79 Tage Arbeit umsonst

Rechnet man die unbereinigte Lohndifferenz von 22 Prozent zwischen Frauen und Männern in Deutschland in Arbeitstage um, hätten Frauen bis zum 20. März umsonst gearbeitet. An diese Differenz erinnert der Equal Pay Day. In Trier wurde er bereits zum siebten Mal veranstaltet.

Trier. "Das liegt bestimmt an den Vorurteilen von früher", vermutet Lea Schons, Schülerin einer neunten Klasse, auf die Frage hin, warum es noch eine Lohndifferenz gebe. Sie hält einen roten Ballon mit dem Logo des Equal Pay Day in der Hand und will sich gleich noch weiter informieren. "Wenn Frauen im gleichen Beruf weniger verdienen als Männer, dann ist das unfair." Wie ihre Schwester will Lea später soziale Arbeit machen. Damit fällt ihr Berufswunsch in die Kategorie "Arbeit am Menschen", zu der Tätigkeiten gehören, die vor allem von Frauen ausgeübt werden.
"Wir müssen darüber nachdenken, ob uns als Gesellschaft diese "Arbeit am Menschen" weniger Wert ist, als die "Arbeit an Maschinen", erklärt die Trierer Frauenbeauftragte Angelika Winter dazu.
Gerade in diesen Berufen werde nämlich eher wenig bezahlt. Dieser Unterschied ist nur ein Thema von vielen, das mit der Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen verknüpft ist. Besonders zentral ist auch der Zusammenhang zwischen Lohndifferenz und Kinderbetreuung.
Angelika Winter bricht das Thema auf drei zentrale Ansatzpunkte herunter: Strukturen, Familien und Unternehmen. Strukturen, damit ist die Schaffung von flexiblen Betreuungsmöglichkeiten vor allem durch Kitas gemeint. In den Familien seien vor allem die Väter gefragt, sich aktiv zu beteiligen, in dem sie zum Bespiel selbst Elternzeit nehmen. Unternehmen seien gefragt, auf ihre Arbeitnehmer im Hinblick auf die Kinderbetreuung Rücksicht zu nehmen. "Wir müssen weg von der Präsenzkultur. Auch Arbeit, die von zu Hause aus erledigt wird, ist qualitativ hochwertig und wertvoll."
Viele Geschäfte in der Neustraße erinnerten an die Lohnlücke, indem sie Frauen an diesem Tag einen Rabatt von 22 Prozent gaben. Der kann die Lücke zwar nicht wettmachen, schafft es aber vielleicht, auf das Problem aufmerksam zu machen. nia