470-Seiten-Wälzer zum Abschied
Trier · Zum zweiten Mal in diesem Jahr großer Bahnhof für Karl-Josef Gilles im Landesmuseum: Der Verabschiedung in den Ruhestand Ende April folgte nun die Präsentation des neuen Bandes der Buchreihe Trierer Zeitschrift: Er ist dem langjährigen Museumsmitarbeiter zu dessen 65. Geburtstag gewidmet.
Trier. Es ist ein alter Brauch am Rheinischen Landesmuseum Trier: Verdienstvollen Wissenschaftlern aus eigenen Reihen wird zum 65. oder 70. Geburtstag der neue Band der 1926 gestarteten Buchreihe "Trierer Zeitschrift. Archäologie und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete" gewidmet. Nach Wolfgang Binsfeld (1998), Heinz Cüppers (1999), Karin Goethert (2009) und Hartwig Löhr (2013) wurde nun Karl-Josef Gilles diese Ehre zuteil.
Viel gegraben, viel geschrieben
Gilles, am 1. Mai 65 geworden, ist nach wie vor einer der populärsten Landesmuseums-Leute. Er hatte seit 1978 eine große Anzahl archäologischer Grabungen im Trierer Land geleitet und dabei viele Befestigungen, Villen und Keltern freigelegt und dafür gesorgt, dass der 1993 von Hobbygräbern gefundene Mega-Goldschatz aus der Trierer Feldstraße (mehr als 2600 Münzen) fast komplett ins Landesmuseum gewandert ist. Außerdem hat Gilles eifrig publiziert. Nicht weniger als 391 Bücher, Führer, Aufsätze und Katalogbeiträge umfasst die Bibliografie, die den Band 77/78 (2014/15) der Trierer Zeitschrift einleitet. Der ist ein echter Wälzer geworden: Über insgesamt gut 470 Seiten erstrecken sich die wissenschaftlichen Beiträge zur Archäologie der Vorgeschichte, der Römerzeit und des Mittelalters sowie der Kunstgeschichte. Letztere ist aus gutem Grund besonders stark vertreten: Kunsthistoriker Peter Seewaldt (62) geht in Altersteilzeit und ist quasi schon auf dem Sprung zu seinem neuen Wohnort Landsberg/Lech. Seine vier Buchbeiträge unter anderem zur kunsthistorischen Sammlung des Hauses bezeichnet Museumschef Marcus Reuter als "schönes und wertvolles Abschiedsgeschenk auch an alle, die weiter hier arbeiten". Seewaldts 110 Seiten umfassende Abhandlungen seien von hohem praktischen Nutzen.
Vor zahlreichen früheren Kollegen und Wegbegleitern, die der Buchpräsentation am Mittwochabend beiwohnten, ließ sich "KaJo" nicht lumpen. In einer launigen Rede gab er manche Anekdote aus seiner aktiven Archäologenkarriere zum Besten und räumte mit der weit verbreiteten Einschätzung auf, das Ausgraben von Römerkeltern sei seine Freiluft-Lieblingsdisziplin geworden: "Ich hatte nie die Absicht, die antiken Anfänge des Weinbaus zu erforschen - ich wurde Sklave dieses Forschungsthemas." Mit erfreulichen Nebenwirkungen - Orte wie Piesport, Erden oder Graach profitieren touristisch von den römischen Hinterlassenschaften und feiern Gilles als Volkshelden -, aber auch mit skurrilen: So habe ein offenbar auf Nachbargemeinden neidischer Ortsbürgermeister ihn bei einem Fest zu vorgerückter Stunde und nicht mehr nüchtern gefragt, was es denn "koste", auch in seinem Moseldorf eine Kelteranlage zu finden …
Gilles wird nicht mehr graben, wohl aber weiter schreiben und veröffentlichen, auch zu völlig "unantiken" Themen wie die Eisenbahngeschichte in der Region.
Sein Nachfolger als Landesmuseums-Wissenschaftler hat am 1. Dezember seinen Dienst angetreten: Lars Blöck, zuvor in einem Forschungsprojekt an der Uni Freiburg tätig. Der 39-jährige gebürtige Reutlinger soll sich schwerpunktmäßig der Landesarchäologie widmen und zu einem geringeren Anteil des Numismatik (Münzkunde). Gilles hatte beide Bereiche gleichrangig betreut.
Die Festschrift für Karl-Josef Gilles - Jahrgang 77/78 der Trie rer Zeitschrift (2014/15) - ist für 48 Euro erhältlich im Shop des Landesmuseums, Weimarer Allee 1, und im Buchhandel.