6000 Menschen müssen die Trierer City räumen - Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am Freitagabend entschärft

6000 Menschen müssen die Trierer City räumen - Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am Freitagabend entschärft

Obwohl die Entschärfung des Sprengkörpers, der am Dienstag in der Neustraße gefunden wurde, nicht besonders heikel ist, muss die Innenstadt am Freitagabend in einem großen Umkreis evakuiert werden. Eine Mammutaufgabe für Behörden und Helfer.

Bis vor wenigen Tagen war der kleine Garten hinter dem Haus Nummer zehn in der Trierer Neustraße über und über mit Sträuchern und Blumen zugewuchert. Dass unter dem wilden Grün eine potenziell tödliche Gefahr lauerte, ahnte niemand. Bis Dienstagmorgen. Gegen 11 Uhr stößt die Schaufel des Minibaggers, der auf dem Grundstück das Erdreich für einen geplanten Anbau aushebt, auf einen Metallkörper. Der Baggerfahrer reagiert schnell. Um 11.16 Uhr geht die Meldung bei der Feuerwehr ein: Bombenfund.

Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg liegt etwa einen Meter unter dem ursprünglichen Oberflächenniveau des aufgebaggerten, privaten Grundstücks, das von den hohen Mauern des benachbarten Priesterseminars umgrenzt ist. Am Dienstagmittag begutachtete der Kampfmittelräumdienst (KMRD) den Sprengkörper. Ergebnis: Der Zünder ist intakt, von dem Blindgänger geht keine akute Gefahr aus. Transportiert werden kann die britische Fliegerbombe aus Sicherheitsgründen allerdings nicht. Sie muss vor Ort unschädlich gemacht werden.

Die Entschärfung: Der KMRD hat der Stadtverwaltung für die Entschärfung der Bombe ein Zeitfenster bis Sonntag gesetzt. "Wir haben viele Dinge gegeneinander abgewogen - und uns für Freitagabend entschieden", erklärt Feuerwehrdezernent Thomas Egger bei einem Pressetermin . Mittwoch und Donnerstag soll die Evakuierung organisatorisch vorbereitet werden. Gegen den Samstagabend spricht die Live-Übertragung des EM-Spiels Deutschland - Italien. Die City tagsüber zu sperren, würde zu große Einbußen für den Einzelhandel bedeuten und große Verkehrsprobleme. "Freitagabend erschien uns daher der beste Zeitpunkt - auch, weil dann die vielen freiwilligen Helfer, die wir benötigen, am ehesten Zeit haben", sagte Egger.

Der Aufschlagzünder der Bombe ist nicht beschädigt. Anders als beim Bombenfund in der Güterstraße 2010 gilt die Entschärfung deshalb als nicht besonders heikel. Um den Sprengkörper unschädlich zu machen, muss der zylinderförmige Zünder aus seinem Gewinde geschraubt werden.

Die Evakuierung: Weil nie völlig sicher ist, dass die Bombe dabei nicht doch explodiert, dürfen sich während der Entschärfung außer dem KMRD keine weiteren Menschen in einer bestimmten Sicherheitszone aufhalten. Als Faustregel gilt: pro Zentner Bombe 100 Meter Abstand. Macht bei fünf Zentnern einen Sicherheitskreis mit einem Radius von 500 Metern.

Wer ist betroffen? 86 Straßen der City liegen innerhalb dieser Sicherheitszone . "Etwa 6000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen", sagt Olaf Backes, Triers stellvertretender Feuerwehrchef. Auch zwei Seniorenwohnheime, das Hospizhaus in der Ostallee, Theater und Tufa müssen geräumt werden.
"Es darf sich niemand in der Gefahrenzone aufhalten", sagt Norbert Hausen, Chef der Trierer Polizei. Alle Betroffenen werden persönlich und per Handzettel ab dem heutigen Mittwoch von den Behörden informiert.

Der Zeitplan: Die Geschäfte in der Sicherheitszone schließen am Freitag bereits um 18 Uhr. Ab 19 Uhr sind die Straßen und Zufahrten - darunter große Teile der beiden Hauptverkehrsachsen Kaiserstraße/Südallee und Weimarer Allee/Ostallee - gesperrt. Umleitungen werden eingerichtet. Bis 20 Uhr sollen alle Menschen den Evakuierungsbereich verlassen haben. Die Entschärfung selbst ist für 21 Uhr angesetzt. "Ob das 20 Minuten dauert oder zwei, drei Stunden, können wir nicht vorhersagen", sagt Dezernent Egger.

Wohin? Wer die Möglichkeit hat, soll zur Familie oder zu Freunden ausweichen. Für alle anderen weist die Stadt Evakuierungsräume aus. Wo diese sein werden, stand am Dienstagabend noch nicht fest. Polizeichef Hausen bittet alle Betroffenen um Verständnis und Kooperation. Wer nicht freiwillig geht, den darf die Polizei mit Gewalt dazu zwingen, die Evakuierungszone zu verlassen.

Hilfe: Alle, die Hilfe benötigen, zum Beispiel weil sie oder Angehörige bettlägerig sind, hat die Stadt ein Bürgertelefon eingerichtet. Die Nummer lautet: 0651/718-1817. "Wir bitten alle, die Unterstützung benötigen, sich frühzeitig zu melden, damit wir entsprechende Hilfe organisieren können!", sagt Egger.
Um die Evakuierung zu organisieren, sind in den kommenden Tagen Hunderte Helfer im Einsatz. Neben Berufsfeuerwehr, Polizei und Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Freiwilligen Feuerwehren und Hilfsdienste wie Rotes Kreuz und Malteser.

Stadtbusse werden am Freitag wegen Bombenentschärfung umgeleitetEvakuierungsbereich:

Foto: TMVG, Quelle: Stadt Trier

Karte wird nicht angezeigt? Hier geht es zur Vollbildanzeige . Die Fläche zeigt den Bereich, der am Freitagabend evakuiert wird. Kartengrundlage: Sonderlage Bombenfund Stadt Trier vom 28.6.2016. Alle Angaben ohne Gewähr.

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