60 Güterzüge täglich nerven die Anlieger

60 Güterzüge täglich nerven die Anlieger

Nur wenige Themen werden derzeit in Trier so emotional debattiert wie das um den Bahnverkehr auf der Westtrasse. Der Trierische Volksfreund hat sich in Euren mit Anwohnern aus allen Anliegerstadtteilen und aus Konz getroffen. Deren Bereitschaft wächst, Lärmschutz im Zweifelsfall einzuklagen.

Trier. Noch mindestens bis zum 9. August rollen täglich rund um die Uhr bis zu 60 Güterzüge von Trier-Ehrang bis zur Eisenbahnbrücke Konz über die Weststrecke. So lange werden die lärmenden und oft mehrere Dutzend Waggons zählenden Zugverbände noch umgeleitet, weil der Ehranger Bahnhof und damit die Verbindung zur üblichen Gleis trasse auf der Ostseite der Mosel wegen Bauarbeiten an zwei Überführungen gesperrt ist.
Nervenaufreibende Situation


Für alle Menschen, die in der Nähe der Gleise wohnen, ist das eine nervenaufreibende Ausnahmesituation, denn es gibt an der Umleitungsstrecke keinen Lärmschutz. Zudem geht die Furcht um, dass sich dieser Zustand bei einer Reaktivierung der Strecke für den Personennahverkehr nicht verbessern wird.
"Ich konnte wieder die ganze Nacht wegen des Lärms nicht schlafen", sagt Elfriede Bösen aus Pallien, die mit ihrem Mann Walter zum Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund nach Euren gekommen ist. Das Ehepaar ist wie viele Bewohner von Pallien derzeit doppelt belastet, denn auch auf der Bundesstraße vor ihren Haustüren rumpeln beständig schwere Lastwagen vorüber. Roland Eckert spricht von einer "langen Leidensgeschichte". Er engagiert sich wie Eike Neumann-Overholthaus seit Jahren in einer Bürgerinitiative gegen Verkehrs- und Lärmbelastung. Die geringe Wahlbeteiligung in Trier-West/Pallien von 31 Prozent (Durchschnitt Stadt Trier: 47 Prozent) bei der Kommunalwahl werten beide als Beleg für Politikverdrossenheit in ihrem Stadtteil. "Lärm ist schädlich", sagt Eike Neumann-Overholthaus, "die Politik hat dafür zu sorgen, dass etwas passiert."
In die Forderungen nach einem wirksamen Lärmschutz stimmen auch die Menschen aus Euren, Zewen und Konz mit ein, die unter dem Lärm der Güterzüge leiden. Herbert Fusenig führt das Hotel Zewener Hof mit 32 Betten. "Derzeit bleiben die Gäste weg, reisen ab, oder sie beklagen sich über den Lärm und machen uns Vorwürfe, dass wir sie nicht gewarnt hätten", schildert der frustrierte Gastronom die Situation. Oliver Petri aus Euren hält das ganze Regionalbahnkonzept für die Westtrasse für "nicht zu Ende gedacht". So seien die Parkplatzfrage und viele weitere Dinge bislang nicht geklärt.
Dorothee Richard ist aus Konz zum TV-Gespräch in Euren gekommen. Sie wohnt in der Alten Straße, wo die umgeleiteten Güterzüge seit April - von der Eisenbahnbrücke kommend - rumpelnd und quietschend auf die Obermoselstrecke einfädeln. "Moderne Schienenbusse sind nicht viel lauter als ein Auto", sagt Richard, "aber der Krach der Güterzüge ist unerträglich."
Es ist die Forderung nach einem effektiven Lärmschutz, die alle Anwohner der Bahnstrecke eint. Ihnen genügt es nicht, wenn die Stadtverwaltung Trier auf die Bahn und die gesetzlichen Lärmschutzvorgaben bei einer dauerhaften Nutzung von Bahnstrecken verweist. Sie sind enttäuscht und wütend über das kategorische Nein der Bahn, die Züge langsamer fahren zu lassen (der TV berichtete), weil das deren Wettbewerbssituation negativ beeinflussen würde. Die Anwohner haben Angst, angesichts des neuen Logistikzentrums im luxemburgischen Bettembourg könnte aus dem Nachbarland bald mehr Güterverkehr rollen.
Hans-Alwin Schmitz, Ortsvorsteher von Euren, hat für die Menschen Verständnis. "Vor acht Jahren ging es um die Stilllegung der Bahnstrecke. Jetzt fährt dort sehr, sehr viel Verkehr. Wir müssen das Thema Lärmschutz zwingend neu diskutieren."Petition hat 170 Unterstützer


Die von dem Eurener Paul Menzel initiierte Internet-Petition für den Bau eines Lärmschutzes entlang der Westtrasse ( www.change.org ) hat mittlerweile mehr als 170 Unterstützer gefunden. Wie viele andere Anlieger ist Menzel enttäuscht von der Stadtverwaltung: "Was da bislang an Bürgerbeteiligung und Information versäumt wurde, ist eine Frechheit gegenüber uns Bürgern."
Die Anwohner der Westtrasse trauen der Aussage der Bahn nicht, dass die Züge nach dem 9. August wieder über die mit Lärmschutz versehene Hauptstrecke auf der anderen Moselseite fahren werden. Sie wollen sich deshalb stärker organisieren und rechtlich beraten lassen.
Der Trierische Volksfreund wird sich in den kommenden Wochen intensiv mit dem Thema Güterverkehr und Westtrasse beschäftigen. Höhepunkt wird ein TV-Forum am 16. Juli im Bürgerhaus Euren sein.