Achtung Baustelle: Zwei Tage, acht Verletzte

Achtung Baustelle: Zwei Tage, acht Verletzte

Seit April wird an der A 1 bei Salmtal gebaut. Drei schwere Unfälle mit LKW-Beteiligung gab es bisher, einen am Wochenende, dazu drei weitere Auffahrunfälle. Aus Sicht von Polizei und Landesbetrieb Mobilität kann an der Autobahnbaustelle kaum mehr für die Sicherheit getan werden. Noch mehr Blinklichter sind geplant.

Salmtal. Vier Verletzte am Sonntag, vier Verletzte am Freitag bei insgesamt vier Auffahrunfällen, davon einer mit einem LKW. Vorläufiger Sachschaden: mehr als 100 000 Euro. Nach dem Crash-Wochenende heißt die Frage: Was macht die Baustelle an der A 1 bei Salmtal zur Unfall-Falle? Offizielle Antwort: die Fahrer.
Ein Rückblick: Der aktuelle LKW-Unfall ist der dritte dieser Art: Bereits in Mai und Juni waren LKW dort ins Stauende gerast.
Als Reaktion darauf wurde zwar die Einfädelspur von 80 auf 100 Meter verlängert, aber schon damals betonten Autobahnmeisterei und Landesbetrieb Mobilität (LBM), alles sei vorschriftsmäßig, Hauptverursacher der Staus und Unfälle seien die Auto- und LKW-Fahrer selbst.
Gaffer bremsen Verkehr aus


Geholfen hat die erste Nachbesserung im Juni trotzdem: "Die Verlängerung der Einfädelspur hat aus unserer Sicht zunächst zu einer deutlichen Verbesserung geführt. Es kam kaum noch zum Stau, und bis zum Wochenende gab es auch Gott sei Dank keinen gravierenden Unfall mehr", sagt Sabine Cibura, Pressesprecherin des LBM. Und was hat Winfried Valerius, Leiter der Autobahnmeisterei Wittlich, nach dem Unfall-Wochenende gedacht?: "Was soll ich da denken?, Schon wieder! Warum?\' Da wurde wohl wieder nicht aufgepasst. Wir tun ja alles Mögliche, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Wer dazu noch einen guten Vorschlag machen kann, soll sich melden."
Sabine Cibura nennt einen: "Zusätzlich zu den Blinklichtern drei Kilometer vor der Baustelle werden wir in den nächsten Tagen noch zwei weitere Blinklichter als Stauwarnung in 1,5 Kilometer Entfernung aufstellen."
Ob das viel hilft, weiß keiner. Eigentlich stimmt ja schon jetzt alles: "Die Baustelle ist ordnungsgemäß beschildert und eingerichtet, wie alle anderen Baustellen in Deutschland auch. Daran hängt es nicht", sagt Hans-Walter Conrady, Hauptkommissar bei der Autobahnpolizei Schweich: "Grund für die Unfälle sind menschliches Versagen und Unachtsamkeit. Was will man dagegen machen?"
Conrady berichtet von Gaffern, die statt der möglichen 80 Stundenkilometer nur 20 führen, um die Arbeiten zu beobachten: "Die bremsen den Verkehr dahinter aus und produzieren künstliche Staus. Außerdem kann man nur daran appellieren, dass die Autofahrer das Reißverschlussverfahren (siehe Extra) nutzen sollten. Es gibt zum Beispiel immer wieder Fahrer, die lassen keinen vor sich rein." So gesehen kann es jederzeit wieder krachen - Unachtsamkeit der Fahrer können Behörden nicht ausschalten.
Bis Anfang Oktober soll die Baustelle noch bestehen. Sie dient der Errichtung einer neuen Lärmschutzwand für Esch. Mehr als zwei Millionen Euro soll sie kosten. Der alte Schallschutz war in den 70er Jahren für 14 000 Fahrzeuge gebaut worden, mittlerweile fahren 33 000 Fahrzeuge pro Tag hier vorbei.
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Meinung

Sicherheit gibt es nicht
Deutschlands Straßen sind nicht sicher. Wer gesund ins Auto steigt, kann nie wissen, in welchem Zustand er es wieder verlässt. Das vergisst man naturgemäß. Sonst würde man verrückt vor Angst, weil man letztlich hilflos ist. Denn wie kann man sich davor schützen, dass einen ein LKW überrollt? Gar nicht. Allerdings hilft, wenn man auf der Straße signalisiert bekommt: Achtung - Gleich kann\'s gefährlich werden! Das wird bei Baustellen sowieso gemacht, und bei Salmtal wird nochmals über das Normalmaß nachgerüstet. Entrüsten kann man sich über die, die daran beteiligt sind, dass es an der Baustelle häufig kracht: Wer zu schnell auf Staus auffährt, Gaffer, die im Wagen an der Baustelle vorbeischleichen, Fahrer, die sich nicht im Griff haben, ihre Macht am Steuer demonstrieren wollen, indem sie ein Einfädeln unmöglich machen, und die Übervorsichtigen, die auf Raser schimpfen, aber vergessen, dass auch Schneckentempo gefährlich ist: gefährlich für andere, die hinter ihnen ins Stocken und in den Stau kommen, in den andere reinrasen. Gegen all das kann man sich absichern: Die Autobahn für jede Baustelle sperren. s.suennen@volksfreund.de Reißverschlussverfahren oder -system nennt sich das Einordnen im Kolonnenverkehr. Wenn aus zwei Fahrspuren - etwa wegen einer Baustelle - eine wird, sollen sich die Fahrzeuge an der Engstelle ähnlich einem Reißverschluss abwechselnd einordnen, um den Verkehr auf beiden Spuren flüssig zu halten. Versuchen Fahrer, sich bereits vor der eigentlichen Verengung einzuordnen, führt das zu überflüssigen Staus, weil der Verkehr schon vor der Engstelle verlangsamt wird. Der Stau wiederum wird vom nachfolgenden Verkehr womöglich zu spät erkannt, was Auffahrunfälle zur Folge hat - wie an der Baustelle bei Salmtal. Dort sorgen zudem diejenigen, die weitaus langsamer als die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde fahren, dafür, dass der nachfolgende Verkehr stockt oder sich staut. sos Quelle: Wikipedia