Advent Klüsserath Aufführung

Brauchtum : Der heimliche Star ist die alte Scheune

Erstmals widmen sich die Aktiven des Klüsserather Passionsspiels mit ihrem neuen Adventsspiel der Zeit des Wartens auf die Heilige Nacht. Uraufführung ist an diesem Sonntag.

Eng ist es in der Haupstraße in Klüsserath, die sich durch den Moselort zieht und dem Sprichwort „so lang wie Klüsserath“ alle Ehre macht. Bei Tage würde die alte Scheune gegenüber der Hausnummer 35 mit ihrem großen, vom Zahn der Zeit gezeichneten Holztor kaum auffallen. Doch in der abendlichen Dunkelheit ziehen die beiden glaslosen Fenster im Obergeschoss die Blicke aller Passanten auf sich. Gleich beginnt eine der letzten Proben für das Klüsserather Adventsspiel; das aus den Fenstern leuchtende violette Licht und die Kerzen auf den Simsen verleiht der Szenerie etwas Mysthisches. Kein Zweifel: Die alte Scheune ist der heimliche Star, die Trumpfkarte des besinnlich-vorweihnachtlichen Spiels.

Der aus Klüsserath stammende Trierer Autor und Kunsthistoriker Michael Friedrich ist mit der markanten alten Scheune direkt gegenüber seines Elternhauses aufgewachsen. „Ich hatte schon ewig den Gedanken: Irgendwas muss man mit dieser Kulisse machen“, erzählt der Verfasser des Textes für das erste Passionsspiel im Jahr 2000. Zuletzt fand dieses 2015 statt; immer fünf Jahre Pause liegen zwischen den aufwändigen Inszenierungen. „Die Schauspieler haben gesagt, dass ihnen die Zeit zwischen den Aufführungen zu lange ist“, berichtet Friedrich, wie eines zum anderen kam. Also schrieb er den Text für eine einstündige Aufführung, bei das verwinkelte alte Gemäuer, in dem sonst Flitzer und Equipment des örtlichen Seifenkistenclubs lagern, zugleich als Kulisse und Bühne dient. Im Spätherbst haben die Proben begonnen. Es ist ein langer biblischer Bogen, den die passionierten Darsteller vom Sündenfall und den Ankündigungen des Messias bis zum Glanz der Heiligen Nacht spannen. Die alttestamentliche Vorgeschichte wird von zwei Erzählerinnen vorgetragen. Die eigentliche, gespielte Handlung, musikalisch umrahmt von zwei Flötenspielerinnen und dem Martinus-Chor aus Ensch, setzt mit der Verkündigungsszene ein. Die Darstellerin der Maria tritt auf, setzt sich vor das rechte Fenster, zündet eine Kerze an und liest in einem Buch. Da erscheint ihr im anderen Fenster der Engel und spricht die berühmten Worte: „Fürchte dich nicht, Maria. Der Herr schickt mich zu dir.“ „Fürchte dich nicht“ – sinngemäß mussten die erfahreneren Darsteller auch auf Katrin Ehlen zureden, die vorher noch nie auf einer Bühne gestanden hat. „Ich kann das nicht“, dachte sie sich, als man sie fragte, ob sie die Muttergottes spielen würde. „Maria ist für mich eine Frau ist, die ganz, ganz hoch steht. Aber mit gutem Zureden von vielen Menschen habe ich mich dann getraut, und es ist jetzt eine sehr schöne Erfahrung.“ Viele der gut ein Dutzend Mitwirkenden kommen aus den Reihen der Passionsspiel-Darsteller. Frank Burbach hat bereits zwei Mal in Folge den Jesus gespielt, 2010 und 2015. Nun verkörpert er den Vater des Gottessohns – eine Aufgabe, die viel weniger Text bedeutet und damit auch deutlich weniger Lernaufwand erfordert. Er ist gespannt darauf, wie die Zuschauer das Adventsspiel aufnehmen. Und er hat das Jahr 2020 bereits im Blick: „Ich freue mich schon wieder auf die Passionsspiele, auf das Textlernen, das Spielen.“ Er ist sich sicher, dass dann auch Katrin Ehlen und andere Neudarsteller wieder mit dabei sein werden.

Das Adventsspiel wird am Sonntag, 10. Dezember, um 17.30 Uhr im Vorhof der alten Scheune in der Hauptstraße 35 uraufgeführt. Die öffentliche Aufführung ist ohne Eintritt.

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