50-Jährige gehen ins Rockkonzert

50-Jährige gehen ins Rockkonzert

Zum Bericht "Handeln, statt Hände in den Schoß" (TV vom 24. August):

Upps, da gehören wir doch schon zur Generation 50 plus - haben aber absolut keine Lust, am Projekt "Selbstorganisation älterer Menschen" teilzunehmen. Jedenfall sobald noch nicht. Wir fühlen uns auch ohne die guten Ratschläge von Frau Hasselt vom "Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik" einwandfrei in unser soziales Umfeld integriert. Wir sind jung und aktiv (gut 52 und fast 50), stehen voll im Leben - durch Arbeit, Kindererziehung, Freizeitgestaltung und vieles mehr. Wir brauchen kein betuliches Tauschnetz mit Saartalern, keine wohlgemeinte Ermunterung zur Mitarbeit in der Gesellschaft. Wir sind auch noch keine aktiven Rentner und nehmen daher auch noch nicht an organisierten Kegelveranstaltungen oder Seniorenausflügen zu Johannes-Heesters-Konzerten teil. Außerdem brauchen wir nicht "das Gefühl gebraucht zu werden" - wir werden gebraucht - und wie! Bombensicher auch noch jenseits der 60! Also bleibt nur die lapidare Frage, was das Ganze soll? Was soll das seltsame Projekt - und vor allem - was soll der fragwürdige Artikel darüber? Wie betriebsblind muss eine Redakteurin sein, die einen Artikel zu einer, sicherlich gut gemeinten, doch offensichtlich völlig weltfremden Aktion, mit dpa-Bildern ganiert, die nahezu ausschließlich klassische Rentner-Klischees bedienen - vielleicht einmal abgesehen von dem putzigen Bild mit dem junggebliebenen Rentnerpaar, dass sich im "computern" versucht... Im Artikel selbst wird der Leser über ein paar Binsenweisheiten informiert (37 Prozent aller Kanzemer sind älter als 50 - na und?), einige erstaunliche Versuche zur Beschäftigung hochbetagter Mitbürgerinnen und Mitbürger in Kanzem werden vorgestellt (und damit sind hoffentlich die auf den dpa-Fotos abgebildeten Altersstufen gemeint). Da wird über ein bundesweites Modellprojekt berichtet, das exemplarisch aufzeigt, wie weit sich die Politik von der Wirklichkeit entfernt hat. Das Beschriebene und das Geförderte ist soweit von der Generation der heute 50-Jährigen entfernt, wie der Versuch, unsere 10- und 12-jährigen schulpflichtigen Kinder mit 30-jährigen Berufstätigen einer homogenen Altersgruppe zuzuordnen. 50-Jährige gehen in Rockkonzerte, sind die Hauptaltersgruppe bei Volksläufen, verfügen über den größten Teil des Volkseinkommens, sind hochmobil und beruflich außerordentlich erfolgreich, sie stellen das Gros der Politiker, Wissenschaftler und Künstler in diesem Land - und sie dürften die wohl größte Gruppe der TV-Leser stellen. 50-Jährige legen weder die Hände in den Schoß noch brauchen sie das Gefühl, gebraucht zu sein. Aber das wird Frau Kewes in ihrem Journalistenleben sicher noch lernen. Brigitte Grobelny-Keilen und Alf Keilen, Trier