Alles da, alles nah?

Wie muss sich der Kreis Trier-Saarburg bis zum Jahr 2030 entwickeln, damit die Grundbedürfnisse der Bürger befriedigt werden können? Antworten auf diese Frage soll die Teilnahme am bundesweiten Modellprojekt Moro (siehe Extra) bringen.

Trier/Saarburg. Noch\'n Konzept? "Nein", sagt Landrat Günther Schartz. Das Modellprojekt Moro verfolge einen strategischen Ansatz. Es gehe darum, Grundsatzfragen der Daseinsvorsorge aufzugreifen, insbesondere unter dem Aspekt des demografischen Wandels. Ziel sei es, langfristige Perspektiven für das Leben im Kreis gemeinsam mit Experten und der Bürgerschaft zu entwickeln. Es sollen vier Arbeitsgruppen gebildet werden, wobei erwartet wird, dass beim zweiten Zusammentreffen Mitte Juni erste Ideen und Lösungsansätze auf den Tisch kommen. In zwei Bürgerworkshops (geplant sind sie Ende 2012 und Anfang 2013) soll auch die Öffentlichkeit ihre Einschätzung zu den geplanten Projekten geben können. Möglich ist das auch über eine Internet-Plattform. Von Verwaltungsseite ist der Kreisausschuss mit der Umsetzung betraut, im Kreishaus ist eine Geschäftsstelle mit einer Halbtagskraft eingerichtet worden. Im Pressegespräch erläutert Landrat Schartz einige der Schwerpunktthemen.
Bildung: Hier sollen in erster Linie Strategien zur außerschulischen Bildung entwickelt werden. Schartz: "Wir brauchen Fachkräfte in der Region. Hier müssen wir schauen, was wir zusammen mit den Kammern tun können." Luxemburg sei zwar ein wichtiger Jobmotor für die Region, so der Landrat, es habe aber selbst in den kommenden Jahren einen hohen Fachkräftebedarf.
Ärztliche Versorgung: Hier läuft bereits eine Studie von Kreis und Stadt Trier in Zusammenarbeit mit der Uni und der Kassenärztlichen Vereinigung, die in eine Strukturplanung münden soll. Moro soll darüber hin aus aufzeigen, wie der Rettungsdienst und die notärztliche Versorgung in der Region gesichert werden können. Auch soll untersucht werden, inwieweit ein flächendeckendes Netz von Familienzentren gespannt werden kann.
Mobilität: Wie kommen die Leute zur Infrastruktur, also zur Arbeit, zum Arzt, zu den Geschäften, zu Freizeiteinrichtungen? Auf den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehr und den Einsatz von Bürgerbussen, das weiß Schartz, wird man sich nicht allein verlassen können. "Wir müssen auch über Mitfahrgelegenheiten im Individualverkehr nachdenken." Der Landesplaner beim Kreis, Joachim Mayerhofer, glaubt sogar, dass in einigen Jahren die Elektroräder als Fortbewegungsmittel eine große Rolle spielen werden.
Lebenswerte Dörfer: In dieser Arbeitsgruppe sind auch Ortsbürgermeister von Siegergemeinden des Kreiswettbewerbs "Lebendige Dörfer" vertreten, um ihre Erfahrungen einzubringen. Mayerhofer kann sich vorstellen, dass auch während des Moro-Prozesses (er dauert bis Oktober 2013) Gemeinden vor Ort in einer Art Feldstudie miteingebunden werden. Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojekts ist das Institut für ländliche Strukturforschung der Universität Frankfurt beauftragt worden. Deren Mitarbeiter werden die Inhalte der Regionalstrategie den Bürgern am Dienstag vorstellen (siehe Extra).

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