Alle drei Monate freuen sie sich auf diesen einen Tag

Alle drei Monate freuen sie sich auf diesen einen Tag

Viermal im Jahr ist Lebenshilfe-Disco im Club Toni: Ein Ereignis, dem viele behinderte Menschen aus der Region mit Freude entgegensehen. Hier können sie sich ihre Musik wünschen und einfach Spaß haben.

Trier. Das Kellergewölbe ist stimmungsvoll erleuchtet, die Musik dezent. Die Tanzfläche ist übersichtlich. Einige Besucher tanzen versunken, andere halten sich an den Händen und bewegen sich übermütig im Kreis. Manche schauen zu, einige haben es sich an der langen Theke gemütlich gemacht. Die Stimmung ist familiär, daran ändern auch die hineinströmenden Besucher nichts: Im Club Toni ist Lebenshilfe-Disco.
"Ich komme gern hierhin", sagt Luca Buzzi aus dem luxemburgischen Niederanven und strahlt. "Die Leute freuen sich darauf", sagt auch seine Betreuerin Sandra Simon. "Die Disco ist für uns ein Fixpunkt alle drei Monate." Auch in Luxemburg gebe es Discos und Sportveranstaltungen für Behinderte. Fernando, einer der regelmäßigen Besucher, kommt aus der Stadt Luxemburg. "Ich mag Musik von Lady Gaga, Eros Ramazotti, Lenny Kravitz und Michel Telo", sagt er. Zum ersten Mal da sind Nina und Werner Schönhofen mit ihrer 17-jährigen Tochter Adriana, die die Treverer-Schule besucht. "Wir wussten bisher nicht, dass es so etwas gibt", sagt Nina Schönhofen. Sie tanzt mit ihrer Tochter, der Vater macht Fotos. "Für behinderte Menschen gibt es in Trier noch zu wenig Angebote", stellt das Paar fest. Adriana sei in ihrer Bewegung eingeschränkt, tanze aber sehr gerne.
Die Lebenshilfe-Disco wurde vor rund 17 Jahren ins Leben gerufen, sagen die Organisatoren Frank Ritz und Andrea Schauf, beide Mitarbeiter im Lebenshilfe-Wohnheim in der Petrusstraße. "Anfangs waren wir im Balkensaal vom Exhaus, aber hier ist alles rollstuhlgerecht ausgebaut." Gezielt würden behinderte Menschen aus Eifel, Hunsrück, dem Saarland und Luxemburg zur Disco eingeladen. "Meistens sind rund 140 Besucher da, es waren aber auch schon 250." Darunter seien auch nicht behinderte Besucher, denn die Disco werde öffentlich ausgeschrieben.
"Hier können Leute ihren Spaß haben, Rollstuhlfahrer können sich relativ frei bewegen", sagt Frank Ritz. "In einer normalen Disco werden Behinderte begafft." Im Rollstuhl sitzt auch Charles Lepage, der dem Treiben vom Rand aus zusieht. "Die Lichter und das Ambiente gefallen mir", sagt der Rentner aus Ettelbrück und lächelt.
"Integration und Inklusion sind Probleme der Gesellschaft", ist Frank Ritz überzeugt. "Allerdings haben unsere Leute kein Problem mit der Gesellschaft." Inklusion werde im Wohnheim seit Jahren gelebt: "Wir gehen mit den Leuten einkaufen und in die Kneipen im Stadtteil. Viele können sich auch allein draußen bewegen und fahren mit dem Stadtbus zur Arbeit."
Im "Toni" geht es derweil immer mehr zur Sache: Hits wie "Nossa Nossa" sorgen für Stimmung auf der Tanzfläche, den Besuchern ist ihre Freude anzumerken. Und der Abend ist noch lang ... DQ