Ärger um Verkehrsberuhigung, Geld für St. Jost
Trier-Biewer · Bis Ende des Jahres muss mit den geplanten Rückbaumaßnahmen der B 53 in Biewer begonnen werden, damit die vom Ortsbeirat angesparten 64 000 Euro nicht verfallen. Ein erforderlicher Bewilligungsbescheid vom Land fehlt.
Trier-Biewer. Die Ortsbeiräte in Biewer sind frustriert und fühlen sich mit ihren Entscheidungen nicht ernst genommen. Jüngstes Beispiel: Die Namenswahl der Grundschule, bei der sich der Stadtrat über das Veto des Ortsbeirates hinwegsetzte. Folglich sei der Ortsbeirat lediglich eine "Lachnummer", zitierte ein Ortsbeirat die Reaktion eines Anwohners - die Mienen im Gremium waren analog zur Raumtemperatur im Feuerwehrgerätehaus eingefroren.
Ähnlich machtlos sieht der Ortsbeirat jetzt dem Schlusskapitel um den schon lange geforderten Rückbau der B 53 entgegen. Bis Ende des Jahres muss mit den Rückbauarbeiten der Biewerer Straße begonnen werden (der TV berichtete mehrfach). Geschieht dies nicht, ist das über Jahre angesparte Geld aus dem Ortsbudget weg, bangte der Ortsbeirat. Es fehle der Bewilligungsbescheid des Landesbetriebs Mobilität über den maßgeblichen Zuschuss, informierte Ortsvorsteher Gerd Kirsch.
"Die warten auf den Frost, damit sie nicht anfangen müssen!", mutmaßte hingegen ein Ortsbeirat. Einige Räte drohten damit, ihr Mandat abzulegen, "wenn der Rückbau nicht kommt". Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani sei in "engen, konstruktiven Gesprächen".
Konzerte in der Kapelle
Es sind nur noch letzte Details zu klären", heißt es auf TV-Anfrage im Rathaus. "Nach Bewilligung wird die Maßnahme ausgeschrieben und beauftragt. Der Baubeginn richtet sich dann nach den Witterungsbedingungen."
Dass nicht zumindest mit den bereitgestellten Ortsteilbudgetmitteln ein Baubeginn erfolgt, begründet Rathaussprecher Ralf Frühauf mit dem Haushaltsrecht. Es sieht vor, dass für die Gesamtmaßnahme ein Zuschussbescheid vorliegen muss. Der Ortsvorsteher teilte auf TV-Anfrage mit, dass ihm der Rückbau telefonisch vom Tiefbauamt zugesichert sei. "Es reicht aus, wenn ein Auftrag in diesem Jahr erteilt wird und damit die Mittel gebunden sind!" Sollte allerdings das Ortsteilbudget im nächsten Jahr gekürzt werden, reiche das Geld nicht mehr für die geplante Verengung am Zebrastreifen vom Ortseingang Biewer.
Einstimmigkeit herrschte beim Ortsbeirat, was die Restaurierung der St.-Jost-Kapelle angeht. Mit der Anlage rund um die Kapelle St. Jost hat Biewer eine ehemalige Leprastation aus dem Mittelalter nebst Siechenhaus. Für weitere Renovierungsarbeiten fördert der Biewerer Ortsbeirat die Interessengemeinschaft St. Jost mit 2000 Euro.
Wenn St. Jost endgültig saniert ist, sind Hochzeiten, Taufen oder Lesungen in der Kapelle geplant - und "angemessene" Konzerte. "Natürlich nicht Guildo Horn!", meinte Wolfgang Biedinger, Vorsitzender der Interessengemeinschaft St. Jost.
Die Kapelle St. Jost am Ortseingang von Biewer ist Eigentum der Vereinigten Hospitien. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Anlage am Ende des 13. Jahrhunderts. Damit die Seuche sich nicht ausbreitete, mussten Leprakranke ihr Leben in der Siechenhütte verbringen. Ihre Einnahmen bestanden größtenteils aus Almosen, die in Form von Lebensmitteln an einem Bildstock am Ortseingang von Biewer abgelegt oder als Geld in einer Opferbüchse abgegeben wurden.
Bis ins 19. Jahrhundert ist die Leprastation urkundlich belegt. Die Kapelle wurde bis 1960 genutzt, profaniert und verfiel danach. Im ehemaligen Siechenhaus sind Wohnungen untergebracht.
Zur Erhaltung und Restaurierung gründete sich 1988 die Interessengemeinschaft St. Jost. Wolfgang Biedinger erklärte in der letzten Ortsbeiratssitzung die Notwendigkeit eines erneuten Zuschusses aus dem Ortsteilbudget. Die Instandsetzungsarbeiten befänden sich in der Endphase. Derzeit würden die Seitenaltäre restauriert.
Im nächsten Jahr soll ein neuer Außenanstrich folgen, und neue Türen sollen eingesetzt werden. Für die 2000 Euro, die der Ortsbeirat aus seinem Budget für die weitere Instandsetzung vorgesehen hat, hat er die ursprünglich geplante Aufstellung einer Infotafel umgewidmet.