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Aktion der jüdischen Gemeinde Trier auf dem Hauptmarkt: „Frag den Rabbi“

Aktion der jüdischen Gemeinschaft : „Frag den Rabbi“ auf dem Trierer Hauptmarkt – Mit Juden im Gespräch

Was macht ein Rabbi eigentlich überhaupt? Welche Ausbildung durchläuft er? Welche Rolle haben Frauen im Judentum? Wie sieht eine jüdische Hochzeit aus? - Diesen und weiteren Fragen standen die Rabbiner Rosenfeld aus Thionville und Pavlovsky von der jüdischen Gemeinde in Esslingen am Mittwoch auf dem Hauptmarkt in Trier Rede und Antwort. Unter zwei Pavillons trotzte die jüdische Gemeinschaft Trier gemeinsam mit den beiden Funktionsträgern dem Regenwetter.

Pünktlich um 13 Uhr bringt ein Reisebus gleich eine ganze Schulklasse des Stefan-Andres-Gymnasiums aus Schweich in die Trierer Innenstadt und mit ihnen eine ganze Welle neugieriger Erkundigungen. Bei der  Frage: "Welchen Vorurteilen sehen Sie sich am Häufigsten gegenüber", muss Rabbiner Pavlovsky kurz überlegen. Natürlich ernte auch er mal komische Blicke wenn er mit seiner jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa, auf die Straße träte. Oder wenn er im Hotel erklären müsse, dass es ihm verwehrt sei, am Sabbat die elektronische Schlüsselkarte zu benutzen. „Trotzdem würde ich sagen, dass die positiven Eindrücke im Umgang mit meinen nicht-jüdischen Mitmenschen überwiegen und ich das Glück habe, stets auf viel Verständnis zu stoßen“, sagt Pavlovsky.

Dass es ihm damit besser ergeht, als manchen seiner Gemeindemitglieder ist dem Würdenträger schmerzlich bewusst. Unter anderem deswegen hat er die sechsstündige Anreise aus Baden-Württemberg in die Domstadt auf sich genommen. „Es ist wichtig, dass wir den Dialog miteinander suchen und aktiv Aufklärungsarbeit betreiben“, findet Pavlovsky. Eine Auffassung die er mit dem Projektleiter Ralf Kotschka teilt. „Ich bin selber Nicht-Jude, habe mich beruflich aber viel mit der Religion auseinandergesetzt und Videos von Zeitzeugen und Holocaust-Überlebenden gefertigt“, erzählt Kotschka. Irgendwann sei ihm dann nach Jahren aufgefallen, dass er selbst gar keine Juden privat kenne. „Daraufhin bin ich zur Synagoge gegangen, habe einfach mal an die Tür geklopft und bin überaus gastfreundlich und herzlich willkommen geheißen worden“, erinnert sich Kotschka. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen ist Kotschka überzeugt, dass gerade die zwischenmenschlichen Begegnungen für den Abbau von Vorurteilen essentiell seien. Kotschka: „Wenn man sich einem echten Menschen gegenüber sieht, macht es die ganze Thematik echter und fassbarer.“

Die Aktion „Frag den Rabbi“ sei hinsichtlich dessen ein erster Schritt. Bereits am 10. Juni hatte sich Rabbiner Grodensky für eine Fragerunde zur Verfügung gestellt. „Bis auf zwei Ausnahmen konnten wir ausschließlich nicht-jüdische Fragesteller an den beiden Tagen begrüßen, darunter sogar Menschen aus Palästina“, berichtet Kotschka. Dem Projektleiter kam die Idee zu dem Format gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Trier anlässlich des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. „Wir wollten das Judentum sichtbarer machen“, erklärt Kotschka. Den Ort Hauptmarkt habe man diesbezüglich bewusst gewählt. In unmittelbarer Nähe befindet sich mit der Judengasse der Eingang zum mittelalterlichen Judenviertel. „Damals stellte der Mittelpunkt jüdischen Lebens gleichsam das Zentrum der Stadt dar“, so Kotschka. Widersetzlich hierzu würde das Judentum in der Öffentlichkeit häufig als Randgruppe der deutschen Gesellschaft verstanden.

Als weiteren Antrieb beschreibt Kotschka den Wunsch, Juden ein „normales“ Gemeindeleben zu ermöglichen: „Anders als bei anderen Religionsgemeinschaften werden jüdische Veranstaltungen stets von Polizeischutz begleitet. Auch heute sind sowohl Beamte in Uniform als auch in Zivil sichtbar und vor Ort.“ Ein Unterfangen, dass am Mittwoch auch vom Antisemitismusbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz Dieter Burgard unterstützt wurde. Mit einer Frage für den Rabbi im Gepäck war der Wittlicher am Mittwoch nach Trier gekommen. Er wertet die Unternehmung als vollen Erfolg und freute sich über das Interesse und die Neugier der Moselaner.

„Auch aufgrund der positiven Resonanz an den beiden Aktionstagen möchte die jüdische Gemeinschaft Trier das Format zukünftig weiterführen. Eine konkrete Planung dahingehend gäbe es aber noch nicht. Für ein nächstes Mal wünschen wir uns dann eine Rabbinerin als Diskussionspartnerin“, erzählt der Projektleiter. In der Zwischenzeit werden all diejenigen, die die Veranstaltung verpasst haben, ab Ende August die Möglichkeit bekommen, den Fragen und Antworten der diesjährigen Dialogrunde zu lauschen. Mit Zustimmung der Teilnehmer wurden die geführten Gespräche aufgezeichnet. Alsbald sollen sie als Zusammenschnitt auf Youtube unter „Frag den Rabbi“ zu finden sein.