Alarmstimmung schon vor dem Einzelhandelskonzept
Trier · Große Sorgen in Trier-Ost wegen des Einzelhandelskonzepts 2025+. Denn darin ist von einem Nahversorgungszentrum auf dem Areal des Güterbahnhofs die Rede. Nahkauf-Besitzer Gerhard Surges und Ortsvorsteher Dominik Heinrich sprechen sich dagegen aus. Der Kürenzer Ortsvorsteher Bernd Michels hält sich bei dem Thema bedeckt.
Trier. Ein Nahversorgungszentrum für Alt-Kürenz ist schon lange im Gespräch. So attestierte 2011 ein im Auftrag der Stadt erstelltes Gutachten dem Stadtteil ein "suboptimales Angebot" an Lebensmitteln und Reformwaren. Allerdings mangelte es an einer verfügbaren Fläche, auf der neue Geschäfte entstehen könnten. Nun kommt offenbar Bewegung ins Spiel. Die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts nennt den nördlichen Teil des alten Güterbahnhofs oder das Areal des Walzwerks als Optionen. Dort könnten sich - wie etwa in Heiligkreuz, Tarforst oder Trier-West - Lebensmitteldiscounter und ein Drogeriemarkt ansiedeln.
Im benachbarten Gartenfeld herrscht bereits Alarmstimmung: Gerhard Surges, Betreiber des Nahkaufs in der Gartenfeldstraße, hat aus Furcht vor der drohenden Konkurrenz eine Unterschriftenaktion initiiert. In mehreren Geschäften und Gaststätten liegen Listen aus. "Alleine bei uns im Laden haben bereits 700 Leute unterschrieben", sagt der 55-Jährige.
Dominik Heinrich (Grüne), Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld und Stadtratsmitglied, äußert ebenfalls Kritik: "Meiner Meinung nach ist das Konzept mehr auf große Firmen als auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt." Für ihn ist schon der Begriff "Nahversorgungszentrum" falsch. Meist seien diese Zentren nicht nah an den Bürgern. Im Gegenteil: Oft müsse man mit dem Auto fahren. Und: "Dort, wo solche Zentren bisher gebaut wurden, sind die kleinen Läden in der Nachbarschaft weggebrochen." Heinrich teilt Surges\' Befürchtung: "Die kleinen Läden können gegen ein solches Zentrum nicht standhalten."
Surges hat den Nahkauf 2004 übernommen: "Umsatz damals: 700 000 Euro. Heute sind es mehr als 1,5 Millionen." Er habe viel investiert und neue Ideen umgesetzt. "Wir bieten sogar einen Heimservice an."Konzept im Herbst fertig
Surges ist nicht generell gegen Mitbewerber: "Mit einzelnen Geschäften können wir konkurrieren, aber nicht mit einem ganzen Zentrum."
Ortsvorsteher Heinrich sieht nicht nur den Nahkauf von einer Schließung bedroht, sondern auch alle anderen Geschäfte in der Umgebung. "Die einzelnen Läden profitieren voneinander." Sobald ein Geschäft schließe, seien meist auch die anderen betroffen. Das Konzept werde nicht kritisch genug hinterfragt. "Wenn ein solches Zentrum gebaut wird, ist das Einkaufen zu Fuß nicht mehr möglich." Er finde es gut, dass man in Mitte-Gartenfeld alles ohne Auto erledigen könne, und der Heimservice sei vor allem für Senioren ideal.
Im Herbst soll über das Einzelhandelskonzept 2025+ abgestimmt werden. Bernd Michels (CDU), Ortsvorsteher von Trier-Kürenz, will sich bis dahin zu diesem Thema nicht äußern: "Das sind alles noch ungelegte Eier." Wenn, dann werden sie allerdings in seinem Stadtteil gelegt. Wegen des zu Kürenz gehörenden nördlichen Areals des alten Güterbahnhofs ist bereits das Trierer Immobilien- und Projektentwicklungsunternehmen Triwo im Rathaus und bei den Stadtratsfraktionen vorstellig geworden. Die Triwo will den Edeka-Markt aus der Schöndorfer Straße umsiedeln und einen neuen Aldi bauen. Doch dazu müsste erst einmal ein Bebauungsplan für die Fläche zwischen Gartenfeld- und Schönbornstraße her. Laut Geschäftsführer Peter Adrian winkt das Baudezernat bislang ab: "Die Stadt sagt, sie strebe eine großräumige Untersuchung an."
Wohl unter Einbeziehung des Walzwerk-Geländes. Der Kürenzer Traditionsbetrieb, der heute zum indischen Stahlgiganten Tata Steel gehört, soll nach TV-Informationen Ende 2014 stillgelegt werden. Und das rund vier Hektar große Firmenareal soll verkauft werden. Mögliche neue Nutzungen dort: Wohnen, Gewerbe - und Einzelhandel.Meinung
Und die Kleinen müssen bluten
Den kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke gibt es in vielen Stadtteilen nicht mehr. Olewig und Mariahof sind Beispiele dafür. Schöne Stadtteile, aber ohne Einkaufsmöglichkeit. Kein Wunder, dass die Geschäfte und die Gastronomie im Gartenfeld-Viertel Bedenken wegen ihrer Existenz haben. In Trier-Ost können die Kinder noch zu Fuß ihre beliebten Fußballkarten kaufen, Mütter ihren Wochenendeinkauf tätigen und ältere Menschen ihren Plausch halten. Nahversorgungszentren hingegen sind oft weder nah, noch haben sie individuellen Charme: für die Masse, mit der Masse. Ich wünsche mir mehr für die Stadtteile Triers. s.schmidt@volksfreund.de
Geschäftsleute aus Trier-Ost und ihr Ortsvorsteher machen sich Gedanken wegen eines Nahversorgungszentrums. Okay. Das aber soll auf Alt-Kürenzer Boden entstehen. Deshalb ist Panikmache in der Nachbarschaft völlig unangebracht. Die Bewohner von Alt-Kürenz haben kaum Möglichkeiten, in ihrem Stadtteil Lebensmittel oder Drogerieartikel zu kaufen. Deshalb weichen viele von ihnen notgedrungen nach Tarforst oder Trier-Nord aus. Insofern wäre ein Ladenzentrum in Wohnungsnähe auch ein wirksamer Beitrag zur Verkehrsvermeidung. Und wenn all diejenigen, die sich an der Unterschriftenaktion beteiligt haben, weiterhin in Trier-Ost einkaufen, dürfte es dort keine Probleme geben. r.morgen@volksfreund.de