Aldi räumt den Ortskern leer

Aldi räumt den Ortskern leer

TRIER-HEILIGKREU'Z. Aldi kommt! Alleine die Ankündigung des Discounter-Riesen, sich in Heiligkreuz anzusiedeln, hat den ansässigen Einzelhandel kräftig in Bewegung gebracht: Während der Ortskern leerer wird, sind die ungenutzten Gewerberäume neben dem künftigen Markt gefragt wie nie.

Zum Einkauf lädt das Äußere der Geschäftsfassade schräg gegenüber der Heiligkreuzer Kirche nicht gerade ein. Der Verputz hat an vielen Stellen Sprünge, einige Häuser könnten einen neuen Anstrich vertragen, Graffiti verunzieren einen Geschäftseingang. In den Schaufenstern zweier ehemaliger Geschäftsräume herrscht trostlose Leere.Neues Zentrum in der Wisportstraße

Bisher hatte sich der Bereich rund um Kirche und Brunnen als Einkaufszentrum halten können - auch nach der von den ansässigen Händlern vor einigen Jahren mit Schrecken erwarteten Eröffnung des Edeka-Marktes eingangs der Straße. Doch seit als sicher gilt, dass Aldi in naher Zukunft auf dem Eckgelände gegenüber der Einmündung der De-Nys-Straße in die Wisportstraße in Heiligkreuz bauen will, verändern sich die Strukturen: In dem seit gut dreieinhalb Jahren leer stehende Kowaltschuk-Möbelhaus in der Wisportstraße strahlen gleich drei neue Geschäfte in modernem Glanz: Die Bäckerei Dietz und der Blumenladen Stein sind vom Ortskern weg- und in die frisch renovierte Immobilie eingezogen, die Metzgerei Tyszak hat sich gleich ganz neu in Heiligkreuz angesiedelt. "Die Lage mit den Parkplätzen vor der Tür ist gut, das Einzugsgebiet groß, wir wollten mit einer weiteren Filiale noch näher am Kunden sein", begründet Inhaber Manfred Tyszak seine Standortentscheidung. Mit dem Umsatz ist er schon jetzt zufrieden, "aber der Aldi wird natürlich eine Menge Kunden anziehen". Auch die Bäckerei Dietz-Betreiberin Elisabeth Schmitz haben mehrere Gründe zum Umzug bewogen: "Ich wollte mich verändern, die Räume hier sind doppelt so groß wie die alten, unmodernen im Ortskern. Jetzt kann ich meinen Kunden ein Café mit Sitzplätzen anbieten." Als sie sich für den Standortwechsel entschieden habe, stand die Aldi-Ansiedlung noch nicht fest. "In unserer Kalkulation haben wir potenzielle Aldi-Kunden nicht eingerechnet", betont die Geschäftsfrau, "aber wir hoffen natürlich schon auf eine gute Frequenz. Viele kaufen frische Backwaren schließlich doch lieber beim Bäcker als beim Discounter." Ortsvorsteherin Elisabeth Ruschel hat Verständnis für die Einzelhändler. "Überall wo Discounter hinkommen, siedeln sich kleine Geschäfte rundherum an." Der Aufschrei, jetzt blute der Ortskern aus, sei nicht gerechtfertigt: "Schließlich haben sich die Heiligkreuzer im Bürgergutachten einen Aldi gewünscht!" Auch Suse-Marie Stein ist mit ihrem Blumenladen von der Rotbach- in die Wisportstraße gezogen. "Es ist zwar schade, dass es jetzt Leerstände an dem mit Brunnen und Kirche an sich sehr schönen Platz gibt, aber mein alter Vermieter hat das Haus seit Jahren verkommen lassen. Dort konnte ich nicht bleiben." Der marode Zustand einiger Häuser im alten Ortskern stört auch Ortsvorsteherin Ruschel gewaltig: "Dort muss etwas passieren! Die Vermieter haben eine Verantwortung, die Läden für Geschäftsleute attraktiv zu halten." Das Problem sei auch schon Thema im Stadtteilrahmenplan-Arbeitskreis gewesen. Dass das Zentrum ganz aussterben wird, glaubt sie nicht. "Die Apotheke wird bleiben, in die Metzgerei ist just ein neuer Mieter eingezogen. Und die Idee, den hinteren Teil für den Durchgangsverkehr zu sperren, haben wir im Interesse künftiger Geschäftsleute - und damit im Interesse der Heiligkreuzer Bürger - verworfen." Wünschenswert für die Leerstände wäre beispielsweise ein gut sortierter Obst- und Gemüseladen. "Seit Herbst findet der Samstagsmarkt ja leider nicht mehr statt - dadurch ist ein Defizit entstanden."

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