Aktionstag Equal Pay Day: Trierer Bündnis wirbt für mehr Lohngerechtigkeit

Wirtschaft : Equal Pay Day in Trier: Bündnis wirbt für mehr Lohngerechtigkeit

Auf dem Trierer Kornmarkt haben Passanten am Samstag erfahren, worum es beim Equal Pay Day geht.

21 Prozent – So viel verdienen Frauen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt weniger als Männer. Auf diese Lohnlücke zwischen den Geschlechtern hinzuweisen und dagegen anzugehen, dazu dient seit einigen Jahren der Aktionstag Equal Pay Day. Am Samstag hat auf dem Trierer Kornmarkt ein Bündnis aus Vertretern von Parteien, Gewerkschaften, kirchlichen Organisationen und der Agentur für Arbeit unter dem Motto „Wertsache Arbeit“ über Hintergründe und Fakten zu dem Thema informiert.

Der Equal Pay Day war zwar bereits am 18. März, die Organisatoren wollten jedoch durch den Termin am Samstag mehr Menschen erreichen und ihnen die Möglichkeit zum Austausch bieten. Auch deshalb wurde die Aktion erstmals von der Neustaße an den Kornmarkt verlegt. Und es funktionierte offensichtlich. An den roten Info-Ständen des Aktionsbündnisses herrschte reger Betrieb. Es wurde gefragt, debattiert, informiert und aufgeklärt mit dem Ziel, „die Menschen wachzurütteln“, wie es Angelika Winter, Frauenbeauftragte der Stadt Trier formulierte. „Wir brauchen möglichst viele engagierte Menschen, um den Druck zu erhöhen und so etwas erreichen zu können“, stellte Winter fest.

Das Datum des Aktionstags markiert symbolisch den Zeitraum seit Jahresbeginn, in dem Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen sozusagen unbezahlt gearbeitet haben. In diesem Jahr sind dies 77 Tage. Damit liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt (Lohnlücke 16 Prozent). Seit 2008 hat sich die Lücke hierzulande nur um zwei Prozentpunkte verkleinert. In Trier liegt sie aktuell bei 13 Prozent.

Der Grund für das Ungleichgewicht ist laut Winter häufig, dass  Frauen in Berufen arbeiten, die besonders schlecht bezahlt werden. So liege das Lohnniveau in den Berufsfeldern Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und haushaltsbezogene Dienstleistungen deutlich unter denen von Berufen in naturwissenschaftlichen oder technischen Bereichen. Nach Einschätzung der Frauenbeauftragten braucht es auch einen neuen Blick auf die Bewertung von Arbeit. Das Aktionsbündnis sehe sich an dieser Stelle als Botschafter für eine Anpassung des Lohnniveaus und eine generelle Aufwertung der von Frauen dominierten Berufe. Allerdings gebe es noch viel zu tun. „Selbst eine bereinigte Lohnlücke von sechs Prozent, die der Differenzierung von Angestelltenverhältnissen nach verschiedenen Sektoren Rechnung trägt, ist eine Katastrophe“, sagt Angelika Winter.
Aber nicht nur Frauen machten sich an diesem Nachmittag in Trier für die Aufwertung ihrer Arbeit stark. So sah beispielsweise auch James Marsh, der Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds Trier, großen Handlungsbedarf in Sachen Gleichstellung.

Angelika Winter formulierte noch einen weiteren Wunsch: Irgendwann sei es an der Zeit, auch den Mann in einem Vorstellungsgespräch nach seinen Ideen zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fragen, findet sie. „Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“

Das Aktionsbündnis zum Equal Pay Day umfasst zahlreiche Partner: Die Trierer Stadtratsfraktionen von CDU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und UBT, die Frauenunion, die Jusos, Ver.di, den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, den Katholischen Deutschen Frauenbund, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, die Agentur für Arbeit und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen. Um mehr Lohngerechtigkeit in der Region Trier zu erreichen, will das Bündnis auch künftig weitere Aktionen starten.

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