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Abrissbagger bei Mutti Krause

Abrissbagger bei Mutti Krause

TRIER. Ein Stück Trierer Kneipen-Tradition verschwindet endgültig von der Bildfläche. Das Haus Hosenstraße 22, das einst die Gaststätte der legendären Wirtin Leni Krause (1922-1999), genannt "Mutti Krause", beherbergte, weicht einem Neubauprojekt. Der Abriss läuft seit Wochenbeginn.

"Mein zweites Zuhause ist bei Mutti Krause". Früher ein geflügeltes Wort unter fröhlichen Zechern, die mit Vorliebe und mitunter sehr ausdauernd dem Bier- oder Viezgenuss in der von außen unscheinbaren Mini-Kneipe in der Hosenstraße frönten. Drinnen: ein Hort urtrierischer Gemütlichkeit. Hier trafen sich Studenten, Stadtratsmitglieder, Bankangestellte und Leute aus den Geschäften in der Fußgängerzone. Als die "Sehen-und-Gesehen-werden-Fraktion" spitz kriegte, dass es sich um eine der raren wahren Trierer Kult-Kneipen handelte, war es schon fast zu spät.Leerstand seit elf Jahren

Ende März 1995 drehte "Mutti Krause" endgültig den Zapfhahn zu: Ein Hirnschlag hatte die damals 72-jährige Pächterin zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Seither stand der alte Schankraum leer. In den folgenden Jahren leerten sich auch die darüber liegenden Wohngeschosse. Neuer Besitzer ist der Trierer Architekt Dietmar Plößl. Der 54-Jährige hat die aus dem 19. Jahrhundert stammende Immobilie allerdings wegen des Grundstücks gekauft: "Das Haus war abbruchreif und nicht erhaltenswert. Es wurde mehrfach umgebaut und im Krieg schwer beschädigt." Seit Wochenbeginn läuft der Abriss. Bis voraussichtlich bis Ende August verschwindet das "Mutti Krause"-Haus komplett von der Bildfläche. Keine Gaststätte im Neubau

Lediglich die historischen Keller-Mauern bleiben stehen. Darauf baut Plößl nach eigenen Plänen ein neues Wohn- und Geschäftshaus auf, dreigeschossig plus ein zurückgesetztes Staffelgeschoss. Investitionskosten: rund eine Dreiviertel Million Euro. Die vorspringende Ecke bleibt dem Bild der Hosenstraße erhalten: "Der Haus-Grundriss ergibt sich aus der Keller-Lage", sagt der Bauherr. Er kommt damit auch einer Forderung des Architektur- und Städtebaubeirates nach, der sich in zwei Sitzungen mit dem Projekt befasst und ihm seinen Segen gegeben hat. Wie die geplante gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss seines neuen Hauses aussieht, weiß Plößl laut eigenem Bekunden "noch nicht. Da bin ich noch offen". Für eine bestimmte Nutzungsform gilt das jedoch nicht: "Es wird keine Gaststätte werden." Bezugsfertig sein soll das neue Haus Hosenstraße 22 Mitte kommenden Jahres.