Ackermatsch statt Freizeitspaß

Ackermatsch statt Freizeitspaß

Ein großer Teil der Liegewiese im Palastgarten wird bis Ende August gesperrt. Der Pilgeransturm während der Heilig-Rock-Wallfahrt hat die Grasnarbe zerstört, die nun neu aufgebaut werden muss. Rollrasen würde die Sperrzeit verkürzen - der Aufwand dafür sei allerdings zu hoch, erklärt die Stadt.

Trier. Eine Prognose, in welchem Zustand die Wiese im Palastgarten nach der Heilig-Rock-Wallfahrt sein werde, wollte Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani Mitte April nicht abgeben. "Wir hoffen, dass wir nur nachsäen und ausbessern müssen", hatte sie zu Beginn der Wallfahrt erklärt (der TV berichtete).
Die Einschätzung des Bistums war da realistischer: Schon im März hatte die Kirche eine Firma damit beauftragt, die Rasenfläche nach dem Kirchengroßereignis komplett zu erneuern. Schließlich wurden große Teile der Wiese unter Schottersteinen vergraben, damit die Pilger das Programm auf den beiden Freiluftbühnen auch bei Regen trockenen Fußes verfolgen konnten. Der übrigen Rasenfläche machten Dauerregen und Abertausende Pilgerfüße den Garaus.
Nun müssen rund 2300 Quadratmeter der 3500 Quadratmeter großen Liegewiese umgepflügt werden. Damit der anschließend neu ausgesäte Rasen wachsen kann, wird die Fläche für drei Monate gesperrt.
Für Hunderte Trierer bedeutet das einen herben Verlust. Denn die Liegewiese ist im Sommer beliebter Treffpunkt für Jugendliche, junge Erwachsene, Studenten und Familien, die dort Ball oder Gitarre spielen, in der Sonne liegen, grillen und lesen. In diesem Sommer ist der Platz dafür auf zwei schmale Streifen an den beiden Kopfenden der Liegewiese zusammengeschrumpft. Das große Mittelstück riegelt ein Bauzaun ab.
Bauzaun statt Ballspiele


Erst Ende August soll die Rasenfläche wieder freigegeben werden. Pünktlich für das Antikenspektakel Brot und Spiele, bei dem auf der dann frisch nachgewachsenen Wiese ein römisches Lager aufgebaut wird.
Mit Rollrasen - bei dem Bahnen mit bereits vorgewachsenem Rasen ausgelegt werden, die dann nur noch anwachsen müssen - hätte die Fläche nach Expertenmeinungen schon nach drei bis vier Wochen wieder genutzt werden können. Das hat die Stadt allerdings nicht vom Bistum verlangt. "Der Aufwand für die Verlegung von Rollrasen ist unverhältnismäßig hoch und für diese Fläche unangemessen", argumentiert die Stadtverwaltung auf TV-Anfrage. Nach TV-Informationen hätte Rollrasen pro Quadratmeter rund sechs Euro mehr gekostet als die herkömmliche Aussaat. Bei 2300 Quadratmetern wären das 13 800 Euro zusätzlich zu dem niedrigen fünfstelligen Betrag gewesen, den die konventionelle Wiederherstellung der Rasenfläche kostet.Meinung

Gerechtigkeit geht anders
Mehr als drei Millionen Euro hat das Bistum ausgegeben, um den Pilgern eine möglichst schöne Wallfahrt zu bereiten. Aber die 13 800 Euro, die es kosten würde, die Liegewiese im Palastgarten mit Rollrasen möglichst schnell wieder nutzbar zu machen, sind offenbar nicht drin. "Bezahlen" müssen stattdessen - mal wieder - diejenigen, die in der gesellschaftlichen Hierarchie eine weniger starke Lobby haben als in diesem Fall das pilgernde Bürgertum. Nämlich die Jugendlichen, Studenten und jungen Familien, die zu Hause keinen Garten haben, in dem sie grillen, Federball spielen, sich sonnen und, ja, auch Bier trinken können. Drei Monate lang - und damit den kompletten Sommer - müssen sie auf einen der beliebtesten und dazu kostenlosen Erholungsorte Triers verzichten. Untergehen wird die Freizeitkultur der Stadt davon nicht. Aber es ist bezeichnend, wessen Interessen mal wieder Vorrang haben bei den offiziellen Stellen - und welche Bedürfnisse mit dem Hinweis "zu teuer" einfach vom Tisch gewischt werden. c.wolff@volksfreund.deExtra

Wer auf den verbleibenden schmalen Streifen an den Kopfenden der Palastgartenwiese ein Plätzchen findet, darf dort - trotz aller Diskussionen der vergangenen Monate - weiterhin grillen. Dabei muss allerdings zehn Meter Abstand zu den Bäumen eingehalten werden. Außerdem weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass der Rasen nicht durch ungeeignetes Grillgerät beschädigt werden darf. woc

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