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40 Mitarbeiter weg, drei Betriebsstätten dicht

40 Mitarbeiter weg, drei Betriebsstätten dicht

Der Trierer Bürgerservice hat 40 Arbeitsplätze gestrichen und sowohl die Zweiradwerkstatt in der Hornstraße als auch die Textilwerkstatt in der Kaiserstraße geschlossen. Ende März wird die Betriebsstätte in Saarburg folgen. Wegen extrem gekürzter Bundesmittel hat die Gesellschaft alle Ein-Euro-Jobs gestrichen.

Trier. 2,5 Milliarden Euro will Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen 2012 im Haushalt der Bundesagentur für Arbeit einsparen. Das zum 1. April in Kraft tretende Gesetz zur "Leistungssteigerung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente" fährt Ein-Euro-Jobs und Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung massiv herunter und trifft damit Gesellschaften wie den Bürgerservice Trier (siehe Extra) sehr hart.
"Nicht mehr gewollt"


Geschäftsführer Horst Schneider hat es kommen sehen: "Die öffentlich geförderte Beschäftigung ist politisch nicht mehr gewollt. Da der Bund alle Förderungen gestrichen hat, können wir das nicht mehr leisten." Der Bürgerservice erhielt für die Betreuung eines Ein-Euro-Jobs eine monatliche Pauschale in Höhe von 340 Euro vom Jobcenter. Diesen Zuschuss will von der Leyen auf maximal 150 Euro kürzen. Schneider: "Dann müssten wir Geld drauflegen."
Schon 2010 und 2011 musste der Bürgerservice die Zahl seiner Ein-Euro-Jobs von 465 auf 215 reduzieren. Zum Jahreswechsel fielen auch diese restlichen Jobs weg. Das trifft nicht nur die Langzeitarbeitslosen, die an den Standorten Trier, Saarburg, Bitburg und Morbach in Werkstätten und bei Natur-, Tierschutz- und Forstprojekten leichte Arbeiten verrichteten (siehe Extra). Der Wegfall der Stellen verringert auch den Stab der Mitarbeiter vom Fahrer bis zum Sozialpädagogen, die verantwortlich für die Begleitung und Betreuung der Kandidaten waren.
Zusammen mit den Ein-Euro-Jobs musste der Bürgerservice deshalb 40 Arbeitsplätze streichen. "Das hat enorm weh getan", sagt Geschäftsführer Schneider. Auslaufende Zeitverträge wurden nicht verlängert. "Wir kamen auch an betriebsbedingten Kündigungen nicht vorbei. Davon betroffen sind auch Mitarbeiter, die seit mehr als 20 Jahren bei uns waren."
Der Bürgerservice hat die Zweiradwerkstatt in Trier-West und die Textilwerkstatt in der Kaiserstraße geschlossen. "Die dort ebenfalls untergebrachte Krabbelstube wird von der Trie rer Initiative für Arbeitslose übernommen", sagt Schneider. Ende März folgt dann die Schließung der Betriebsstätte in Saarburg.
Dennoch macht der Bürgerservice weiter. "Wir werden uns auf das unternehmerische Kerngeschäft konzentrieren", kündigt Schneider an. "Wettbewerbsfähig und wirtschaftlich darstellbar" will das Unternehmen mit seinen handwerklichen Fach- und Meisterbetrieben und seinen Angeboten im Dienstleistungssektor dauerhafte sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen schaffen und im Radius seiner Angebote am Markt bestehen. "Vor allem die regenerativen Energien sollen einen Schwerpunkt bilden", sagt der Geschäftsführer. Die Best Energy Solutions GmbH, eine Bürgerservice-Tochter, ist spezialisiert auf die Planung und den Bau von Dach- und Freiflächen-Solaranlagen.Meinung

Einfach abgeschrieben
Der Ein-Euro-Job ist nicht nur bei der schwarz-gelben Bundesregierung unbeliebt. Kritiker kommen auch aus dem mittelständischen Handwerk. Der bezuschusste Minijob verdränge und gefährde reguläre Betriebe und Arbeitsplätze und sei alles andere als eine sichere Route zurück an den Arbeitsmarkt. Andererseits war der Ein-Euro-Job für viele Menschen die einzige Chance, organisiert und sinnvoll zu arbeiten und damit Geld zu verdienen. Der Job riss sie aus Leerlauf und Lethargie heraus und setzte sie dort ab, wo sie nicht immer, aber durchaus manchmal tatsächlich gebraucht wurden. Vor allem in Trier bietet der in vielen Ecken marode öffentliche Raum Luft für solche Arbeiten. Wenn Ein-Euro-Jobber beispielsweise sonntags den Palastgarten saubermachen, wird deshalb mit Sicherheit kein Mitarbeiter der Stadtreinigung entlassen. Aber die Politik will es anders und hat diese Menschen einfach abgeschrieben. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Die Bürgerservice GmbH ist ein Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen mit 290 Mitarbeitern und Betriebsstätten in der Stadt Trier und den Kreisen Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich. Die Gesellschaft bietet unter anderem Garten- und Landschaftsbau, Baudienstleistungen, Photovoltaik, Maler- und Lackiererarbeiten und Recycling. Außerdem nimmt sich der Bürgerservice als Integrationsunternehmen der Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderungen an. Sie sollen auch mit Hilfe von öffentlich bezuschussten Projekten qualifiziert, beschäftigt und an den ersten Arbeitsmarkt geführt werden. Der Ein-Euro-Job ist eine Verdienstmöglichkeit für Empfänger von Hartz IV, deren Entlohnung nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet wird. Wer einen solchen Job hat, gilt nicht als arbeitslos. Der Ein-Euro-Job ist eine leichte gemeinnützige Arbeit und umfasst eine Wochenarbeitszeit von 20 bis 30 Stunden. jp