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370 Euro für einen toten Anschluss

370 Euro für einen toten Anschluss

Roswitha Capelle und ihr Lebensgefährte Hans sitzen auf der Terrasse ihres Bungalows auf Kreta und genießen die Sonne. Im März haben sie ihr Haus in Butzweiler verkauft, um auf der griechischen Insel ihren Lebensabend zu verbringen. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht das Problem mit der Telekom wäre. Die kassiert noch immer 49,95 Euro monatlich für den Telefonanschluss im längst verkauften Haus in Deutschland.

Butzweiler/Newel. Am 19. März dieses Jahres kündigt Roswitha Capelle per Einschreiben ihren "Call & Surf"-Tarif bei der Deutschen Telekom. Ein kombinierter Telefon- und Internetanschluss für 49,95 Euro im Monat. In dem Schreiben beruft sich Capelle mit dem Hinweis auf die Auswanderung nach Kreta auf ihr außerordentliches Kündigungsrecht. Außerdem legt sie eine Abmeldebestätigung der Trierer Behörden bei. Neun Tage später schickt die Telekom eine Bestätigung der Kündigung. Aber die lautet auf den 16. November 2007. Im Klartext: Sie müsste bis Ende dieses Jahres für den Anschluss in einem Haus zahlen, dass ihr gar nicht mehr gehört. Denn das hat eine tschechische Familie gekauft. An Telefongebühren kämen insgesamt rund 370 Euro zusammen. Die in Trier lebende Tochter erkundigt sich bei der Hotline der Telekom. Dort heißt es, dass ein Umzug die Sonderkündigung nicht rechtfertigen würde. Umzug? Die Tochter erklärt mehrfach, dass ihre Mutter nun auf Kreta lebe und von einem Umzug keine Rede sein könne. Antwort: die Mutter solle schriftlich einen Widerruf einlegen.Das ist zu viel. Die Tochter übergibt die Angelegenheit der Konzer Rechtsanwältin Karin Goergen. Die schreibt am 17. April an die Telekom und fordert die Annahme der Kündigung. Der Brief bleibt aber ohne Antwort. Stattdessen zieht die Telekom weiterhin die 49,95 Euro monatlich ein. Den Anschluss im ehemaligen Haus in Butzweiler hat sie auch nicht abgestellt. Theoretisch könnte der neue Eigentümer Pavel Harvanek sogar darüber telefonieren. Er will aber einen eigenen Anschluss und den will er Ende März im Trierer Telekom-Laden bestellen. "Das geht nicht, es gibt da ein Problem mit der alten Nummer", erinnert sich Harvanek an die Worte des Verkäufers. Als er sich bei der Tochter erkundigt, erfährt er dann den wahren Hintergrund. Also macht er sich wieder auf den Weg in den Telekomladen, um erneut einen Anschluss zu beantragen - diesmal mit neuer Telefonnummer. Das scheint zu funktionieren, aber trotzdem passiert nichts. Zweimal muss Harvanek noch in den Laden, bevor es schließlich klappt. Insgesamt vergehen zwei Monate, bis es die Telekom schafft, ihm eine neue TAE-Dose im Haus zu montieren. Harvanek hat daraus seine Konsequenzen gezogen: "Am Anfang wollten wir noch einen Internet-Anschluss von der Telekom, jetzt haben wir uns für den Basis-Tarif entschieden. Das Internet bestellen wir bei freenet."Weil der Brief der Rechtsanwältin immer noch unbeantwortet ist, wendet sich Roswitha Capelle an den Trierischen Volksfreund. Mit Erfolg, wie sich zeigen soll. Nur wenige Stunden nach der TV-Anfrage bei der Telekom meldet sich der zuständige Pressesprecher George Stephen McKinney und entschuldigt sich: "Das Ganze war ein Versehen. Die Mitarbeiter hätten erkennen müssen, dass Frau Capelle ausgewandert ist, und in einem solchen Fall gibt es natürlich die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung. Frau Capelle bekommt die bisher eingezogenen Beiträge als Gutschrift zurück."