Ästhetik des Wandels

Im Rahmen des Tufa-Kultursommer-Festivals "Arbeitsplätze" und der ersten Literatur- und Büchertage in Trier hat die "édition treves" in der Tufa die Ausstellung "Arbeitswelten zwischen Stahl und Beton" eröffnet. Fotografien der Verlegerin Herta Häfele-Kellermann dokumentieren den Abriss der Paulinusdruckerei und den Bau der Trier-Galerie.

Trier. (ae) Der Wandel von Arbeitswelten ist Thema des Festivals "Arbeitsplätze" der Tufa Trier im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Einen für Trier besonders aktuellen Beitrag dazu liefert jetzt die Fotoausstellung "Arbeitswelten zwischen Stahl und Beton" von Herta Häfele-Kellermann. Über zwei Jahre hat sie in Momentaufnahmen mit der analogen Kamera die städtebauliche Veränderung zwischen Fleisch- und Zuckerbergstraße festgehalten: "Als Verlegerin hat mich zunächst der Abriss der Paulinusdruckerei beschäftigt, denn damit ging eine Ära zu Ende." Es verschwand, wie Eva-Maria Reuther in ihrer Einführung formulierte, "ein Zeugnis regionaler Kulturgeschichte", aber auch die Arbeitswelt der Zeitungs- und Buchherstellung sowie des Buchverkaufs. Neue Bau-Arbeitsplätze entstanden, die wiederum demnächst solchen des Einzelhandels und der Gastronomie weichen werden. Nicht nur dieser Wandel reizte die Fotografin an der Entstehung des "neuen Organismus" (Reuther) im Herzen der Stadt. "Von dieser Großbaustelle geht eine ästhetische Faszination aus", sagt Häfele-Kellermann. Ihr hat sie zuerst in der Ruhe von Sonntagen, später, mit zunehmendem Interesse an den arbeitenden Menschen, auch im Baustellen-Alltag nachgespürt. Dabei sind Bilder von großem grafischem Reiz entstanden, die funktionelle, auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Präzision ebenso zum Thema haben wie die Wahrnehmung der Baustelle als Vielfalt von Farben und Formen. Die realen Gegenstände "Gerüst" oder "Kran" werden zur linearen, eine Fläche aufteilenden Struktur, profane Rohr-Endstücke zu einem faszinierenden Mosaik. Häfele-Kellermann liefert eine ganz neue, durch ungewöhnliche Bildausschnitte und geschickte Lichtnutzung teils poetische Sicht auf das Phänomen "Baustelle". Ihre Bilder verdichten aber auch Gefühle, mit der das Projekt und der damit verbundene Wandel betrachtet werden können, so zum Beispiel im Motiv der Paulinus-Trümmer, auf denen vor grauem Himmel ein Bagger thront, oder die sich in den entstehenden Konstruktionen spiegelnden Werbebotschaften "Faszination für Trier, neu, anregend, vielseitig".Die Ausstellung ist bis zum 15. Juni Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 15 Uhr im Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss der Tuchfabrik zu sehen.