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Aller guten Dinge sind drei (Prozent)

Aller guten Dinge sind drei (Prozent)

FÖHREN (alf/red) Vor 25 Jahren haben Jugendliche und junge Erwachsene in Föhren die Aktionsgruppe "3 Prozent" gegründet. Bis heute wurden rund 300 000 Euro für Projekte in Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt. Auch der Eine-Welt-Laden in Föhren geht auf diese Helfer-Initiative zurück.

"Aktion 3 Prozent" - wer da an eine Rabatt-Aktion denkt, liegt schief. Vielmehr nennt sich so eine Gruppe von Föhrener Bürgern, die drei Prozent ihres Einkommens - oder bei Schülern des Taschengelds - für wohltätige Zwecke bereitstellt. Motiviert von der Jugendarbeit in der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) und deren entwicklungspolitischen Inhalten, wollten vor 25 Jahren junge Leute der Forderung an die Industriestaaten, endlich ihren Entwicklungshilfe-Etat zu erhöhen, mit persönlichem Beispiel Nachdruck verleihen. So entstand die Idee zur Gründung der "Aktion 3 Prozent". Etwa 35 regelmäßige und etliche sporadische Spender unterstützen diese Idee. So wird die Aktion in diesem Jahr den Betrag von 300 000 Euro an Spendengeldern erreichen.Weltladen wird gut angenommen

Mindestens so wichtig wie die finanzielle Unterstützung ist es der Gruppe, sich inhaltlich für die Belange einer gerechteren Welt durch eine gerechtere Weltwirtschafts-Ordnung einzusetzen. Von Anfang an hatte sie dabei die Idee des fairen Handels im Blick. Was 1981 mit Verkäufen fair gehandelter Produkte nach der Samstagabend-Messe begann, mündete 1990 in einen eigenen Weltladen. Sonst eher in großen Städten angesiedelt, beweist die "Aktion 3 Prozent", dass ein Weltladen auch erfolgreich in einer Gemeinde betrieben werden kann - dank vieler ehrenamtlicher Helfer jeden Alters. Nach dem Umzug im Jahr 2004 in die Dorfmitte stieg der Umsatz an verkauften Waren noch einmal deutlich an; ein Beleg dafür, dass der Weltladen von der Bevölkerung in und um Föhren gut angenommen wird. Der Weltladen ist auch der Ort, an dem sich die Gruppe trifft, diskutiert und Aktionen plant. Dazu zählen in regelmäßigen Abständen Informationsabende zu aktuellen Themen und Projekten. Die Länderschwerpunkte liegen dabei auf Bolivien und Nicaragua. Neben Fragen der Weltwirtschafts-Beziehungen und einem umfassenden Schuldenerlass befassen sich die Aktionsmitglieder mit der Anti-Minenkampagne und anderen Themen, die auf eine friedlichere Völkergemeinschaft abzielen. Bei (selbst finanzierten) Reisen nach Bolivien und Gegenbesuchen sind nicht nur Freundschaften entstanden, sondern viele Eindrücke, die nachhaltig motivieren. "Es ist sicherlich keine Voraussetzung, um zu wissen, dass da viel ungerecht und schief läuft. Doch wenn hinter dem Wissen auch noch konkrete Menschen stehen, die man bei diesen Reisen trifft, erhöht es einfach die Motivation", sagt Lorenz Müller, einer der beiden Vorsitzenden und Gründungsmitglied. Vorstandskollege Wolfgang Grosjean ergänzt: "Wir sind dabei auf ganz lebenslustige und faszinierende Menschen getroffen, die sehr gut selber wissen, was für sie gut ist und wo die staatliche Entwicklungshilfe mehr Eigennutz als Hilfe zur Selbsthilfe ist." Meist sind es Projekte der Hilfsorganisation "medico international", die die "Aktion 3 Prozent" unterstützt. Ein wenig gefeiert hat die Gruppe ihr Jubiläum bereits. Noch größer wäre allerdings die Freude gewesen, wenn die Industrienationen ihre Versprechen wahrgemacht und ihre Entwicklungshilfe-Etats tatsächlich angehoben hätten. So aber dümpelt der Anteil Deutschlands immer noch bei 0,29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor sich hin. Da sind es noch Welten, bis die drei Prozent, die löbliche Vorgabe aus Föhren, erreicht ist. Heute, 19.30 Uhr, lädt die "Aktion 3 Prozent" zu Vortrag und Diskussion mit Sabine Fehrenschild (Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar) in den Weltladen ein. Das Thema lautet: "Solidarität am Ende? - Solidarität ohne Ende?" Es geht darum, was die entwicklungspolitischen Aktivitäten von Gruppen, Hilfswerken und der staatlichen Entwicklungshilfe gebracht haben.