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Aan Liedschie für dää Frankentorm

Aan Liedschie für dää Frankentorm

TRIER. Mehr als 250 Trierer feierten in der Tuchfabrik den Abschluss der Frankenturm-Aktion und genossen das Konzert mit Thomas Kiessling, Anke Wagner und Helmut Leiendecker.

Neben der Bühne in der Tuchfabrik stand in einem Glasgehäuse hell illuminiert das museale Frankenturm-Modell aus dem Jahr 1922. Mehr als 250 Trierer waren in die Tufa gekommen, um Thomas Kiessling, Anke Wagner und Helmut Leiendecker mit seiner Bloas zu hören - und die Trier-Gesellschaft bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, den mittelalterlichen Wohnturm in einen besucherfreundlichen Zustand zu versetzen."Et kommt noch, dat Liedschie",

"Et kommt noch, dat Liedschie", versprach Helmut Leiendecker nach jedem Stück seiner Mundart-Combo. Das war wohl das am besten gehütete Geheimnis seit Beginn der Aktion Frankenturm. "Wir ziehen den Korken aus der Flasche", sagte Leiendecker, als bei einem Besuch in dem mittelalterlichen Bauwerk im Sommer 2005 die Kellertür aufgeschlossen wurde und Nebelschwaden aus dem Untergrund aufstiegen.

Als sei der Geist des Frankenturms tatsächlich in den Mundart-Sänger gefahren, entwickelte er mit dem Tenor und ebenfalls bekennenden Trierer Thomas Kiessling (er stellte beim Konzert außerdem Lieder aus seiner CD "Dichterliebe" vor) den Plan, dem Gebäude eine gesungene Hommage zu widmen. Und damit zu helfen, es aus seinem Jahrhunderte andauernden Dornröschenschlaf zu erwecken. "Ich bin Original-Trierer und bin froh, seit sieben Jahren wieder hier zu sein. Trierisch ist meine Muttersprache", sagte der Sänger. Sein Einsatz für das ehrgeizige Projekt sei Ehrensache.

Ergebnis der ungewöhnlichen Kooperation von Komponist Kiessling und Texter Leiendecker ist das ultimative Frankenturm-Liedschie "Dää Frankentorm", das die beiden selbsternannten Turmgeister als Uraufführung dem Publikum und dem Vorstand der Trier-Gesellschaft beim Benefiz-Konzert präsentierten.

Kunstnebel und bläuliches Licht sorgten in der Tufa für mystische Stimmung. In schwarze Kutten gehüllt, wandelten die Gespenster auf die Bühne. Ein theatralischer Auftritt. Handfest und humorvoll der Text, der die Geschichte des Bauwerks erzählt. "Bei Pochda, Duum on Römerstaan, has dau deich egereit, dau grüßt mit deiner Zinnenpracht noch ewich Trierer Leit. (...) Dää Frankentorm erstrahlt en neuer Pracht, dää Frankentorm es endlich obgewacht".

Auch Anke Wagner stellte sich - begleitet von Simon Nichols (Piano) und Morris Nichols (Gitarre) - erneut mit ihrem Auftritt in den Dienst der guten Sache und steuerte gefühlvolle Pop-Songs auch aus eigener Feder bei.

Ein Film über den Turm

Die zweite Premiere des Abends war auf der Leinwand zu sehen. "Frankenturm - Der Film" ist eine Produktion der jungen Trierer Firma mediaworkX, die das Profil des Denkmalrettungsvereins und die Pläne für den Frankenturm in filmischen Sequenzen zusammengestellt hat.

Obwohl der Kartenvorverkauf für das Benefiz-Konzert, das zugleich Abschluss der vom TV begleiteten Kampagne war, etwas schleppend anlief, zog der Vorstand der Trier-Gesellschaft ein positives Resümee. "Der Widerhall draußen und hier im Saal ist das Entscheidende", sagte Vereins-Chef Gert Burscheid. Den Frankenturm wieder in das Bewusstsein der Trierer gebracht zu haben, erfülle ihn mit Stolz und entschädige für den zeit- und arbeitsintensiven Einsatz der vergangenen Monate.

Rund 6000 Besucher nutzten während der vergangenen Monate die Chance, das Bauwerk zu besichtigen. Mehr als 100 000 Euro Spenden wurden gesammelt. Zudem verbucht die Trier-Gesellschaft rund 140 neue Mitglieder. "Die Aktion und die Arbeit haben sich gelohnt. Unsere Erwartungen wurden übertroffen", freute sich auch Geschäftsführer Karlheinz Scheurer über das Ergebnis.

Wenn die öffentlichen Mittel fließen, ist im Sommer Baubeginn - damit die Trierer im April 2007 eines der seltenen mittelalterlichen Denkmäler der Stadt runderneuert bestaunen können.