Aktiver Unruheständler

IRSCH. Aus der "schöpferischen Pause" ist noch nichts geworden: Erwin Berg, der 2004 nach 30 Jahren als Ortsvorsteher "in den Ruhestand" ging, ist weiterhin für seinen Stadtteil aktiv.

Irsch steckt mitten in den Vorbereitungen für die 1030-Jahr-Feier am 18. und 19. Juni. Die Organisations-Drähte laufen bei Erwin Berg zusammen. In seinem Arbeitszimmer brütet er über handschriftlichen Chroniken, entziffert alte Protokolle von Ratssitzungen und studiert alte Fotos. "Daraus soll eine Bilderwand entstehen", erzählt Erwin Berg, der als Vorsitzende des Kulturvereins das Fest organisiert. 30 lange Jahre lang war Berg Ortsvorsteher. Doch damit hat sich das Engagement für seinen Stadtteil nicht erledigt. Zwar ist er froh, wieder mehr Zeit zu finden, um fremde Länder und vergangene Zeiten zwischen zwei Buchdeckeln zu entdecken. Als "nicht mehr so hektisch wie früher, dafür gemütlicher" beschreibt Berg sein Leben ohne Ortsvorsteher-Posten. Aber mit der Hektik ist es nicht ganz vorbei: Gerade hat er sich überreden lassen, im Seniorenrat der Stadt mitzumachen und als Seniorenbeauftragter für Irsch tätig zu werden. "Dabei wollte ich doch jetzt eine schöpferische Pause machen", sagt Erwin Berg und lässt beim Lachen das graue Bärtchen wackeln. Dies scheint schwierig zu werden, denn dem Irscher, der "in jedem Ortsverein, außer im Karnevalsverein" Mitglied ist, wird eine Menge Vertrauen in seinen Einsatz für die Menschen und ihre Angelegenheiten entgegengebracht. So sehr er in der Spurensuche in seinem "Heimatdorf" Irsch aufgeht - den Mann, der als Postbeamter hinter dem Schalter in der Trierer Fleischstraße stand, hat schon oft das Reisefieber gepackt: Israel, Sizilien, Kreta, "Italien von oben bis unten", Prag, Moskau, Oslo, Marokko - die Liste seiner Reiseziele ist lang. Besonders Israel konnte den Katholiken auf seinen vier Reisen begeistern. Im kleinen Dörfchen Irsch wurde Erwin Berg 1937 geboren und fand später seine Aufgabe in der Arbeitnehmerbewegung. Aus dem Engagement als Jugendleiter in der Post-Gewerkschaft wurde eine 25-jährige Tätigkeit im Personalrat. Bewegen wollte er auch etwas in seinem Stadtteil. Von 1974 bis 2004 schenkten die Irscher dem Ortsvorsteher Berg ihr politisches Vertrauen. Als er mit 60 Jahren in den Vorruhestand ging, übernahm er die Seniorenarbeit bei der Post und organisierte Studienreisen für die ehemaligen Postler. Vor kurzem hat Berg ein neues Steckenpferd entdeckt: Weihnachtskrippen bauen. Aus Wurzeln und Rinden, die er bei seinen Spaziergängen sammelt, und mit alten Scheunen als Vorbild sind schon einige Krippen entstanden. Inzwischen haben sich auch andere Irscher dafür begeistert und stellen jedes Jahr im Advent ihre selbst gebauten Krippen aus. Um die Spuren, die die Irscher hinterlassen, für die Nachwelt zu sichern, hat der Ex-Postler schon ein neues Projekt in der Schublade, Er will einen Videofilm über Irsch zusammenzustellen. Auch wenn die Suche nach alten Super-8-Filmen noch etwas schleppend verläuft - das Drehbuch hat Erwin Berg bereits geschrieben.

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