Glaube im Alltag: 9. November

Glaube im Alltag : 9. November

Heute gedenken wir der Opfer der Pogromnacht vom 9. auf den 10. Nov. 1938. Gedenken setzt Erinnerung und Wissen voraus. Sie sind die Grundlage der Verantwortung nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für Gegenwart und Zukunft.

Erinnerung und Wissen sind die Grundlage für das Erkennen und Verstehen dessen, was geschehen ist. Es kann nicht darum gehen, Verständnis zu haben; es geht darum, zu verstehen. Nur wer die Vergangenheit versteht, wer versteht wie etwas „passieren“ und sich etwas entwickeln konnte, wer versteht, wie Menschen agieren und Systeme funktionieren, wird auch in der Gegenwart die Zeichen früh genug erkennen, die erneut zu dem führen könnten was damals geschah. Die immer wieder kehrende Frage späterer Generationen, wie es damals dazu kommen konnte, ist daher unbedingt wach zu halten und all das zu fördern, was dazu beiträgt, hierauf eine Antwort zu finden. Je mehr uns eine Antwort auf diese Frage gelingt, je genauer wir hinschauen, umso größer die Chance, dass nachfolgende Generationen nicht wieder einen Grund haben werden, die Frage zu stellen „wie es dazu kommen konnte“ – weil wir früh genug die Zeichen erkennen und gegensteuern. Und auf die von manchen gestellte Frage, wie lange denn noch erinnert werden muss gibt es nur eine Antwort: So lange es Menschen gibt, solange ist es wichtig, an das zu erinnern, wozu Menschen im Stande sind: an die Grausamkeiten und deren Opfer und auch an den Mut der Menschen, die gegen die Ungerechtigkeit aufgestanden sind.

Markus Leineweber, Trier

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