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60-jähriges Jubiläum der Trierer Synagoge: "Wie ein Wohnzimmer für die Gemeinde"

60-jähriges Jubiläum der Trierer Synagoge: "Wie ein Wohnzimmer für die Gemeinde"

Mitglieder der jüdischen Gemeinde Trier haben mit Gästen das 60-jährige Bestehen der Trierer Synagoge gefeiert. Nicht nur über die Geschichte der Synagoge erfuhren die Besucher viel, auch bekamen sie einen Einblick in das jüdische Leben heute.

Eine wechselhafte und leidvolle Geschichte prägt die Synagoge in Trier. Eingeweiht wurde sie am 18. August 1957. Das Innere der alten Synagoge war 1938 total geplündert und zerstört worden. Die Synagoge und ein angrenzendes Wohnhaus wurden 1939 verkauft und 1944 durch Bombenangriffe völlig zerstört. 1985 stellte die Stadt an diesem Platz in der Zuckerbergstraße einen Gedenkstein auf. Anlässlich des Jubiläums "60 Jahre Synagoge Trier" wurde auch die Wanderausstellung "Jüdisches Trier" eröffnet.

Viel Gelächter und freundliche Gesichter empfingen den Besucher bei der Eröffnung der Jubiläumsfeier in der Trierer Synagoge. Jeanna Bakal, Gemeindevorsitzende der jüdischen Gemeinde Trier, eröffnete die Veranstaltung zusammen mit Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Wolfram Leibe, Oberbürgermeister der Stadt Trier, Professor Martin Przybilski, Vizepräsident der Universität Trier, und Ralf Kotschka, Kurator und Ausstellungsgestalter.

Vor der Zeit des Nationalsozialsismus hatte die Gemeinde etwa 800 Mitglieder. Überlebt haben und in ihre Heimatstadt zurückgegehrt sind hiervon nur 14. Heute hat die Gemeinde wieder mehr als 460 Mitglieder "Die Geschichte der Gemeinde ist mit den Mondphasen vergleichbar", umschreibt die Vorsitzende Jeanna Bakal die schwierige Historie. Des öfteren war das Fortbestehen der Gemeinde gefährdet. "Jetzt ist die jüdische Gemeinde im öffentlichen Leben der Stadt Trier angekommen", führt Bakal weiter aus. Dass die Bedrohung leider noch nicht gebannt ist, zeigt der Polizeischutz vor der Synagoge. "Mich erschreckt der Gedanke, dass viele Menschen wieder offen sind für rechtes Gedankengut", so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den Anfängen der Juden in der Stadt Trier zu Zeiten Kaiser Konstantins bis in die Gegenwart. Heute ist die Synagoge ein wichtiger Treffpunkt.
"Wie ein Wohnzimmer für die Gemeindemitglieder", beschreibt Ralf Kotschka die Bedeutung des Orts für das Zusammenleben. "Für die Zukunft würde ich mir erhoffen, dass die Ausstellung zum Respekt für die jüdische Gemeinde beiträgt. Vielleicht gibt sie auch Anregungen für weitere Projekte", hofft Ralf Kotschka.

Die Ausstellung kann jeweils montags und mittwochs zwischen 11 und 15 Uhr noch bis zum 1. Oktober besichtigt werden. Nach dem Beginn in der Trierer Synagoge wird die Ausstellung im Foyer des Trierer Bildungszentrums zu sehen sein, anschliessend in Schulen der Region.