80 Euro für den Meter „Hasen-Hoppel-Land” in Schweich

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : 80 Euro für den Meter „Hasen-Hoppel-Land” in Schweich

Die Stadt Schweich macht Grundbesitzern in vier Gebieten ein Kaufangebot. Gezahlt wird aber nur unter einer Voraussetzung.

Ob Äcker oder Wiesen in Schweich zu Bauland werden oder nicht, diese Frage ist künftig einfach zu beantworten: Nur, wenn die Stadt die Flächen selbst erwerben, erschließen und vermarkten kann, ist ein neues Baugebiet möglich. Stadtbürgermeister Lars Rieger brachte es im Stadtrat auf die Formel: „Wenn es nicht mehrheitlich unser Eigentum wird, bleibt es Hasen-Hoppel-Land.” Dem Irrsinn bei den Baulandpreisen müsse entgegengewirkt werden, so Rieger.

Bei der Ausweisung von Bauland soll es in der Moselstadt nicht mehr so laufen wie beispielsweise beim großen Baugebiet Ermesgraben (340 Baustellen). Es wurde vor zehn Jahren freigegeben und trotz enormer Nachfrage nach Bauland in Schweich sind noch viele Grundstücke unbebaut. Sie sind ja auch für Otto Normalverdiener unerschwinglich. Spekulationen haben die Grundstückspreise in die Höhe getrieben, sie liegen mittlerweile bei bis zu 500 Euro pro Quadratmeter.

Nachdem der Stadtentwicklungsausschuss die Debatte, wohin sich Schweich ausdehnen könnte, ins Rollen gebracht hatte, war im Herbst 2018 das Planungsbüro BKS beauftragt worden, vier Flächen auf eine mögliche Eignung als Bauland zu überprüfen: Merzbach- Ost, Merzbach-West, der Bereich Corneliuspforte/Schweicher Bach und der Bereich Auf Marscheid/Lehmbach.

Planer Thomas Lang machte deutlich, dass die städtebauliche Bewertung nur oberflächlich ist. Es bedürfe tiefergehender Untersuchungen, um herauszufinden, ob sich Bereiche tatsächlich als Baugebiet eignen.

Die Gebiete Merzbach-West und Merzbach-Ost schließen unmittelbar an das Gelände an, auf dem derzeit die Grundschule Schweich und die Trevererschule gebaut werden. Beide Flächen sind mit 80 000 Quadratmetern nahezu gleich groß und könnten Platz bieten für 100 bis 130 Grundstücke. Merzbach-Ost kann nach Mitteilung von Planer Lang nur über die Kreisstraße 39 erschlossen werden. Die Zufahrt müsste in Höhe der jetzigen Baustraße, also gegenüber der Einmündung zum Ermesgraben, erfolgen. Merzbach-West sei verkehrsmäßig nicht eigenständig zu erschließen.

Der Bereich Corneliuspforte/Schweicher Bach liegt neben der Autobahn. Hier sind laut Thomas Lang auf einer Fläche von 60 000 Quadratmetern knapp 80 Grundstücke für Einfamilienhäuser und 32 für Reihenhäuser denkbar. Südlich davon sei auf 16 000 Quadratmetern Platz für etwa 25 Häuser, davon zehn Reihenhäuser.

Als schwierig beurteilt der Planer ein mögliches Baugebiet im Bereich Auf Marscheid/Lehmbach. Der Untergrund sei nicht ideal, außerdem liege das Gebiet relativ weit von Nahversorgungseinrichtungen entfernt.

Auf einstimmigen Beschluss des Stadtrats sollen alle Eigentümer in den vier untersuchten Gebieten ein Kaufangebot über 80 Euro für den Quadratmeter Land erhalten. Die Besitzer werden von der VG-Verwaltung angeschrieben. Stadtbürgermeister Lars Rieger hält das für ein „ordentliches und faires Angebot”. Schließlich betrage der Bodenrichtwert (siehe Info) je nach Lage und Nutzung der Acker- und Wiesenfläche nur ein Bruchteil dessen.

Damit bei den Grundbesitzern keine falschen Hoffnungen geweckt werden, soll in dem Brief folgendes herausgestellt werden: „Nur in den Bereichen, in denen die notwendigen Flächen für eine sinnvolle Abgrenzung erworben werden können, soll die Planung weiterbetrieben werden”.

Mehr von Volksfreund