Abstimmung mit den Füßen

TRIER. Gefährlicher Heimweg: Alle paar Minuten überquert ein Bewohner von Trier-Ost den Alleenring in Höhe des Landesmuseums. Nach einem tödlichen Unfall im Januar forderte der Ortsbeirat Trier-Mitte eine Fußgängerampel. Gebaut werden sollen nun Querungshilfen auf dem Mittelstreifen.

Die Menschen aus Trier-Ost haben abgestimmt - mit den Füßen: Unübersehbar ist die ausgetretene Spur im Grasstreifen am Straßenrand. Dort überqueren jeden Tag hunderte Fußgänger die stark befahrene, vierspurige Straße Ostallee/Weimarer Allee. Ein nicht ungefährliches Unterfangen: Im Januar starb ein älterer Mann bei dem Versuch, vom Palastgarten zu seiner Wohnung in Trier-Ost zu gelangen. Der Priester im Ruhestand war aus dem schlecht einsehbaren Ausgang des Parks gekommen und wurde auf der Straße von einem Auto erfasst.Wunschlösung Ampel

Nach dem tragischen Unfall griff der Ortsbeirat Trier-Mitte eine alte Forderung neu auf: "Der Fußgängerverkehr sollte in geordnete Bahnen gelenkt werden", erklärt Ortsvorsteherin Ricarda Kuhner. "Wir haben zunächst nur eine Querungshilfe erbeten. Das ist bei einer vierspurigen Straße aber immer noch sehr gefährlich." Die Wunschlösung des Ortsbeirats war eine zusätzliche Fußgängerampel an der Einmündung der Schützenstraße.Zwar ist die nächste Ampel gerade einmal 180 Meter entfernt, die meisten Fußgänger sind aber nicht bereit, einen Umweg von 360 Metern in Kauf zu nehmen. Sie manövrieren sich lieber durch den fließenden Verkehr. Auch den ein Stück weiter in Richtung Verteilerkreis gelegenen Fußgängertunnel meiden viele Bürger, besonders bei Dunkelheit. "Eine Ampel ist zurzeit nicht in Sicht, weil das Geld fehlt", sagt Kuhner.Doch die Finanzen waren für die Verwaltung gar nicht der ausschlaggebende Grund. "Wir haben die Sache im Ausschuss besprochen", berichtet Baudezernent Peter Dietze. Sein Argument gegen eine zusätzliche Ampel: die Nähe zur Ampelanlage an der Kreuzung. "Wir würden an der Stelle keine vernünftige Grünphase hinbekommen", erklärt er. "Dann haben wir die ungeduldigen Rotläufer." Den Weg über die Straße erleichtern will die Stadt den Fußgängern deshalb mit leichten baulichen Veränderungen. Dietze: "Es gibt genügend Lücken im Verkehr. Der Mittelstreifen wird so befestigt werden, dass man dort vernünftig warten kann."Ein Dorn im Auge ist vielen Bürgern die Fußgängerampel an der Gartenfeldstraße. Wer hier die Straße überqueren will, muss zweimal warten: einmal am Rand und dann noch auf dem Mittelstreifen. Dies dauert vielen Menschen zu lange, sie gehen trotz Rotlicht über die Straße. "Das muss fußgängerfreundlicher gestaltet werden", fordert Kuhner. Sie will eine Ampelschaltung erreichen, die es ermöglicht, binnen einer Grünphase die Straße zu überqueren."Eine durchgehende Grünphase würde zu Problemen auf der Kreuzung führen", hält Dietze entgegen. "Die Ampelanlage ist insgesamt optimiert. Wir haben dort einen sehr belasteten Knoten, wir müssen sehen, dass wir einen vernünftigen Verkehrsfluss hinbekommen. Trotzdem schauen wir uns die Ampelschaltung noch einmal an."Erst im vergangenen Jahr wurde die Kreuzung, an der die Gartenfeldstraße und die Mustorstraße vom Alleenring abzweigen, umgebaut. Damit ist Ortsvorsteherin Ricarda Kuhner zufrieden: "Wir haben erreicht, dass die Fußgänger geschützter stehen." Unzufrieden hingegen ist Werner Schäfer, der an der Ecke Ostallee/Mustorstraße seine Kunstschmiede betreibt. Genau vor der Toreinfahrt legten die Planer eine Verkehrsinsel an. "Ich komme vom Osten, Süden und Westen nicht mehr auf mein Gelände, nur noch aus Richtung Balduinsbrunnen", klagt er.Morgen lesen Sie: Der Hauptbahnhof - innen und außen keine gute Visitenkarte.