Ärger um einen Nussbaum: Unbekannte fällen Gewächs ohne Wissen der Eigentümer

Ärger um einen Nussbaum: Unbekannte fällen Gewächs ohne Wissen der Eigentümer

In einem ehemaligen Weinberg in Mehring haben in den vergangenen Tagen Unbekannte einen gesunden, etwa 50 Jahre alten Nussbaum gefällt. Sehr zum Ärger der Grundstücksbesitzer, die von der Aktion nichts wussten.

Margret und Matthias Spieles aus Fell sind entsetzt: "Da hat einfach jemand bei Nacht und Nebel unseren Nussbaum abgesägt", sagt das Rentnerpaar. Während eines Ausflugs habe der achtjährige Enkel beim Vorbeifahren von weitem bemerkt, dass der Baum nicht mehr in der brachliegenden Weinbergsfläche bei Mehring stand. Die ungebetenen "Baumfäller" haben zum Fällen vermutlich eine Motorsäge benutzt.

"Ich hatte Tränen in den Augen, als ich das gesehen habe", sagt der 70-jährige Matthias Spieles. "Ich kann mich noch daran erinnern, als der Nussbaum so groß war", sagt Spieles und zeigt etwa eine Höhe von 1,50 Metern an.

Etwa seit 50 Jahren sei der Baum in dem Weinberg gewachsen. "Im Herbst haben wir die Nüsse geerntet, kleingehackt und an die Vögel verfüttert", erzählt der Rentner, der seit einem schweren Autounfall vor elf Jahren seine Weinberge nicht mehr bewirtschaften kann.

Er und seine Frau Margret glauben bei der Tat nicht an einen dummen Jungenstreich, sondern dass der Baum absichtlich gefällt wurde, weil er jemanden gestört habe. Einen konkreten Verdacht haben sie nicht.

"Man hätte mit uns reden können, aber so geht es nicht!" Margret Spieles hat jetzt Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizeiinspektion Schweich gestellt.

"Mit den Winzern, die ihre Weinberge nebenan haben, kommen wir sehr gut klar", betont Margret Spieles.

Dass ein Baum im Weinberg ein Ärgernis sein kann, versteht Walter Clüsserath, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands: "Vögel, die dort nisten, fressen die reifen Beeren, und durch den Samenflug können ungeliebte Pflanzen in anderen Weinbergen landen. Das wiederum kann zu finanziellen Einbußen führen." Aber selbstverständlich könne niemand, der sich von einem Baum gestört fühle, einfach zur Motorsäge greifen.

Extra Im rheinland-pfälzischen Nachbarrecht ist der Mindestabstand eines Nussbaums zur Grenze des benachbarten Weinbergs genau geregelt, erklärt Jan-Hendrik Müller, Mitarbeiter des Referats Raumordnung, Regionalentwicklung und Naturschutz bei der Landwirtschaftskammer in Trier. Ein Nussbaum müsse sechs Meter, von der Baummitte aus gemessen, entfernt von der Grenze des angrenzenden Grundstücks stehen. Aber: "Duldet der Nachbar innerhalb der ersten fünf Jahre, dass der Baum näher an seiner Grenze steht, gilt das als stillschweigende Annahme", erklärt Müller weiter. Das Gleiche gelte für andere landwirtschaftlich genutzte Flächen. Der gefällte Nussbaum von Mehring stand in der Mitte des Weinbergs.

Meinung : Keine Lösung für Konflikte
Das heimliche Fällen des Nussbaums in dem brachliegenden Weinberg, auch wenn er den einen oder andern gestört hat, war nicht der richtige Weg. Im Gegenteil. Selbst wenn der Baum für Unmut gesorgt haben sollte, darf er ohne Kenntnis und Einverständnis der Eigentümer nicht gefällt werden. Man hätte die Situation sicherlich auf eine friedlichere Art und Weise lösen können, indem sich beide Parteien an einen Tisch setzen und nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Jetzt wird der Unmut auf beiden Seiten nur noch größer, ein friedliches Miteinander zwischen Täter und Eigentümer scheint unwahrscheinlich. p.willems@volksfreund.de