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Abschied von maroden Rohren und Leitungen

 Kritischer Blick: Der Holzerather Ortsbürgermeister Herbert Marth prüft die maroden Leitungen im Keller der Kita. Das Gebäude soll umfangreich saniert werden.TV-Foto: Christa Weber
Kritischer Blick: Der Holzerather Ortsbürgermeister Herbert Marth prüft die maroden Leitungen im Keller der Kita. Das Gebäude soll umfangreich saniert werden.TV-Foto: Christa Weber
Holzerath. Das Gebäude der Kita Holzerath hat knapp acht Jahrzehnte auf dem Buckel. Wasserleitungen, Heizung und Wände müssen laut Gutachtern dringend erneuert und modernisiert werden. An den Kosten - geschätzt eine Million Euro - wären aber auch die Nachbarorte beteiligt, die Kinder in die Kita schicken. Christa Weber

Holzerath. Die Leitungen sind marode, der Keller ist feucht, die Heizung kurz davor, ihren Geist aufzugeben: Das Kindergarten-Gebäude an der Holzerather Schulstraße, in dem auch der Probenraum des Musikvereins, der Bürgersaal und weitere Gemeinderäume untergebracht sind, ist sichtbar in die Jahre gekommen. Ein Sanierung ist laut Ortsgemeinde dringend notwendig.
"Wir müssen bald etwas tun", sagt Ortsbürgermeister Herbert Marth. Laut Verbandsgemeinde Ruwer seien Arbeiten allerdings nur sinnvoll, "wenn wir das Haus komplett energetisch sanieren". Was dies die Gemeinde kosten würde, haben Ingenieure des Trie rer Büros Rittgen ermittelt. Ihre Schätzung: rund eine Million Euro. Das Gutachten wurde vor kurzem im Gemeinderat vorgestellt. "Wenn wir das Gebäude anpacken, dann in großem Umfang", erklärte Ingenieur Thomas Kasel auch Vertretern der Nachbargemeinden Ollmuth, Schöndorf, Bonerath und Hinzenburg. Deren Kinder besuchen ebenfalls die Kita Holzerath - 70 Prozent der Sanierungskosten würden daher auf die fünf Gemeinden aufgeteilt. Der Landkreis gibt vermutlich einen Zuschuss, den Rest tragen die Holzerather.
Brandschutzfrage noch zu klären


Laut Ingenieur Kasel erfüllt in der Kita derzeit "kein Bauteil die aktuelle Energieeinsparverordnung". Ein "akutes Problem" sei die Wasserinstallation, die komplett zu ersetzen sei. Die Außenwände müssten saniert, alle Fenster und die Heizung ausgetauscht werden. Im Gespräch sind eine Ölheizung mit Brennwertkessel oder eine mit Wärmepumpe. Für letztere Variante lägen die Gesamtsanierungskosten bei 944 000 Euro, für die Kesselvariante bei 910 000 Euro. Allein 330 000 Euro entfallen auf eine energetische Sanierung des Daches. Noch zu prüfen ist allerdings laut Kasel, ob dort zusätzlicher Brandschutz nötig ist.
Eine Million Euro sind für die Holzerather "eine heftige Summe", gibt Ortschef Marth zu. "Gedanklich sollten wir sie aber auf der Pfanne haben." Da die Holzerather den Kredit für die Sanierung aufnehmen müssten, hat dabei auch die Kommunalaufsicht ein Wort mitzureden. "Wir brauchen deren Okay für einen Nachtragshaushalt", sagt Marth.
Zurzeit besuchen 56 Kinder die Kita, die laut Ortschef "inhaltlich auf einem guten Weg" ist. Nach der Sanierung wäre Holzerath auch mit dem Gebäude "gut aufgestellt" - falls langfristig im Kreis die Diskussion über mögliche Kitaschließungen wieder aufkomme. Dazu wünscht sich Marth schon jetzt ein Signal: "Schließlich investieren hier fünf Gemeinden, die alle finanziell nicht auf Rosen gebettet sind."
Die Nachbarorte sollen sich nun schriftlich zu den Sanierungsplänen äußern. Ihre Meinung will der Holzerather Rat berücksichtigen - auch wenn er gemäß einer Zweckvereinbarung allein entscheidet. In den ersten Reaktionen schwingt vor allem Sorge wegen der hohen Kosten mit (siehe Extra). Laut Marth werden die Holzerather im Mai in jedem Fall die Erneuerung der Wasserleitungen für 40 000 Euro beschließen: "Damit können wir nicht mehr warten." Den Sanierungsbeginn sieht der Ortschef "frühestens im Frühjahr 2014".Extra

Die geplante energetische Sanierung der Kita Holzerath für eine Million Euro verursacht bei den Nachbargemeinden einige Sorgenfalten. "Wir stehen natürlich hinter dem Kindergarten", sagt der Schöndorfer Ortschef Matthias Wick stellvertretend für seine Kollegen aus Bonerath, Ollmuth und Hinzenburg. "Aber über die Summe sind wir schon erschrocken." Die Gemeinden versuchten ständig, ihre Haushalte auszugleichen - etwa durch die kürzlich beschlossenen Steuererhöhungen: "Da haut so ein Beitrag natürlich richtig rein." Die vier Gemeinderäte werden im April über das Thema beraten, kündigt Wick an. Es seien noch viele Fragen offen: "Vielleicht sind ja doch nicht alle Arbeiten erforderlich, und es reichen eine neue Heizung und Wasserinstallation." Die Ortsgemeinde Holzerath sei nun am Zug, alle Kosten, Sparpotenziale und Brandschutzauflagen "auszuloten". cweb