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Abfuhr für Longuicher Schul-Engagement

Abfuhr für Longuicher Schul-Engagement

Immer mehr Grundschüler nehmen in der Verbandsgemeinde (VG) Schweich an den Betreuungsangeboten teil, wodurch die Kosten pro Kind sinken. Der VG-Rat Schweich hat daher eine Senkung des elterlichen Kostenbeitrags beschlossen. "Gewürzt" wurde die jüngste Sitzung durch einige hitzige Wortgefechte.

Schweich. Auf großes Publikumsinteresse stieß am Donnerstag die Sitzung des VG-Rats Schweich. Eltern mit Grundschulkindern aus Longuich und Riol waren gekommen, um die Debatte zum Thema "Betreuungsangebote an den Grundschulen" zu verfolgen. Sie sollten eine hitzige Sitzung erleben und sogar selbst Teil des Geschehens werden. Der Hintergrund: Die Betreuung der Longuicher Grundschulkinder fand bisher in der örtlichen Kita statt. Dies ist jedoch wegen der steigenden Nachfrage ab dem Schuljahr 2011/2012 nicht mehr möglich. Als Lösung wurde von Schulleitung und Schulelternbeirat eine pädagogische Betreuung in der Grundschule angedacht. Zwei Fachkräfte des Vereins "Lernen Fördern" sollten die Aufgabe übernehmen. Der Schulträgerausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss hatten diesen Sonderweg jedoch abgelehnt und dem VG-Rat zur Sitzung empfohlen, in der Grundschule Longuich eine "normale" Betreuung bis 16.30 Uhr einzurichten. So also standen am Donnerstag die Zeichen auf Sturm: Die FWG-Fraktion, geführt von der Longuicher Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder, sollte mit ihrem "Longuicher Modell" auf die geschlossenen Abwehrreihen von CDU und SPD stoßen. Gleiches galt für den FWG-Antrag zur Entlastung der Eltern, den VG-Anteil an den Betreuungskosten von derzeit zwölf auf 50 Prozent anzuheben. Den Reigen der Absagen leitete CDU-Ratsmitglied Jürgen Nisius ein: "Wenn wir solche Betreuungsangebote wie in Longuich geplant unterstützen, dann laufen wir Gefahr, mögliche neue Ganztagsschulstandorte in der VG zu gefährden." Als Zündfunke in explosiver Stimmung wirkte dann Nisius\' persönliche Anmerkung, dass direkte elterliche Zuwendung grundsätzlich nicht durch pädagogische Betreuung ersetzbar sei. "So eine Frechheit", flüsterte es aus der Zuhörerreihe der Eltern. "Das habe ich gehört", sagte Nisius mit geübtem Realschuldirektorohr. Verbaler Schlagabtausch

"Wir sind also alle Rabeneltern", fauchte es zurück. "Herr Nisius stellt unsere engagierten Zuhörer als Rabeneltern hin", bekräftigte Ratsmitglied Kathrin Schlöder. "Dies ist eine böswillige Unterstellung, bitte zu Protokoll nehmen", rief Nisius. Bürgermeister Berthold Biwer, ehemals Amtsgerichtsdirektor, machte den Friedensrichter. Dann krachte es nochmals zwischen Kathrin Schlöder und dem Beigeordneten Erich Bales, der lautstark gegen den Versuch der FWGlerin protestierte, eine Internet-Grußbotschaft der Bundesfamilienministerin abzuspielen. Als sich die Wogen wieder glätteten, wiederholten Vitus Blang (SPD) und Wolfgang Sauer (CDU) den Standpunkt: Ein Alleingang in Longuich würde das Vorhaben der Landesregierung unterlaufen, an jedem zweiten Standort eine Ganztagsschule einzurichten. Der Plan sei abzulehnen. Dazu Schlöder (FWG): "Alles reine Parteipolitik!"Gegen die Stimmen der FWG, die eine höhere VG-Beteiligung gefordert hatte, wurden für das Schuljahr 20010/2012 die Elternbeiträge auf 5,50 Euro pro Woche bei einer täglichen Betreuungsstunde festgesetzt. Derzeit sind es noch sieben Euro. Die Senkung errechnet sich aus den steigenden Teilnehmerzahlen (ab Herbst 95 Kinder in der VG), wodurch auf eine bezahlte Betreuerin mehr Kinder kommen. Meinung

Überflüssige AnmerkungEnttäuscht verließen die Eltern der Longuicher und Rioler Grundschulkinder den Schauplatz. Ihre Hoffnung auf eine selbst initiierte, pädagogisch geführte Optimalbetreuung an einer kleinen überschaubaren Schule war innerhalb einer Stunde zerstoben. Das von SPD und CDU angekündigte Ganztagsschul-Gesamtkonzept wäre genau jene Großlösung, die man in Longuich und Riol mit eigenem Engagement hatte umgehen wollen. Völlig überflüssig in der schon aufgeladenen Atmosphäre war der Hinweis von Ratsmitglied Jürgen Nisius zum Thema "elterliche Zuwendung und pädagogische Betreuung". Aus Sicht der anwesenden Eltern eine bewusste Provokation - mag dies auch nicht die Absicht des Redners gewesen sein. Fazit: Derart hitzige Debatten sind ungewöhnlich für den Verbandsgemeinderat Schweich. Zerrt die Bürgermeisterwahl im Herbst schon an den Nervenkostümen? f.knopp@volksfreund.deDas Freibad Schweich muss saniert werden (TV vom Mittwoch). Die Architekturbüros Karl-Heinz Reuter (Bergheim) und Hans-Peter Kolz (Reinsfeld) stellten dem Rat ihre Entwürfe vor. Die Kostenplanung beider Büros liegt mit rund 2,8 und 2,7 Millionen Euro leicht über dem von der VG gesetzten 2,5-Millionen-Euro-Limit. Die Vergabeentscheidung sollte in nicht öffentlicher Sitzung erfolgen, wurde jedoch vertagt. "Zunächst werden sich die Fachgremien eingehend mit den Entwürfen befassen", erklärt VG-Sprecher Wolfgang Deutsch auf Anfrage. Die Nachfrage nach Ganztagsplätzen in den Grundschulen steigt. In der VG Schweich gibt es bisher nur das Ganztagsangebot in der Schweicher Bodenländchen-Grundschule. Zur genauen Bedarfsanalyse wurde eine Fragebogenaktion an die Eltern beschlossen. Die Fragebögen sollen auch ins Internet gestellt werden. f.k.