51 junge Musiker haben ihr Können beim Regionalwettbewerb von Jugend musiziert gezeigt. 21 von ihnen werden nach Mainz fahren, um sich auf Landesebene zu behaupten.

Wettbewerb : Vom Krieg und traurigen Eseln

51 junge Musiker haben ihr Können beim Regionalwettbewerb von Jugend musiziert gezeigt. 21 von ihnen werden nach Mainz fahren, um sich auf Landesebene zu behaupten.

Kinder laufen herum und lachen, ihre Eltern stehen daneben, klappern mit den Zähnen und scheinen aufgeregter zu sein, als ihre Schützlinge. „Du hast dir nicht mal die Fingernägel sauber gemacht“, sagt eine Mutter zu ihrem Sohn, der später eine Geigen-Performance liefern wird, die ihn nach Mainz zum Landeswettbewerb befördert. Einige Schüler leisten bemerkenswerte Beiträge bei dem Regionalwettbewerb von Jugend musiziert in der Karl-Berg-Musikschule Trier am vergangenen Wochenende.

Da wäre beispielsweise Anna Sophie Herzog. Sie verlangt dem Auditorium einiges ab. Sie spielt Stücke aus der ersten Violinsonate von Krystof Penderecki. Mit ihrer Geige befreit sie aus dem Material eine tief bedrückende Stimmung, die an eine Hetzjagd auf Menschen erinnert, wenn man genau zuhört. Sie schafft es zu erschüttern, zu rühren. Sie erzeugt Gänsehaut und Ergriffenheit. Der Saal hält die Luft an. Dann der Applaus. Anna Sophie Herzog ist gerade einmal 13 Jahre alt.

Woher kommt diese musikalische Reife? „Mein Lehrer erzählt mir die Geschichten zu den Stücken. Jetzt beim Penderecki habe ich mir eine Straße vorgestellt, mit einer ausgestorbenen Atmosphäre, so dass man Angst bekommt. Und als es schneller wurde, war es für mich so, dass Soldaten kamen und Menschen gejagt haben.“

Penderecki, der Komponist, erlebte den Zweiten Weltkrieg und schrieb das Stück gerade einmal 20-jährig 1953. „Auch in meiner Familie sind viele Leute während des Krieges gefallen. Es war auch ein Bedürfnis für mich, dass ich diese Themen berühre“, sagt er einmal in einem Interview.

Ihre musikalische Reife bringt ihr die höchste Punktzahl, 25 Punkte und sie darf beim Landeswettbewerb in Mainz spielen.

„Viel nachgedacht“, steht auf einem Zettel von Anne Cartwright. Sie sitzt in der Jury und bewertet die Musiker. Was heißt das? Viel nachgedacht? „Es heißt, dass die Anna Sophie sehr viel über das Stück nachgedacht hat, sie hat viel verstanden in der Musik und sie weiß, was sie dem Publikum begreifbar macht.

„Die Jury bewertet den Gesamteindruck“, sagt Pia Langer. Sie leitet den Regionalwettbewerb von Jugend musiziert. „Kleine Missgeschicke zählen nicht.“ Beispielsweise habe es eine Schülerin gegeben, die ihr Notenblatt falsch herum aufgestellt hat und dann verwirrt habe abbrechen müssen. „Das war egal. Es geht um die Musikalität, die Intonation, ob die Schüler die Stücke verstanden haben und die Epochen. Wie ergänzt sich der Schüler mit der Begleitung?“

„Stellen Sie sich vor ein Stück heißt ‚Der traurige Esel‘. Dann fragen wir uns natürlich, ob wir auch einen traurigen Esel heraushören“, sagt Anne Cartwright.

Heute hätte sie viele traurige Esel bemitleiden müssen. „Der schlechteste Preis war ein zweiter Preis. Es war ein sehr, sehr guter Wettbewerb. Wenn man 26 Punkte hätte vergeben können, hätte die Jury das mehr als einmal getan.“ Sagt Pia Langer.

Es gab sieben verschiedene Wertungskategorien: Violine solo, Bratsche solo, Cello solo, Pop-Gesang, Klavier und ein Holzblasinstrument, Klavier und ein Blechblasinstrument, Alte Musik. Außerdem sechs verschiedene Alterklassen. Moritz Wonnebauer beispielsweise ist der jüngste unter den Teilnehmern und im Januar erst acht Jahre alt geworden. Mit seiner Interpretation von Oskar Riedings Konzert in H-Moll erspielt  auch er sich einen ersten Preis. Er ist allerdings noch zu jung, um sich für den Landeswettbewerb zu qualifizieren.

„Was wir hier heute teilweise gehört haben, das hätte vor 20 Jahren so in der Abschlussprüfung eines Musikstudiums gespielt werden können. Heute bewirbt man sich damit.“ Heißt es aus der Jury.

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