer soll in diesem Jahr der Bau von elf Mehrfamilienhäusern mit rund 80 Wohnungen beginnen.

Klostergarten in Heiligkreuz: Auf dem Ex-Klostergelände der Weißen Schwestern stehen sechs Gebäude mit 80 Wohnungen vor der Fertigstellung.

Burgunderstraße: In der verlassenen Franzosen-Siedlung in Kürenz sollen 170 bis 200 Wohnungen entstehen, teils in alten Gebäuden, teils Neubauten.

Petrisberg: An der Robert-Schuman-Allee werden in den kommenden Jahren zwei weitere Projekte mit Eigentumswohnungen mit insgesamt rund 75 Wohneinheiten realisiert.

Bobinet-Gelände: Für das Areal entlang der Bahnlinie in Trier-West sind mehr als 120 Wohnungen geplant, 25 davon sind bereits fertig, 70 weitere entstehen in den ehemaligen Industriehallen. In neuen Mehrfamilienhäusern sollen noch einmal 80 Wohnungen entstehen.

Am Olbeschgraben (BU11): Neben dem Tarforster Einkaufszentrum werden 276 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut.

Im Freschfeld (BU 13): Im angrenzenden Neubaugebiet sollen ab nächstem Jahr 87 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern und 54 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.

Ober der Herrenwiese (BU 14): An das Neubaugebiet im Freschfeld grenzt auf dem Tarforster Plateau das BU 14 an, geplant sind 175 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern und 18 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. woc