Ab Montag wird in der Trierer Simeonstraße das Pflaster erneuert

Ab Montag wird in der Trierer Simeonstraße das Pflaster erneuert

Jetzt geht's wirklich los: Nach der Ausschreibungs-Pleite von 2016 lässt das Trierer Tiefbauamt ab Montag in der Simeonstraße gleich zwei Bauabschnitte auf einmal abarbeiten. Der Rest des 2015 gestarteten Großprojekts soll erst 2019 folgen.

"Ratatazong, die Aufreißer kommen", titelte der TV am 11. Mai 2016. Anlass war der von der Stadt geplante zweite Bauabschnitt der Pflastererneuerung in der Simeonstraße. Direkt nach dem Altstadtfest Ende Juni hätte es losgehen sollen. Aber Pustekuchen. Das Tiefbauamt musste seine Ausschreibung aufheben, weil nur ein einziges Angebot eingegangen war und das auch noch deutlich über den Kostenschätzungen des Rathauses lag. Resultat: ein verlorenes Jahr und reichlich Frust bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung.

Mit der Neuausschreibung ließ sich das Tiefbauamt Zeit, um, wie Amtsleiter Wolfgang van Bellen (59) sagt, "einen großen Wurf" machen zu können. "2016 waren alle Mittel fest verplant. Für dieses Jahr konnten wir mehr Geld zusammenbekommen und hatten damit eine andere Ausgangslage."

Ausgeschrieben wurden im Februar gleich zwei der insgesamt noch ausstehenden drei Abschnitte des Großprojekts. Und diesmal erfüllten sich die Erwartungen des Rathauses. "Die Resonanz und die Angebote waren dank des größeren Auftragsvolumens deutlich besser als 2016", lässt van Bellen durchblicken.

Den Zuschlag erhielt - wie bei Bauabschnitt eins, der im Sommer und Herbst 2015 über die Bühne ging - die Firma Holler & der Steinsetzer aus dem thüringischen Tanna, was im Tiefbauamt ebenfalls zur Beruhigung der strapazierten Nerven sorgte. "Mit diesem Unternehmen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", versichert der Amtschef. "Es leistet sehr gute Arbeit, hat ein strukturiertes Baustellenmanagement und liefert hohe Qualität." Siehe zum Beispiel Bischof-Stein-Platz, Simeonstiftplatz und Pferdemarkt, aber auch der Platz vor der Uni-Mensa, wo die Firma ebenfalls bereits zugange war. Für ihren zweiten Auftrag in der Sim haben die Thüringer Unterstützung aus Trier ins Boot geholt: Als Subunternehmer erledigt die Firma Schnorpfeil die vorbereitenden Arbeiten: Sie reißt das alte Pflaster heraus. Für das Setzen der neuen Natursteine sorgt die selbe Truppe, die bereits im vorletzten Jahr im Einsatz war: "Das sind vier aus Portugal stammende Kollegen, die allesamt hohe Qualitätsansprüche haben", erklärt Bauleiter Matthias Holler (29). Somit sei gewährleistet, dass das jetzt kommende Pflaster in der "gleichen Handschrift" verlegt werde wie bei Bauabschnitt eins.

Los geht es übermorgen, Montag. Zuerst wird die Mittelrinne an der Einmündung Glockenstraße begradigt, und das Pflanzbeet vor der Galeria Kaufhof wird abgerissen. Dessen Fläche wird benötigt, um den Lieferverkehr für die Geschäfte in der Sim und am Hauptmarkt zu gewährleisten. Noch nicht entschieden ist, ob das Beet wiederkommt oder durch eine Sitzgruppe ersetzt wird.

Für den Doppel-Bauabschnitt wird die Sim in neun Arbeitsfelder unterteilt, die nach und nach abgearbeitet werden. Insgesamt handelt es sich um 2200 Quadratmeter parallel zu Abschnitt eins auf der (in Blickrichtung Porta Nigra) rechten Straßenseite und 50 Meter weiter bis Hochstetter.

Die Kosten liegen bei knapp einer Million Euro. Neben neuen Natursteinen erhält die Straße entlang ihrer Mittelrinne einen Streifen in großformatigem Pflaster. Sein Zweck: insbesondere Rollstuhlfahrern die Tour durch die Fußgängerzone erleichtern.

Spätestens bis zu Beginn des Weihnachtsmarkts (27. November) soll der Baustellentrubel beendet sein, kündigt das Tiefbauamt an. Und der finale Bauabschnitt steht entgegen den ursprünglichen Planungen nicht mehr für 2018 auf dem Programm. "Wir wollen dem Karl-Marx-Jahr nicht im Weg stehen", erklärt Wolfgang van Bellen. Deshalb gehe es erst 2019 weiter. Dann erhalten die restlichen Flächen - überwiegend wieder auf der linken Seite zwischen Kaufhof und Einmündung Margaretengässchen - frisches Pflaster. Vorausgesetzt, die nötige Ausschreibung bringt schon im ersten Anlauf ein für die Stadt akzeptables Resultat.Meinung

Der Unterschied ist offensichtlich: Rechts (in Blickrichtung Hauptmarkt) das 2015 erneuerte Pflaster der Simeonstraße, links das alte, das nun ausgetauscht wird. TV-Fotos (2): Roland Morgen. Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Wenn das Straßenpflaster zur Altlast mutiert

Fast 35 Jahre hat das Pflaster in der Trierer Simeonstraße auf dem Buckel - abzüglich der 800 Quadrater großen Fläche, die im vorletzten Jahr erneuert wurde. Das ist allerdings gerade mal ein Fünftel der Sim, die neben dem Hauptmarkt so etwas wie die "Mutter der 1a-Lagen" Triers ist. Schon darin offenbart sich der Handlungsbedarf: Auf ihrem teuersten Pflaster kann die Stadt die Verkehrssicherheit nicht mehr lange gewährleisten - zu marode ist das Straßenpflaster inzwischen. Mit der üblichen Flickschusterei in Form von Fugensanierungen ist den Stolperfallen jedenfalls nicht mehr beizukommen. Deshalb ist es richtig, dass die Stadt nach dem "verlorenen" Jahr 2016 und vor dem Karl-Marx-Jahr 2018 nun zum großen Rundumschlag ausholt. Fast sieben Monate lang ist die Prachtstraße Schauplatz einer Wanderbaustelle. Nur vom 21. bis 25. Juni ruhen die Arbeiten, um das Altstadtfest und seine Vorbereitungen nicht zu beeinträchtigen. Die Dauerbelagerung ist nicht schön, aber notwendig. Weil die Stadt chronisch klamm ist. Wäre dem nicht so, dann wäre es gar nicht erst zum Altlastenpflaster-Problem gekommen. r.morgen@volksfreund.de

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