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"Alles nur ein Pflaster auf die Wunde"

"Alles nur ein Pflaster auf die Wunde"

TRIER. (cw) Das Parkplatzproblem in der Trierer City war Hauptthema der Sitzung des Dezernatsausschusses IV. Über die geplante Anwohnerparkzone im Bereich der Oerenstraße und ihre Alternativen wurde kontrovers diskutiert.

Wer in Triers Innenstadt regelmäßig eine Parkmöglichkeit suchen muss, ist wahrlich nicht zu beneiden: Von einem regelrechten "Kampf" um die freien Plätze sprach Wirtschaftsdezernentin Christiane Horsch in der Ausschusssitzung. Nach ihren Feststellungen gibt es Pendler, die schon um 6.30 Uhr einen Parkplatz belegen und noch eine ganze Stunde im Auto sitzen, bevor sie schließlich zur Arbeit gehen. Neue Stellflächen müssten her. Doch die Architektur der Talstadt, erbaut in einer Zeit, in der die Blechlawinen von heute noch nicht zu erahnen waren, lässt die Schaffung weiterer Plätze nicht zu. Die Lösung der Stadtplaner lautet daher "Parkraumbewirtschaftung". So sollen die vorhandenen Flächen besser genutzt und verteilt werden - vor allem zugunsten der Anwohner. Daher sind bereits 16 so genannte "Anwohnerparkzonen" entstanden, eine weitere wird im Bereich der Oerenstraße geschaffen werden; der Paulusplatz soll autofrei bleiben. "Es wird von Zone zu Zone eine adäquate Lösung erarbeitet, die alle Bedürfnisse einschließen soll", erläuterte der Leiter des Straßenverkehrsamts, Curt Stodulka, der das neue gemeinsame Konzept des Wirtschafts- und des Baudezernats im Verlauf der Sitzung vorstellte. Bei der Planung gilt es, zu untersuchen, inwieweit Straßen von Anwohnern, Lieferfahrzeugen, Einkäufern oder Pendlern frequentiert werden. "In den Zonen", erläuterte Christiane Horsch, "gibt es keine freien Plätze mehr, alle werden bewirtschaftet." Das bedeutet, dass sie entweder für Anwohner mit Parkausweis reserviert sind oder als "Kurzzeitparkplätze" zum Beispiel von Einkäufern genutzt werden können. Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen werktags von 9 bis 18 Uhr jedoch nur 50 Prozent, in der übrigen Zeit 75 Prozent der Plätze ausschließlich für Anwohner bestimmt sein, sofern es sich um Gebiete handelt, die gewerblich genutzt werden. Für den Bereich um die Oerenstraße bedeutet dies, dass von den 171 dann zur Verfügung stehenden Parkflächen werktags 82 und sonst alle für die Anwohner frei gehalten werden müssen.Parkausweis bringt Vorrecht, aber kein Anrecht

Curt Stodulka wies darauf hin, dass ein Parkausweis zum Preis von jährlich 30,70 Euro zwar ein "Vorrecht, aber kein Anrecht" sichere. "Pro Parkplatz werden teilweise drei Berechtigungsscheine ausgestellt", ergänzte Gilbert Felten (CDU). Das Mitglied des Stadtrats sprach sich generell gegen das vorgestellte Konzept aus, es sei "nicht ausgewogen". Er kritisierte, dass die Anwohnerparkzonen in der Innenstadt praktisch "aneinander kleben" und Quartierfremde nicht ausreichend berücksichtigt würden. Christiane Horsch merkte an, dass die "neue Bewohnerparkzone ,O' die letzte noch nicht bewirtschaftete Zone im Stadtbereich ist". Daher suchten Quartierfremde gerade dort einen Parkplatz; das benachteilige die Anwohner. CDU-Mitglied Karl Biegel sprach sich für ein zentrales Park+Ride-System aus, um die City zu entlasten. "Das Gesamtkonzept fehlt", sagte er und kritisierte ebenfalls die Schaffung der Anwohnerparkzonen, "das ist alles nur ein Pflaster auf die Wunde". Die Fraktion erneuerte ebenfalls ihre Forderung nach Quartiergaragen. Christiane Horsch lehnte diese im Hinblick auf die finanzielle Lage ab. Hans-Willy Triesch (SPD) forderte, die Parkgebühren zu senken. Ein von Pendlern genutzter Tagesparkplatz kostet im City-Parkhaus 77 Euro im Monat, ein Dauerparkplatz sogar 102 Euro.