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Abiturienten aus Trier und dem Kreis Trier-Saarburg berichten von ihren geplatzten Reiseplänen

Einschränkungen wegen des Coronavirus : Abi! Und nur das Virus reist um die Welt

Den geplanten Urlaub absagen – das müssen derzeit viele Menschen. Besonders traurig ist das für die, die gerade mit einer großen Reise ins „richtige“ Leben starten wollten: Abiturienten.

Elena Dixius hatte nach dem Abitur eine Menge vor: Nach dem Abistress erst einmal in der Therme Erding in München ausspannen. Dann erfrischt und erholt auf dem World-Club-Dome-Musikfestival in Frankfurt zu Elektrobeats abtanzen. Im Sommer sollte es mit ihrem Freund und dessen Eltern nach Thailand gehen. Seit Juni 2019 hatte sie sich schon darauf gefreut.

Und dann standen auch noch eine glücklicherweise noch nicht gebuchte Philippinen-Rundreise und eine Europa-Reise mit dem Interrail-Ticket auf dem Plan. Im November hatte sie sich für die EU-Initiative „Discover EU“ (deutsch: „Entdecke die EU“) beworben und als eine von EU-weit 20 000 18-Jährigen das Zugticket für eine Reise quer durch Europa gewonnen. Geplant war die Route über Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien und Italien.

Durch die Ausbreitung des Coronavirus fallen diese Pläne bis auf weiteres flach. Bis sie die Reise nachholen kann, hat sich die Abiturientin vorgenommen, die Zeit sinnvoll zu überbrücken: „Ich möchte Klavier spielen lernen.“

Wie Elena Dixius geht es vielen Absolventen. Durch das Coronavirus platzen ihre Träume wie Seifenblasen. Reisepläne, Praktika, Partys werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei sollte das Abenteuer „Leben“ doch jetzt richtig beginnen. Jetzt wäre er da gewesen, der aufregende Start in einen neuen Lebensabschnitt voller Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Jetzt wäre die Zeit, um sich selbst zu finden, um Zukunftspläne zu schmieden, Bewerbungen zu schreiben oder ins Studierendenleben zu starten. Stattdessen scheint die ganze Welt auf der Stelle zu treten und alle Buchungen werden storniert. Nur das Coronavirus reist einmal um die Welt.

Auch andere Abiturienten verabschieden sich derzeit von großen Reiseplänen: Raphael Leukel wollte gemeinsam mit seiner Mutter für drei Wochen nach Vietnam reisen, um dort seine Verwandtschaft zu besuchen. „Das machen wir seit Jahren“, erzählt der 19-Jährige.

Nachdem die Fluggesellschaft verstärkte Gesundheitskontrollen, Mundschutz- und Handschuhpflicht für alle Passagiere während des Flugs sowie 14 Tage Quarantäne nach der Landung angekündigt hatte, plante Leukel zu stornieren. „Zwei Wochen Quarantäne bei nur drei Wochen Aufenthalt kamen für uns nicht in Frage“, erklärt der Abiturient. Wenig später folgte dann das Update der Fluggesellschaft: Bis Ende April werde man alle Flüge streichen. Langweilig wird dem Abiturienten jedoch nicht: Zusammen mit anderen jungen Leuten hat er die Social-Media-Marketing-Agentur „CreativeMindz“ gegründet, das Business geht aus dem Homeoffice weiter.

Giovanna Lauer hatte sich die Monate nach dem Abitur ebenfalls anders vorgestellt. Der neue Lebensabschnitt sollte für sie und ihre Freundinnen mit einer Rundreise durch die EU beginnen. Auch sie hatten die Interrail-Tickets über „Discover EU“ gewonnen. Anfang Mai sollte es losgehen. Die geplante Tour nach Berlin haben die Freundinnen ebenfalls storniert.

Das mussten zwar viele Reisende in diesem Jahr. Doch der Trip nach dem Abi ist eben keine gewöhnliche Reise: „Die Zeit nach dem Abitur ist die letzte Möglichkeit, nochmal etwas Großes zusammen zu unternehmen, bevor jeder seinen eigenen Weg geht“, erklärt Giovanna Lauer. Statt zu reisen erledigt sie nun Einkäufe für ihre Großeltern und hilft bei der Gartenarbeit. Und sie macht sich Gedanken über etwas Sinnvolles, das sie von zu Hause aus machen kann. „Ich denke an Niederländisch lernen, das wollte ich sowieso schon länger machen“, sagt die 18-Jährige. Statt die Welt zu erkunden, wendet sie sich wieder dem Schreibtisch zu – alles bleibt beim Alten.

Das Abi haben sie zwar in der Tasche, doch der Start ins „echte“ Leben ist auf unbestimmte Zeit verschoben.