Abschied vom öffentlichen Leben - Bernhard Kaster kommt nach Hause

Abschied vom öffentlichen Leben - Bernhard Kaster kommt nach Hause

15 Jahre lang hat sich der Trierer Bernhard Kaster in Berlin für seine Heimat eingesetzt. Am 5. September kommt der alte Bundestag das letzte Mal zusammen. Danach geht es heim - zu Frau und Fischen.

... die Akten in seinem Trierer Wahlkreisbüro zu räumen und ... Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
... mit TV-Redakteurin Christiane Wolff beim Spaziergang durch Pfalzel Rückblick zu halten. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Bürgernah - so sieht sich Bernhard Kaster am liebsten. Wirklich nah an ihn heranzukommen, ist allerdings schwierig. Ein Besuch in seiner Wohnung auf dem Petrisberg, zum Abschluss seiner mehr als 20-jährigen politischen Karriere, um nicht immer nur über den Politiker zu berichten, sondern über den Menschen? Undenkbar. "Ich möchte Privates und Beruf strikt voneinander getrennt halten", bittet Kaster um Verständnis. Stattdessen schlägt er ein Treffen in Pfalzel vor, seinem Heimatstadtteil. Hier steht sein Elternhaus, hier ist er zur Grundschule gegangen, hier hat er in den dunklen Kasematten unter der Wallmauer verstecken gespielt. Sich wirklich nahbar zu zeigen, fällt dem 59-Jährigen aber auch beim Spaziergang durch diese vertraute Umgebung schwer.
Sich jederzeit im Griff zu haben, jedes Wort abwägen, stets der volksnahe, konservative Politiker zu sein - das scheint ihm in Fleisch und Blut übergegangen zu sein.
Er hat es weit gebracht damit und viel erreicht: Auch außerhalb von Wahlkampfzeiten hat er die Großen nach Trier geholt. Nicht nur Schäuble, Lammert, Altmaier, Verkehrsminister Dobrindt, Ex-Bahnchef Mehdorn kamen zum alljährlichen politischen Aschermittwoch der Trierer Christdemokraten, Neujahrsempfängen oder zur fast schon legendären Schifffahrt "Die Region in einem Boot", bei der Kaster Jahr für Jahr zu Gesprächen über deutsch-luxemburgische Themen einlud. Als Papst Franziskus 2015 nach Deutschland kommen sollte, versuchte Kaster auch ihn zum Besuch in Deutschlands ältestem Bistum zu locken. Doch zumindest beim Pontifex Maximus setzte sich Kaster - trotz einer persönlichen Einladung auf Latein - nicht durch.
Bei Peter Ramsauer schon. Als der damalige CSU-Verkehrsminister 2010 auf der MS Marie-Astrid zu Gast ist, überredet Kaster ihn kurzerhand zum Ortstermin in Konz-Könen. Ramsauer sagt Ja, noch vom Schiff aus informiert Kaster flott die Bürgerinitiative, die dort seit Jahren für eine Umgehungsstraße kämpft. "Als ich mit Peter in Könen ankam, stand die BI bereit und auch etliche LKW fuhren wie auf Knopfdruck durch die Ortslage." Und als es anschließend in Berlin um die Entscheidung geht, ob für die Umgehung Geld bereitgestellt wird, sagt Ramsauer Ja. 2012 beginnt der Bau, am Mittwoch wurde die Trasse eingeweiht.
Ähnlich hartnäckig kämpfte Kaster in den vergangenen Jahren für den Moselaufstieg - mit Erfolg: Obwohl das Land die Straße von Trier-Zewen rauf zur A 64 nach Luxemburg nicht will, ist der 60 Millionen Euro teure Zubringer wieder in den sogenannten vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen worden. "Als Abgeordneter in Berlin muss man eben ständig die Projekte aus der eigenen Region auf dem Schirm haben und im passenden Moment die richtigen Leute davon überzeugen", sagt Kaster. Schließlich sei nicht für alle der vielen, teils gleichwertigen Projekte Geld da. "Welches umgesetzt wird, ist auch das Ergebnis des politischen Wettbewerbs unter den Abgeordneten." Gute Kontakte seien dabei das A und O.
Um seine Ziele durchzusetzen, hat Kaster auch als Trierer CDU-Vorsitzender oft mit harten Bandagen gekämpft. Für einige hielt er die Zügel zu straff in der Hand. Dass es der CDU seiner Heimatstadt an starkem, selbstbewusstem Nachwuchs fehlt, liegt auch an seiner jahrelangen Omnipräsenz, die kaum Platz für andere ließ.
