1. Region
  2. Trier & Trierer Land

40 Millionen Euro fließen in Trier in Gewässer: Stadt will Ruwermündung wiederherstellen

40 Millionen Euro fließen in Trier in Gewässer: Stadt will Ruwermündung wiederherstellen

Der Kreis Trier-Saarburg, die Stadt Trier sowie die Verbandsgemeinden des Landkreises haben in den vergangenen zehn Jahren rund zehn Millionen Euro in die Renaturierung von Gewässern investiert. Bis 2021 stehen hierfür in der Region nochmals 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Wenzelbach und der Eitelsbach schwollen im Juli 2012 derart an, dass innerhalb weniger Minuten Straße und Häuser im Stadtteil Ruwer unter Wasser standen. Die Folge war, dass viele Anwohner wochenlang damit beschäftigt waren, die Schäden in ihren Wohnungen zu beseitigen. Solch extreme Hochwasser sind zwar eine Ausnahme. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sie wieder auftreten.

Um künftig solche Hochwasserspitzen abzumildern, plant die Stadt Trier die Renaturierung des Eitelsbaches für 1,6 Millionen Euro. Im Zuge des Programms Blau plus (siehe Hintergrund) wird die Sanierung des Gewässers zu 90 Prozent vom Land gefördert.

Laut Pressestelle der Stadt liegt zwischenzeitlich auch ein entsprechender Bewilligungsbescheid vor, so dass schnell mit der Umsetzung des Vorhabens gestartet werden kann. Die Mittel hierfür kommen aus dem Landesprogramm Aktion Blau plus, das bis 2021 läuft. Nach Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord stehen 40 Millionen Euro bereit. Der TV gibt eine Übersicht, wo und wie viel die Stadt Trier sowie vier Verbandsgemeinden bisher für die Sanierung von Bächen seit 2006 ausgegeben haben und was geplant ist:

Die Stadt Trier hat in den vergangenen zehn Jahren 3,3 Millionen Euro für die Wiederherstellung natürlicher Gewässer ausgegeben. Knapp die Hälfte dieses Betrags floss in die Sanierung des Aveler Bachs. 800 000 Euro wurden in die Mündung des Biewerbachs investiert, um ihn in einen naturnahen Zustand zurückzuversetzen.Wichtiger Lebensraum

Neben der Renaturierung des Eitelsbaches will die Stadt Trier im Stadtteil Ruwer die Ruwermündung wiederherstellen. Hierfür stehen rund 300 000 Euro zur Verfügung. Noch keine Kosten wurden bislang für die Renaturierung des Filschbachs sowie des Thiergartenbachs ermittelt. Planungen laufen zudem für den Irscher Bach sowie den Quintbach.
Der Pressesprecher der Stadt Trier, Ralf Frühauf, betont, dass die Renaturierungen nicht allein dem Hochwasserschutz dienen. Er sagt: "Sie verbessern den Wasserkreislauf, fördern die Grundwasserbildung, und die Stillwasserzonen sind ein wichtiger Lebensraum beispielsweise für Fische, Libellen, Frösche und Vögel."

Bis Endes des Jahres wird der Kreis Trier-Saarburg im Rahmen des rheinland-pfälzischen Förderprogramms Aktion Blau plus in die Renaturierung des Gewässers Zweiter Ordnung rund 2,7 Millionen Euro investiert haben.

In fünf Bauabschnitten ist der zwölf Kilometer lange Bachlauf der Leuk zwischen der saarländischen Landesgrenze und Saarburg saniert worden. Dazu wurden die Gewässersohle angehoben, Wehranlagen umgebaut und Land angekauft, damit sich das Wasser bei starkem Regen ausweiten kann. Der Pressesprecher des Kreises, Thomas Müller, sagt: "Die Renaturierung des Leukbachs hat bei Hochwassern schon jetzt zu einer deutlichen Entlastung geführt."

Ob der Kreis weitere Gelder aus dem Programm abrufen wird, ist offen. So ist die Renaturierung der Kyll wegen förderrechtlicher Fragen ins Stocken geraten. Bisher wurden hier in Höhe der Itteler Mühle (Welschbillig) 156 000 Euro ausgegeben. Weitere Renaturierungen sind bislang nicht geplant. Das hängt auch damit zusammen, dass der Landkreis nur für die Renaturierung der Gewässer Zweiter Ordnung (Kyll, Kleine Dhron, Leuk, Salm und Ruwer) zuständig ist. Für die Gewässer Dritter Ordnung sind die Verbandsgemeinden verantwortlich. Das meiste Geld hat in den vergangenen zehn Jahren mit 2,1 Millionen Euro die VG Saarburg ausgegeben.

Die VG Konz plant unter anderem die Renaturierung des Konzer und des Oberemmeler Bachs. Im Raum stehen hier laut VG-Verwaltung Investitionen von rund fünf Millionen Euro bis 2020. In der VG Trier-Land wurde beispielsweise der Nussbach (Welschbillig) für 198 000 Euro saniert. Geplant wird derzeit die Außengebietsentwässerung rund um Zemmer, die wohl 510 000 Euro kosten wird.Extra

 Diese Brücke über dem Aveler Bach wurde 2014 gebaut.
Diese Brücke über dem Aveler Bach wurde 2014 gebaut. Foto: (h_st )

Schon der italienische Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci (1452 - 1519) hat sich mit dem Thema Hochwasserschutz auseinandergesetzt. Er schrieb: "Weil der Fluss umso schneller wird und den Damm und den Grund umso mehr vernagt und zerstört, deshalb ist es nötig, solche Flüsse entweder stark zu verbreitern oder sie durch viele Windungen zu schicken oder sie in viele Zweige zu teilen." Diese Grundsätze beherzigt die vor rund 20 Jahren vom Land mit Hilfe des Bunds ins Leben gerufene Initiative Aktion Blau plus, die aktuell bis 2021 Gewässerrenaturierungen mit 90 Prozent der Investitionskosten fördert. Das Naheprogramm war eine der ersten Hochwasserschutzinitiativen, die nach dem katastrophalen Nahe-Hochwasser von 1993 umgesetzt wurde. Ziel war es, das Wasser in der Fläche zu halten. Hierzu werden beispielsweise Auen- und Moorlandschaften renaturiert. Die Ziele der Aktion Blau plus finden sich im europäischen Wasserrecht wieder. itz