Ästhetisch statt plakativ

Die neue Auflage des Unikörper Aktkalenders ist da. Am Donnerstag ist er im Kasino am Kornmarkt vorgestellt worden. Neun Fotografen haben in diesem Jahr 26 Modelle für 24 Bilder fotografiert. Der Erlös geht dieses Mal komplett an die Deutsche Aidsstiftung.

Trier. "Heute Mittag war ich sehr nervös," gibt Verena Gerwin zu. Man würde schon darüber nachdenken, ob negative Kommentare von den anderen kommen, und es sei komisch, sich selbst irgendwo an der Wand hängen zu sehen, sagt die 27-jährige Wirtschaftsrechtsstudentin. Aber jetzt, wo sie die ersten Reaktionen der Besucher gehört habe, sei die Nervosität fast weg.
Verena Gerwin - oder vielmehr ein Foto von ihr - hängt neben 23 weiteren von anderen Studenten bei der Vernissage des Unikörper Aktkalenders 2016 im Kasino am Kornmarkt. Die Fotos zeigen nackte Tatsachen, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es ziehen sich 13 männliche und 13 weibliche Modells für den Benefizkalender aus; der Erlös des Kalenders geht auch in diesem Jahr an einen guten Zweck.
24 Bilder, 26 Modelle


"Und zwar nur an diese", sagt Ulysses Wagner. Der 31-jährige Student der Philosophie und Psychologie schreibt gerade an seiner Abschlussarbeit, doch heute Abend ist er Produzent des Unikörper Aktkalenders. Seit der ersten Stunde betreut und begleitet er das Projekt und weiß einiges über Neuerungen in diesem Jahr zu berichten: "Wir haben uns für den neuen Kalender dazu entschieden, den kompletten Gewinn ausschließlich an die Deutsche Aidsstiftung zu spenden." In den Jahren zuvor war der Gewinn an mehrere wohltätige Verbände und Stiftungen gegangen, aber "dieses Gießkannenprinzip verfolgen wir nicht mehr". Die einzelnen Tropfen aus der Gießkanne wären für alle nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, deswegen wollen sie die Summe nun gebündelt spenden und damit mehr erreichen.
Der Kalender steht in diesem Jahr ohnehin ganz im Sinne der Ausweitung: Neun Fotografen haben 24 Kalenderbilder mit 26 Modellen geschossen. Nicht nur für die Fotografen und Modelle eine Menge Organisationsarbeit, sondern auch für Wagner, der dieses Jahr alleine für den Kalender verantwortlich ist. Fotograf und Mitorganisator Marco Piecuch ist nicht mehr dabei. Anfang September musste Wagner dann einen Aufruf wegen einer zweiten Fotografin machen, die aufgrund des Studiums abspringen musste. Gesucht wurde ein neuer Fotograf, auf Facebook meldeten sich gleich mehrere. "Doch man darf nicht vergessen, dass der Kalender Ende September komplett fertig sein musste. Vier Wochen klingt zwar nach viel Zeit, aber nicht, wenn man Fotos machen möchte", erklärt Wagner.
So viele Fotografen seien aber mehr als eine Lösung für ein Problem gewesen, sie waren zudem ein Feldversuch: "Ein Plan wäre, den Kalender auf mehrere Städte auszuweiten, wenn er ein Erfolg wird." Saarbrücken und Luxemburg seien angedacht.
Fotograf Edouard Olszewski (33) ist das erste Mal dabei. Wegen der Bilder einer Freundin war er letztes Jahr auf der Vernissage und gleich begeistert. Wie der Zufall es wollte, wurde er eine Woche später von Wagner angefragt, ob er nicht auch mitmachen wolle. Für seine Fotos hat er eine ungewöhnliche Location gewählt: das Trierer Stadtbad. Er habe eine Umgebung gesucht, in der Nacktheit "natürlicher" erscheine, nicht draußen in der Natur oder einer aufwendig aufgebauten Kulisse. "Ich will kein ,Kopfkino' anschmeißen oder die Models besonders sexy und erotisch positionieren. Die Bilder sollen nicht plakativ sein, sondern ästhetisch."
Ästhetisch findet auch Verena Gerwin ihr Foto mit der rosa gefärbten Milch, auch wenn man viel von ihrem Körper sieht. Angst vor späteren Konsequenzen hat sie keine. Ähnlich sieht es die angehende Sozialpädagogin Julia Winter (22). Sie finde nichts Verwerfliches an dem Bild, das sie in einer Badewanne zeigt: Man sieht ihr Gesicht halb untergetaucht, ihre Augen sind geschlossen, der Gesichtsausdruck friedlich. Um sie herum schwimmen Blüten, und ihre Brüste schauen aus dem Wasser heraus. Wenn ein potenzieller Arbeitgeber etwas Verwerfliches daran fände, dann wäre das für sie ein deutliches Zeichen: "Nämlich, dass ich dann nicht in diesem Betrieb arbeiten möchte."Extra

 Zwei Fotos gibt es pro Monat im Unikörper Aktkalender – eines mit einem weiblichen Model und eines mit einem männlichen. Fotos (2): Vic Vicious
Zwei Fotos gibt es pro Monat im Unikörper Aktkalender – eines mit einem weiblichen Model und eines mit einem männlichen. Fotos (2): Vic Vicious Foto: Vic Vicious (h_st )

Die Fotografen: Der Belichta, Edouardo Olszewski (ArtEo), Studio 54 (Vic Vicious und Matthias Schmitt), Rainer Breiling, Caroline Lauer, Dominik Fries, Habib Hakimi, Svetlana Makrenok Der Kalender: Den Kalender gibt es für 15 Euro im Internet unter www.unikö rper.de, in zahlreichen Buchläden in der Trierer Innenstadt (unter anderem Mayersche und Stephanus), beim Asta der Uni Trier und an der Hochschule Trier. sbra