Zur unter Parteichef Udo Köhler zerrissenen Trierer CDU dieser Tage möchte Ex-Parteichef Kaster sich am liebsten gar nicht äußern, ringt sich aber schließlich doch zu einem Satz durch: "Es ist zwar richtig, dass in einer Volkspartei vielfältig diskutiert wird. Wichtig ist aber auch, dass am Ende, wenn die Entscheidung im Stadtrat ansteht, man die Reihen schließt." Punkt.
Politik habe ihm von Jugend an im Blut gelegen. Schon der Opa sitzt für die CDU im Gemeinderat von Pfalzel. Als 1975 Helmut Kohl zum Landtagswahlkampf nach Trier kommt, ist Kaster als 17-Jähriger dabei. 1977 tritt er in die Junge Union ein. 1979 kandidiert er für den Stadtrat - erfolglos. Bei der Kommunalwahl 1984 steht er wieder auf der Stadtratsliste der CDU, schafft es aber nur in den Pfalzeler Ortsbeirat. Erst 1989 rückt der mittlerweile 32-jährige gelernte Verwaltungswirt ins Stadtparlament ein. 1997 macht er sein "Hobby zum Beruf", wie er sagt: Der Pfalzeler wird Bürgermeister der benachbarten Verbandsgemeinde Trier-Land.
2002 sticht er in einer Kampfkandidatur Franz Peter Basten aus, der bis 1998 für die CDU im Bundestag saß, aus und wird Spitzenkandidat im Wahlkreis Trier für die Bundestagswahl. SPD-Konkurrent Karl Diller holt zwar das Direktmandat, aber Kaster schafft es über die Landesliste nach Berlin. 2005 gewinnt er den Wahlkreis und wird parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Auch 2009 und 2013 schafft er im Wahlkreis Trier den Wiedereinzug ins Bundesparlament per Direktmandat.
Obwohl er Berlin und vor allem die Umgebung über die Jahre auch als Ort für Freizeit und Urlaub schätzen gelernt habe: Richtig heimisch geworden ist er auch nach 15 Jahren dort nicht. Die 22 Sitzungswochen pro Jahr in der Hauptstadt bedeuten für ihn vorrangig Arbeit. Abends, nach den Sitzungen, läuft er manchmal die 20 Minuten bis zu seiner Wohnung, die er vor Jahren gekauft hat. Morgens, nachdem er mit seiner Frau telefoniert hat, lässt er sich vom Fahrdienst des Bundestags abholen.
Die Wohnung ist vor allem Schlafstätte. Es gibt zwar eine Küche, aber mehr als Rührei habe er dort nie zubereitet. "Richtig gut kenne ich mich daher in der Berliner Gastronomie aus - wo es den besten Italiener gibt, wo das beste russische Restaurant: Da kann ich gute Tipps geben!", sagt Kaster.
Eine Sache gibt es, die begleitet Kaster noch länger als die Politik durchs Leben. Ein Wasserfass im Garten der Großeltern mit Goldfischen darin weckt bei dem Jungen die Leidenschaft für Aquarien und Fische. Erst gibt's ein eigenes Goldfischglas im Elternhaus, später steht ein größeres Wasserbecken auf seinem Schülerschreibtisch.
Auch in Berlin hatte Kaster ein Aquarium, natürlich. Kürzlich hat er das Becken abgebaut. Zwar will er seine Wohnung behalten, aber so oft werde er dann doch nicht mehr in der Hauptstadt sein, als dass er die Fische pflegen könnte.
Zu Hause, in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus auf dem Petrisberg, steht selbstverständlich auch ein Becken. Ein größeres. "Kongosalmler, Kirschflecksalmler, Prachtschmerle", zählt er auf, "und ein 20 Zentimeter großer, rückenschwimmender Kongowels, den ich schon seit Jahrzehnten habe."
Er freue sich darauf, bald endlich mehr zu Hause sein zu können. "Ich bin froh und dankbar, dass meine Frau Isabell unseren Freundeskreis die ganze Zeit gepflegt hat - ich sehne mich nach all den Jahren als öffentliche Person nach Normalität, nach Privatheit." Auch die beiden erwachsenen Töchter und seine drei Enkelkinder wolle er öfter sehen.
Über das Private hinaus gebe es noch keine konkreten, spruchreifen Pläne für die Zeit nach Berlin - "zumindest nichts, was ich unbedingt öffentlich machen will oder müsste", sagt Kaster.

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