Abschuss trotz Artenschutz

Ein zweiter Fall Bruno scheint sich in der Region Trier anzubahnen: Ebenso wie der im Mai 2006 im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet aufgetauchte Braunbär Bruno ist der in den Wäldern um Trier gesichtete Panther zum Abschuss freigegeben worden.

Trier. Lange hat niemand geglaubt, dass es ihn tatsächlich gibt. Ein Panther in Rheinland-Pfalz, der monatelang Joggingstrecken und Wanderwege kreuzt, ohne einem der Jogger und Wanderer auch nur ein Haar zu krümmen, ist tatsächlich eine sehr gewöhnungsbedürftige Vorstellung, zumal auch kein Zoo oder Gehege einen Panther vermisste.

Doch allmählich wurden die Hinweise konkreter, die Anzahl der Augenzeugen stieg an, eine Spur der Raubkatze wurde erkennbar. Sie führte von Frankreich, wo die große Katze offenbar privat gehalten wurde und entkommen konnte, über Belgien, Luxemburg und die Westeifel bis in den Landkreis Trier-Saarburg.

Die Behörden haben die Existenz des Panthers akzeptiert - und ihn zum Abschuss freigegeben. Zuständig ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz, eine Landesbehörde und oberste Autorität in den Bereichen Jagd und Naturschutz. Diese führte Rücksprache mit dem Zoo Neuwied. Das Ergebnis schildert Sprecherin Nicole Scherer: "In Wohngebieten muss die Polizei das Tier mit der Schusswaffe töten. Dabei sind Halbmantelgeschosse zu verwenden, da das Tier durch die üblichen Vollmantelgeschosse nicht sofort kampfunfähig gemacht wird und sehr aggressiv reagieren würde."

Halbmantelgeschosse haben eine höhere Geschwindigkeit und destruktive Wirkung. In freier Wildbahn, so Scherer, sollen Jäger keine Betäubungsgewehre einsetzen, sondern ebenfalls den "gezielten Abschuss" durchführen.

Ob das Tier tatsächlich eine Gefahr für den Menschen ist, bleibt weiterhin unklar. Bisher hat keine Behörde eine offizielle Warnung herausgegeben, den Wald nicht mehr zu betreten. Wer den Panther ins Visier nehmen soll, ist ebenso unklar. "Wir haben keinen Auftrag der SGD Nord, die Jäger entsprechend zu informieren", sagt Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Klar ist nur, dass eine offizielle Freigabe zum Abschuss schwerer wiegt als der bisher geltende strenge Artenschutz. Förster Michael Gillert, in dessen Revier innerhalb der Verbandsgemeinde Ruwer die Katze zuletzt gesehen worden war, hält es für möglich, das Tier mit Futter anzulocken und zu betäuben. "Er frisst Mäuse, andere kleine Tiere und vielleicht auch mal ein Rehkitz."

Extra

Filmtiertrainer Hermann Lock aus Frankfurt/Main hat kein Verständnis für die Abschussfreigabe. "Wir könnten innerhalb von zwei Stunden in Trier sein und das Tier fangen", sagt er dem TV. Lock schildert den Ablauf: "Wir können Suchhunde einsetzen, die den Panther stellen, ohne ihn zu verletzen." Dann folge der Betäubungsschuss. "Es dauert sieben bis zehn Minuten, bis er sich nicht mehr regt." Der Tierprofi betont, er habe kein Verständnis für einen Abschuss. "Dafür sind diese Tiere viel zu selten. Wir wären bereit, einen entsprechenden Auftrag zu übernehmen." (jp)