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50.000 Einträge zur Geschichte der Region Trier

Geschichte : Regionale Kultur im Netz: Da kann auch Wikipedia nicht mithalten

Drei Engagierte haben eine umfassende Sammlung mit Bildern und Texten über Denkmäler der manchmal besonderen Art zusammengestellt. Das freut nicht nur Wanderer, sondern auch manchen Schüler.

Weinreben an der Burg Ramstein bei Kordel? Kann nicht sein, gibt es nicht. Ist es dafür nicht viel zu kalt im Kylltal? Über die meteorologischen Zustände rund um die Burg vor 100 Jahren kann Peter Valerius aus Kordel zwar keine abschließenden Aussagen machen. Obwohl er unheimlich viele Fakten auf Lager hat. Valerius kann jedoch nachweisen, dass am Fuß des Bergfrieds einst Wein angebaut worden ist. Dazu muss er nur den entsprechenden Eintrag in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier anklicken . Diese beinhaltet derzeit knapp 50 000 Einträge. Unter anderem auch den zum Weinbau an der Burg. Zu sehen ist dort eine Postkarte aus dem Jahr 1906, die auf zwei Parzellen Weinstöcke zeigt.

Seit einigen Tagen ist die in dieser Form wohl deutschlandweit einzigartige Sammlung in einer gegenüber der alten Version nutzerfreundlicheren und erweiterten Version abrufbar. Dazu sagt der Trierer Sven Schröter, der sich vor allem um die technische Seite des Angebots kümmert: „Wir können nun unter anderem auch auf historische Karten zurückgreifen.“ Wie etwa auf die Anfang des 19. Jahrhunderts sogenannte Tranchot-Karte und die rund 40 Jahre später erstellten preußischen Karten.

An eine solche Darstellung hat der Kordeler Peter Valerius nicht gedacht, als er 1992 die ersten Einträge in einer Datenbank machte. „Anfangs habe ich das vor allem für mich gemacht“, sagt Valerius. Er habe sich in der damaligen Akademischen Buchhandlung Interbook umgeschaut und festgestellt, „dass es damals zwar vier Bücher über die Porta Nigra oder den Dom gab. Doch das war es dann auch schon fast.“

Später entsteht dann der Kontakt zum Volkskunde- und Freilichtmuseum Roscheider Hof. Die Datenbank findet sodann auf der Internetpräsenz der Konzer Einrichtung eine Heimat.

Der Fokus der Datenbank geht jedoch weit darüber hinaus. Es gibt Einträge aus dem gesamten ehemaligen Regierungsbezirk Trier. Dieser umfasste die Landkreise Trier-Saarburg und Bernastel-Wittlich, den Eifelkreis Bitburg-Prüm, den Landkreis Vulkaneifel sowie die Stadt Trier.

Einige Einträge zu Burgen, Kirchen oder Klöstern finden sich in ähnlicher Form auch im Internet-Lexikon Wikipedia. Doch es gibt zwei entscheidende Unterschiede: „Wir freuen uns über jeden Beitrag und jedes Foto, das uns zugesandt wird“, sagt Valerius. Doch die Macher der Datenbank behalten sich das Recht vor, die Einträge vor Veröffentlichung zu prüfen.

Zudem wollen Peter Valerius, Sven Schröter und Helge Rieder aus Konz nicht nur das zeigen, was es aktuell gibt. Sondern auch das, was es einmal gegeben hat. So finden sich aktuell 161 Hinweise zu Wüstungen, also aufgegebenen oder untergegangenen Dörfern wie Eltershausen bei Trierweiler, Sernau bei Sommerau, Zenzig bei Ralingen-Wintersdorf oder Grenderich bei Grimburg im Hochwald.

Und wer nutzt das Angebot im Internet überhaupt? Heimatinteressierte, viele Schüler und auch Wanderer, sagen die Macher des Angebots. Rund 1000 Seitenabrufe gibt es nach Auskunft von Sven Schröter täglich. Valerius: „Einige Schüler informieren sich bei uns, da es weniger als bei Wikipedia auffällt, wenn man etwas abschreibt.“

Es gebe auch viele Wanderer, die auf ihren Touren an einem Wegekreuz oder  einer Kapelle nachschauen wollen, was es damit auf sich hat. Das können sie, weil das Angebot der Kulturdatenbank auch für Mobilgeräte optimiert angeboten wird. Und auch deshalb, weil die Koordinaten der Denkmäler und Naturzeugnisse fast auf den Zentimeter  genau angegeben werden. So etwa die Weinberge an der Burg Ramstein im Kylltal bei 49.82353 Grad nördlicher Breite und 6.64402 Grad westlicher Breite.