Absage von Brot und Spiele: Fraktionen nicht informiert

Absage von Brot und Spiele: Fraktionen nicht informiert

Dass das Römerfestival Brot und Spiele 2013 nicht stattfindet, haben die Stadtratsfraktionen aus der Presse erfahren. Kulturdezernent Thomas Egger hatte weder den Ausschuss noch den extra für die Neukonzeptionierung des Römerspektakels eingerichteten Arbeitskreis vorher informiert.

Tobias Schneider. TV-Foto: Roland Morgen.
Hermann Kleber. Foto: privat.
Uschi Britz.Foto: privat.
Markus Nöhl.TV-Foto: Roland Morgen.
Ulrich Dempfle.Foto: privat.
Katrin Werner.TV-Foto: Roland Morgen.

Trier. Die Nachricht, dass Brot und Spiele 2013 ausfällt, hat die kulturpolitischen Sprecher der Stadtratsfraktionen überrascht. Selbst die SPD hat laut Pressemitteilung von der Absage aus der Presse erfahren - dabei ist Nils Teuber, Prokurist der Medienfabrik, die das Römerspektakel im Auftrag der Stadt durchführt, der Bruder von SPD-Fraktionschef Sven Teuber.
Nichtsdestotrotz: Dass Brot und Spiele mit dem bisherigen finanziellen und inhaltlichen Konzept 2013 hätte fortgeführt werden sollen, dafür hat sich auf TV-Nachfrage keine der sechs Stadtratsfraktionen ausgesprochen:
Markus Nöhl, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion: "Die Bespielung der antiken Stätten ist für die Kulturstadt Trier ein zentrales Element in der überregionalen Außenvermarktung. Wir brauchen daher schnell ein Konzept, wie sich der Dezernent vorstellt, dass zukünftig Brot und Spiele weitergehen kann. Es darf keine Hängepartie werden. Dabei ist für die SPD wichtig, dass die wichtigen geschichtspädagogischen Angebote in den Kaiserthermen und mit dem Rheinischen Landesmuseum erhalten werden und an Attraktivität gewinnen. Das Spektakel im Amphitheater könnte zukünftig rein privatwirtschaftlich vorgeführt werden."

Tobias Schneider, FDP-Stadtratsmitglied: "Brot und Spiele 2013 auszusetzen, bringt die nötige Zeit, um ohne Druck das Konzept zu überdenken. Dieses muss der Finanzlage der Stadt Rechnung tragen und klären, wie Trier sein kulturelles Erbe langfristig vermarkten soll. Ein Zweijahresrhythmus ist ebenso denkbar wie eine Kombination aus Brot und Spiele und den 2010 aufgegebenen Antikenfestspielen. In Zeiten anstehender Schulschließungen und Einsparungen bei Trägern sozialer Einrichtungen sind hohe Defizite für derartige Events allerdings nicht mehr vermittelbar. Grundsätzlich steht die FDP einem Antiken-Event in Trier weiterhin positiv gegenüber."

Uschi Britz, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Stadtratsfraktion: "Wir sehen uns in der Ablehnung des Wirtschaftsplans der Medienfabrik bestätigt. Die hohe Einnahmeerwartung erschien nicht plausibel. Förderungswürdig war und ist für uns nur das Veranstaltungsprogramm in den Kaiserthermen. Es ist allerdings irritierend, dass ohne vorherige Rücksprache mit dem Kulturausschuss - ähnlich übrigens wie damals bei den Antikenfestspielen - von der Stadtspitze auch diesmal die Entscheidung im Alleingang getroffen und Fakten geschaffen werden."

Katrin Werner, Linksfraktion: "Bei der Neukonzeption müssen die historischen, kulturellen und pädagogischen Elemente der Palästra beibehalten werden. Ein Schauspiel halten wir für sinnvoll, wenn höherwertige Aufführungen produziert werden als bisher. Wir stellen uns ein kulturelles Gesamtkonzept vor, etwa könnte unter dem Motto ,Trierer Kultursommer\' die Innenstadt zum Beispiel für eine Woche komplett historisch antik gestaltet werden. Bei den Kosten sollte nicht nur nach deren Höhe gefragt werden, sondern welche nachhaltige Qualität die Kulturförderung für Trier und den Tourismus hat."

Hermann Kleber, kulturpolitischer Sprecher der FWG-Fraktion im Stadtrat: "Brot und Spiele in der gegenwärtigen Konzeption scheint die Grenzen seines Publikumspotenzials erreicht zu haben und hat seine finanzielle Ausstattung zum wiederholten Mal überdehnt. Auch angesichts der Haushaltslage der Stadt konnte es so nicht weitergehen. Die Denkpause von einem Jahr ist hilfreich, damit der Kulturausschuss Leitlinien einer künftigen Kulturpolitik erarbeiten kann, wobei auch Brot und Spiele neu bewertet werden sollte. Nach Auffassung der FWG sollte man zu der ursprünglichen Idee zurückkehren, nach der sich eine solche Veranstaltung im Prinzip selber tragen sollte im Rahmen eines Tourismusmarketings."

Ulrich Dempfle, CDU-Fraktionsvorsitzender: "Wir bedauern, dass Brot und Spiele eine einjährige Pause einlegt, ohne dass der Kulturausschuss in diese Entscheidung einbezogen war. Nach den Antikenfestspielen verliert Trier das zweite antike Kulturevent, das zwar eine andere Zielgruppe angesprochen hat, sich jedoch zu einer bekannten und beliebten Marke entwickelt hat. Wären die Weichen für eine Neukonzeptionierung nicht erst jetzt im September, sondern früher gestellt worden, hätte die Zwangspause vielleicht vermieden werden können. In der Fraktion haben wir das Thema noch nicht diskutiert, deshalb können wir auch noch keine Aussagen über die künftige künstlerische und finanzielle Ausrichtung treffen."